§ 105
1. Wer also zuerst seine Leidenschaften gemäßigt und dann Freiheit von Leidenschaften erstrebt hat und zu dem Gutestun gnostischer Vollkommenheit fortgeschritten ist, der ist bereits hier auf Erden „engelgleich“. Entsprechend seinen guten Taten ist er bereits lichterfüllt und strahlt wie die Sonne und strebt in seiner gerechten Erkenntnis durch seine Liebe zu Gott zu der heiligen Wohnstätte empor wie die Apostel, die nicht, weil sie auserwählt waren, auf Grund einer ausgezeichneten natürlichen Beschaffenheit Apostel wurden (da ja auch Judas mit ihnen auserwählt wurde) sondern sie waren imstande, Apostel zu werden, da sie von dem auserwählt waren, der auch das Ende voraussieht.
2. Jedenfalls wird Matthias, der nicht mit ihnen ausgewählt worden war, aber sich würdig erwies, Apostel zu werden, an der Stelle des Judas in ihre Zahl eingereiht.
§ 106
1. Es ist also jetzt noch möglich, in die Auswahl der Apostel aufgenommen zu werden, wenn man sich in den Geboten des Herrn übt und vollkommen und gnostisch nach dem Evangelium lebt. 2. Ein solcher ist in der Tat ein Ältester in der Gemeinde und ein wahrer Diener des göttlichen Willens, wenn er die Gebote des Herrn erfüllt und lehrt; er wird nicht deshalb, weil er von Menschen erwählt wird, und auch nicht, weil er Ältester ist, für gerecht gehalten, sondern, weil er gerecht ist, wird er in den Rat der Ältesten aufgenommen. Und wenn er hier auf Erden nicht durch einen Ehrenplatz ausgezeichnet wird, so wird er doch auf einem der vierundzwanzig 310 Throne sitzen und das Volk richten, wie Johannes in der Offenbarung sagt.
3. Denn in der Tat gibt es nur einen einzigen heilbringenden Bund, der von der Erschaffung der Welt bis zu uns reicht, von dem man aber annahm, daß er in verschiedenen Geschlechtern und zu verschiedenen Zeiten auch der Art seiner Gaben nach verschieden sei.
4. Denn es ist folgerichtig, daß es nur eine einzige unveränderliche Gabe des Heils von einem einzigen Gott durch einen einzigen Heiland gibt, die „auf mannigfache Weise“ nützt und deretwegen die „Zwischenwand“, die den Griechen von dem Juden trennte, beseitigt wurde, damit ein einziges auserlesenes Volk entstehen könnte.
§ 107
1. Und so gelangen beide „zur Einheit des Glaubens“, und die aus beiden getroffene Auswahl ist eine Einheit.
2. Und noch auserwählter als die Auserwählten, so heißt es, sind diejenigen, die entsprechend ihrer vollkommenen Erkenntnis auch aus der Kirche selbst wie Blüten ausgewählt und der herrlichsten Ehre gewürdigt worden sind, als Richter und Ordner, in gleicher Weise aus Juden und Griechen ausgewählt, die vierundzwanzig, indem die Zahl der Begnadigten verdoppelt wurde; denn wie ich glaube, sind auch die hier auf der Erde in der Kirche vorhandenen Rangstufen von Bischöfen, Ältesten und Diakonen Abbilder der Herrlichkeit der Engel und jener Heilsordnung, die nach den Worten der Heiligen Schrift diejenigen zu erwarten haben, die nach dem Vorbild der Apostel in vollkommener Gerechtigkeit nach den Geboten des Evangeliums gelebt haben.
3. Von diesen schreibt der Apostel, daß sie „auf Wolken“ entrückt zuerst Diakonen sein und dann auf einer höheren Stufe der Ehre (den zwischen Ehre und Ehre gibt es noch einen Unterschied) der Zahl der Ältesten würden eingereiht werden, bis sie „zum vollkommenen Mann“ herangewachsen sind.