§ 133
1. Als Beispiel wollen wir im Vorübergehen zur gnostischen Veranschaulichung die zehn Gebote vorführen. Und daß die Zehnzahl heilig ist, dies zu sagen ist für jetzt überflüssig. Wenn aber die beschriebenen Gesetzestafeln „ein Werk Gottes“ sind, so wird sich finden, daß sie auf die natürliche Weltschöpfung hinweisen. Denn unter dem „Finger Gottes“ ist die Macht Gottes zu verstehen, durch die die Erschaffung des Himmels und der Erde vollführt wird, und als Sinnbilder von beiden werden die beiden Tafeln aufzufassen sein.
2. Denn die Schrift Gottes und die Formgestaltung, die sich auf den Tafeln findet, ist die Erschaffung der Welt.
3. Wenn man den Dekalog als Bild des Himmels ansieht, so umfaßt er Sonne und Mond, Gestirne, Wolken, Licht, Wind, Wasser, Luft, Finsternis, Feuer. Dieses ist der natürliche Dekalog des Himmels.
4. Als Bild der Erde aber umfaßt der Dekalog Menschen, Haustiere, kriechende Tiere, wilde Tiere und von den im Wasser lebenden Tieren Fische und Seeungeheuer und von den Vögeln ebenso die Raubvögel wie die von Pflanzen sich nährenden Vögel und von den Pflanzen in gleicher Weise die fruchttragenden wie die ohne Früchte. Dieses ist der natürliche Dekalog der Erde.
330 5. Und die Arche, die all dies in sich aufgenommen hat, dürfte wohl die Kenntnis der göttlichen und menschlichen Dinge und die Weisheit sein. Vielleicht sind aber diese zwei Tafeln eine Weissagung auf die beiden Testamente.
§ 134
1. Sie wurden also auf geheimnisvolle Weise erneuert, da Unwissenheit und zugleich Sünde übermächtig waren. Auf zweierlei Weise werden, wie mir scheint, die Gebote für zweierlei Geister aufgeschrieben, für den zum Herrschen bestimmten und für den ihm untergeordneten Geist, da „das Fleisch gegen den Geist aufbegehrt und der Geist gegen das Fleisch“.
2. Es gibt aber auch beim Menschen selbst eine Zehnzahl, nämlich die fünf Sinne und das Sprechwerkzeug und die Zeugungsglieder und gerade als achtes den bei der Schöpfung eingehauchten Geist und als neuntes den beherrschenden Seelenteil und als zehntes die durch den Glauben hinzukommende kennzeichnende Eigenart des Heiligen Geistes.
3. Außerdem scheint noch die Gesetzgebung zehn bestimmten Teilen des Menschen Gebote zu geben, dem Gesicht, dem Gehör, dem Geruch, dem Tastsinn und dem Geschmack und den diesen dienenden paarweise vorhandenen Gliedern, den Händen und den Füßen; denn so ist der Mensch geschaffen.
§ 135
1. Dazu kommt aber noch die Seele und überdies noch der beherrschende Seelenteil, mit dem wir denken, der nicht auf Grund der Hingabe des Samens geboren wird, so daß sich auch ohne ihn beim Zusammenzählen die Zehnzahl der Teile ergibt, durch die die ganze Tätigkeit des Menschen zustande kommt. Denn was die Reihenfolge betrifft, so beginnt der Mensch sofort, nachdem er geboren ist, sein Leben damit, daß er sich sinnlicher Empfindungen fähig zeigt.
2. Wir sagen daher, daß das Denkvermögen und der beherrschende Seelenteil für das Lebewesen zwar Ursache des Bestehens sei, aber auch Ursache davon, daß der unvernünftige Teil beseelt wurde und an dem Bestehen Anteil hat.
3. Dementsprechend ist die Lebensfähigkeit, zu der die Möglichkeit, sich zu ernähren und zu wachsen und überhaupt sich zu bewegen, gehört, 331 dem fleischlichen Pneuma zugeteilt worden, das schnell beweglich ist und nach allen Richtungen durch die Sinne und den übrigen Körper hindurchwandert und durch den Körper auch zuerst empfindet.
4. Die Willenskraft aber besitzt der beherrschende Seelenteil, und auf ihm beruht das Suchen und das Lernen und das Erkennen. Aber schließlich geht die Ursache von dem allen auf die eine beherrschende Seelenkraft zurück, und ihr verdankt es der Mensch, daß er leben und sein Leben in einer bestimmten Weise führen kann.
§ 136
1. Durch das Körperpneuma kann also der Mensch empfinden, begehren, sich freuen, zornig sein, sich nähren, wachsen; und durch seine Wirkung kommt er auch zu den Taten, die seiner Überlegung und seiner Gesinnung entsprechen; und wenn er über die Begierden Herr ist, so regiert der beherrschende Seelenteil.
2. Das Wort „Du sollst nicht begehren!“ bedeutet also: Du sollst dem fleischlichen Geist nicht gehorchen, sondern über ihn herrschen, da „das Fleisch gegen den Geist aufbegehrt“ und sich erhebt, um die Ordnung der Natur zu übertreten, und „der Geist gegen das Fleisch“, der es zu einem Lebenswandel zwingen will, der der Natur des Menschen entspricht.
3. Vielleicht ist daher von dem Menschen mit Recht gesagt, daß er „nach dem Bilde Gottes“ geschaffen worden sei, nicht hinsichtlich der Bildung der äußeren Gestalt, sondern insofern Gott alles durch sein Wort schafft, der Mensch aber, der Gnostiker geworden ist, die guten Taten durch den denkenden Seelenteil vollführt.
4. Mit Recht ist daher an einer anderen Stelle gesagt, daß die beiden Tafeln die Gebote bedeuten, die den beiden Geistern, dem bei der Erschaffung eingehauchten und dem zur Herrschaft bestimmten Geist, vor dem Gesetz gegeben wurden.
5. Auch die Regungen der Sinne bringen Eindrücke im Denken hervor und werden andererseits durch das Tun des Körpers offenbar; denn aus beiden erwächst das Erfassen.
§ 137
1. Und wiederum verhält sich das Denken zu dem geistig Erfaßbaren, wie sich die Sinne zu dem sinnlich Wahrnehmbaren verhalten. Und doppelter Art sind auch die Handlungen; die einen beruhen auf dem Denken, die 332 anderen auf einem Tätigkeitstrieb.
2. Und das erste Gebot des Dekaloges stellt fest, daß es nur einen allmächtigen Gott gibt, der das Volk aus Ägypten durch die Wüste in das Land seiner Väter hinüberführte, damit sie, soweit sie konnten, durch die göttlichen Taten seine Macht erkennten und die götzendienerische Verehrung des Erschaffenen aufgäben, dagegen alle ihre Hoffnung auf den wahren Gott setzten.
3. Das zweite Gebot aber tat kund, daß man die erhabene Macht Gottes (das ist nämlich sein Name; denn nur diesen vermochten sie, wie das auch jetzt noch bei der großen Masse der Fall ist, zu erfassen) daß man also seine Benennung nicht nehmen und nicht übertragen dürfe auf das Erschaffene und Nichtige, was eben menschliche Werkmeister gemacht haben, Dinge, mit denen der Seiende nicht gleichgestellt werden darf; denn der Seiende ist selbst allein in ungewordener Selbstgleichheit.
4. Das dritte Gebot aber tut kund, daß die Welt von Gott geschaffen ist und daß er uns wegen der Mühsal des Lebens den siebenten Tag als Ruhetag gegeben hat; denn Gott selbst kennt keine Ermüdung und keine Gefühlserregungen und ist bedürfnislos; wir aber, die wir das Fleisch an uns tragen, haben eine Ruhezeit nötig.
§ 138
1. Der siebente Tag wird also als Ruhetag verkündet und soll durch Enthaltung von Bösem den Tag vorbereiten, der der Uranfang alles Entstehens und unser wirklicher Ruhetag ist, den Tag, der auch in Wahrheit der Schöpfungstag des Lichtes ist, durch das alles geschaut und alles als Erbteil erlangt wird.
2. Von diesem Tag aus leuchtet uns die erste Weisheit und die Erkenntnis auf. Denn das Licht der Wahrheit ist wahres, schattenloses Licht, der Geist des Herrn, der auf die durch den Glauben Geheiligten ungeteilt ausgeteilt ist, der die Aufgabe einer Leuchte für die volle Erkenntnis des Seienden hat.
3. Wenn wir ihm nun folgen, so werden wir unser ganzes Leben hindurch frei von Gemütserregungen; das bedeutet aber, daß wir zur Ruhe kommen.
4. Deshalb sagt auch Salomon, daß von dem 333 Allmächtigen die Weisheit vor dem Himmel und vor der Erde und vor allem Seienden geschaffen worden sei; wenn man diese besitzt (ich meine der Wirkung, nicht dem Wesen nach) so lehrt sie, der göttlichen und menschlichen Dinge mit sicherem Verständnis kundig zu sein.
5. An dieser Stelle müssen wir im Vorübergehen auch an das folgende erinnern, da die Rede auf die Sieben und die Achtzahl gekommen ist. Vielleicht ist nämlich die Achtzahl in Wirklichkeit die Siebenzahl, und die Siebenzahl eigentlich die Sechszahl, und die eine (die Achtzahl) in Wirklichkeit der Ruhetag, die Siebenzahl aber der Arbeitstag.
6. Denn sowohl wird die Erschaffung der Welt in sechs Tagen vollendet, als auch vollzieht sich die Bewegung der Sonne von Wendekreis zu Wendekreis in sechs Monaten, und während der einen Bewegung fallen die Blätter ab, während der anderen dagegen sprießen die Pflanzen empor und gelangen die Saaten zur Reife.
§ 139
1. Es wird aber auch die Leibesfrucht, wie es heißt, im sechsten Monat genau ausgebildet, das heißt in 182 1/2 Tagen, wie der Arzt Polybos in der Schrift „Über die Achtmonatskinder“ sagt und der Philosoph Aristoteles in dem Buch „Über die Natur“.
2. Und die Pythagoreer sind davon, meine ich, nämlich von der Erzählung des Propheten von der Erschaffung der Welt, abhängig, wenn sie die Zahl sechs für vollkommen halten und sie Geradenmitte und Ehe nennen, weil sie die Mitte unter den Geraden einnimmt, nämlich zwischen zehn und zwei; denn sie ist offenbar von beiden gleich weit entfernt.
3. Und wie die Ehe aus der Verbindung von Männlichem und Weiblichem neues Leben hervorbringt, so wird die Zahl sechs aus einer ungeraden Zahl, nämlich der Zahl drei, die eine männliche Zahl heißt, und einer geraden, nämlich der Zahl zwei, die für eine weibliche gehalten wird, erzeugt; denn zweimal drei ergibt sechs.
4. So viel sind wieder der Zahl nach die wichtigsten Bewegungen, nach denen die ganze Schöpfung sich bewegt, nach oben und nach 334 unten, nach rechts und nach links, nach vorn und nach hinten.
§ 140
1. Mit Recht nimmt man also an, daß die Zahl sieben weder eine Mutter noch Nachkommen habe, indem man den Sabbat erläutert und darin einen Hinweis auf die Art der Ruhezeit sieht, in der „sie weder mehr freien noch sich freien lassen“. Denn die Zahl sieben entsteht weder dadurch, daß man irgendeine Zahl mit einer anderen vervielfacht, noch bringt sie, mit irgendeiner Zahl vervielfacht, eine andere Zahl unter der Zahl zehn hervor.
2. Und die Zahl acht nennt man Kubus; um sie zu erhalten, rechnet man mit den sieben Wandelsternen noch den Fixsternhimmel zusammen, wodurch das große Jahr entsteht gleichsam als ein Kreislauf der Erfüllung der Verheißungen.
3. So wird der Herr, der als vierter (d.h. zusammen mit drei anderen) auf den Berg hinaufsteig), sechster (d.h. er ist mit fünf anderen zusammen) und wird von geistigem Lichte umstrahlt, indem er die von ihm ausgehende Macht enthüllte, soweit es den zum Sehen Auserwählten möglich war, sie zu sehen, und das siebente war die Stimme, durch die verkündet wurde, daß er Gottes Sohn sei, damit jene Augenzeugen von seinem wahren Wesen überzeugt würden und zur Ruhe kämen, er selbst aber, durch die Schöpfung, auf die die Sechszahl hinwies, gekennzeichnet, als Achtzahl erscheine, als Gott, der im Fleisch seine Macht offenbart und wie ein Mensch gezählt wird, während verborgen bleibt, wer er war.
4. Denn in der Zahlenreihe wird auch die Zahl sechs mitgerechnet, die 335 Reihenfolge der Buchstaben aber kennzeichnet den in ihr nicht geschriebenen Buchstaben (für sechs) als etwas Auffälliges.
§ 141
1. Hier finden sich bei den Zahlen selbst der Reihe nach jede Einheit bis zur Zahl sieben und zur Zahl acht, bei den Buchstaben ist aber der Zahl nach der sechste das Zeta und der siebente das Eta.
2. Da aber das auffällige Zahlzeichen ((xxx)) auf irgendeine Weise aus der Schrift verlorenging, wird, wenn wir die Reihe (der Buchstaben) so nehmen, das Zeichen der Siebenzahl zum sechsten und das Zeichen der Achtzahl zum siebenten Buchstaben.
3. Deshalb heißt es auch, daß am sechsten Tage der Mensch geschaffen wurde, der zum Glauben an den „Ausgezeichneten“ kam, so daß er sofort die Ruhe des ihm vom Herrn verliehenen Erbes erhielt.
4. Etwas Ähnliches bedeutet auch die sechste Stunde des Leidens des Herrn, durch die der Mensch die völlige Erlösung erhielt.
5. Ferner ist bei der Zahl acht die Zahl der Mittelräume sieben, und bei der Zahl sieben sind offenbar die Mittelräume der Zahl nach sechs.
6. Um etwas anderes handelt es sich, wenn die Siebenzahl die Achtzahl preist und „die Himmel den Himmeln die Herrlichkeit Gottes verkünden“. Die sichbaren Abbilder der Himmel sind bei uns die tönenden Buchstaben (die Vokale).
7. So wird auch der Herr selbst „A und O, Anfang und Ende“ genannt, „durch den alles geworden ist und ohne den auch nicht eines geworden ist“. Es hat also Gott nicht, wie manche das Ruhen Gottes auffassen, aufgehört, tätig zu sein; denn da er gut ist, würde er, wenn er je aufhören würde, Gutes zu tun, auch aufhören, Gott zu sein, ein Gedanke, den man nicht einmal aussprechen darf.
§ 142
336 1. Daß er Ruhe gemacht hat, besteht also darin, daß er festsetzte, daß die Ordnung des Geschaffenen für alle Zeit unwandelbar gewahrt wird und daß er jedes einzelne von dem Geschaffenen aus der alten Unordnung befreite und so zur Ruhe brachte.
2. Denn die an den verschiedenen Tagen geschaffenen Werke hatten mit größter Folgerichtigkeit ihre Ehre nach dem Alter, da alles Geschaffene eine bestimmte Ordung erhalten sollte, weil es zwar zugleich mit dem Gedanken (Gottes) geschaffen, aber nicht in gleicher Weise wertvoll war. Es wäre sonst auch nicht ausdrücklich die Erschaffung jedes einzelnen bekanntgegeben worden, nachdem zuvor gesagt worden war, daß die Schöpfung auf einmal erfolgt sei; irgend etwas mußte ja auch an erster Stelle genannt werden.
3. Deshalb wurde von dem Propheten ein erstes und dann das zweite genannt, obwohl alles zugleich aus einem Stoff von einer einzigen Macht geschaffen wurde; denn es gibt, meine ich, doch nur einen einzigen Willen Gottes in einem und demselben sich gleichbleibenden Wesen.
4. Wie könnte aber auch die Schöpfung in der Zeit vor sich gehen, da auch die Zeit erst zugleich mit dem Seienden geschaffen wurde? Ferner bewegt sich auch nach Zeiträumen von je sieben Einheiten in Kreisen die ganze Welt alles dessen, was lebend geboren wird, und dessen, was wie die Pflanzen wächst.
§ 143
1. Sieben sind die Zahl nach die erstgeborenen, mit der höchsten Macht betrauten Erzengel, und sieben sind, wie die Jünger der Wissenschaft lehren, die Wandelsterne, die die Verwaltung aller irdischen Dinge unter sich haben; durch sie geschieht, wie die Chaldäer glauben, infolge eines gemeinsamen Schicksals alles im menschlichen Leben, und deshalb verheißen sie auch, einiges über die Zukunft zu sagen; und von den Fixsternen sind der Zahl nach sieben die Pleiaden; sieben Sterne hat auch der Große Wagen, nach denen sich der Landbau und die Schiffahrt bei ihrer Arbeit richten, und der Mond vollendet seinen Gestaltswechsel immer innerhalb von sieben Tagen.
2. In dem ersten Zeitraum von sieben Tagen wird er nämlich zum Halbmond, in dem zweiten zum Vollmond, in dem dritten nach dem Beginn des Abnehmens wieder zum 337 Halbmond, und in dem vierten wird er unsichtbar.
3. Nach der Lehre des Mathematikers Seleukos aber nimmt der Mond auch selbst sieben verschiedene Formen an; er wird nämlich aus einem unsichtbaren zu einer Mondsichel, dann zum Halbmond, dann ist er über die Hälfte leuchtend und wird zum Vollmond, und abnehmend wird er wieder über die Hälfte leuchtend, Halbmond und sichelförmig.
§ 144
1. „Neuer Gesang soll erschallen zur siebensaitigen Leier“, schreibt ein nicht unbedeutender Dichter, der damit zugleich lehrt, daß auch die alte Lyra sieben Töne hatte.
2. Sieben Sinneswerkzeuge haben wir auch an unserem Antlitz: zwei sind die Augen, zwei die Gehörgänge, zwei die Nasenlöcher und das siebente ist der Mund.
3. Und die Elegie Solons lehrt etwa so, daß der Wechsel der Lebensalter immer mit sieben Jahren vor sich geht:
4.„Noch nicht erwachsen, ein unmündig Kind, bringt der Zähne Geheg’ er Erstmals hervor und verliert sie in dem siebenten Jahr. Aber wenn Gott ihm vollendet der Jahre noch weitere sieben, Teten die Zeichen hervor, daß ihm die Mannbarkeit naht. Und in dem dritten Jahrsiebent da wachsen noch immer die Glieder, Ud es behaart sich das Kinn, wechselt die Farbe der Haut.
5. Und in dem vierten Jahrsiebent erlangt wohl ein jeder die größte Stärke, die jeglichem Mann Zeichen der Tüchtigkeit ist. Aber im fünften da ziemt es dem Mann, an Vermählung zu denken, Und nach der Kinder Geburt tracht’ er für künftige Zeit! Und in dem sechsten da denket der Mann in allem gesetzter; Nicht mehr macht es ihm Freud’, nichtige Dinge zu tun.
6. Und nun ist er für vierzehn Jahre im Denken und Reden Allen voran, und so gehn wieder zwei Zeiten vorbei. Und in der neunten ist Kraft zwar noch da; doch gewaltiger Leistung Ist gewachsen nicht mehr Körper und geistige Kraft. Wenn aber zehnmal die sieben Jahre die Gottheit ihm schenkte, Dann ereilt ihn zu früh nicht mehr das Todesgeschick.“
§ 145
1. Wiederum bringen bei den Krankheiten der siebente und der vierzehnte Tag die Entscheidung, weil an diesen Tagen die Natur den entscheidenen Kampf gegen die Krankheitsursachen führt.
2. Und unzählige Tatsachen dieser Art führt Hermippos von Berytos in seiner Schrift “Über die Siebenzahl” an, um die Heiligkeit dieser Zahl zu erweisen.
3. Deutlich überliefert die geheimnisvolle Lehre von der Sieben-und Achtzahl auch der selige David, wenn er in einem Psalm ungefähr so sagt: “Um unsere Jahre gab ich mir Mühe wie eine Spinne (mit ihrem Netz). Die Zahl unserer Jahre ist im ganzen siebenzig Jahre und, wenn es zur höchsten Stufe kommt, achzig Jahre.” Das würde wohl bedeuten, daß wir zur Königsherrschaft kommen.
4. Damit wir also einsehen, daß die Welt etwas Gewordenes ist, aber nicht annehmen, daß Gott sie in der Zeit geschaffen habe, fügte die Weissagung hinzu: “Dies ist das Buch der Schöpfung und dessen, was in ihr ist, als es geschaffen wurde” an dem Tage, an dem Gott den Himmel und die Erde schuf."
5. Denn die Worte “als es geschaffen wurde” sind eine unbestimmte und zeitlose Angabe; dagegen die Worte “an dem Tage, an dem Gott 339 schuf”, das heißt: an dem und durch den er alles schuf, “ohne den auch nicht eines wurde”, weisen auf die Tätigkeit des Sohnes hin, von dem David sagt: “Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; laßt uns jubeln und fröhlich an ihm sein!” Das heißt: Laßt uns entsprechend der durch ihn überlieferten Erkenntnis uns reichlich an dem göttlichen Gastmahl sättigen!
6. Denn “Tag” heißt das göttliche Wort, das das Verborgene erhellt und durch das jedes einzelne Geschöpf an das Licht und zur Entstehung kam.
7. Und überhaupt weist der Dekalog durch den Buchstaben Jota auf den seligen Namen hin und zeigt, daß Jesus der Logos ist.
§ 146
1. Das folgende fünfte Gebot handelt von der Ehre, die Vater und Mutter gebührt. Mit Vater aber und Herr meint er deutlich Gott.
2. Deshalb bezeichnet er auch diejenigen, die ihn erkannt haben, als Söhne und Götter. Herr und Vater ist also der Schöpfer aller Dinge, Mutter aber nicht, wie manche meinen, der Stoff, aus dem wir geschaffen worden sind, und auch nicht, wie andere gelehrt haben, die Kirche, sondern die göttliche Erkenntnis und die Weisheit, wie Salomon sagt, wenn er die Weisheit Mutter der Gerechten nennt. Und sie ist ihrer selbst wegen erstrebenswert. Und andererseits wird alles Schöne und Hehre von Gott her durch den Sohn erkannt.
3. Diesem Gebot folgt das Gebot über den Ehebruch. Ehebruch ist es aber, wenn jemand die kirchliche und wahre Erkenntnis und Auffassung von Gott verläßt und sich der nicht geziemenden falschen Meinung zuwendet, indem er irgend etwas Erschaffenes zu Gott macht oder ein Götzenbild aus etwas macht, was gar nicht existiert, und so die Erkenntnis überschreitet, ja vielmehr sich ganz von ihr trennt. Die falsche Ansicht ist aber für den Gnostiker etwas Fremdes wie die wahre etwas Vertrautes und Verwandtes.
§ 147
1. Deshalb nennt auch der edle Apostel den Götzendienst als eine der Arten des Ehebruchs, in Übereinstimmung mit dem Wort des Propheten: „Sie (die Volksgemeinde Juda) trieb Ehebruch mit dem Holz und dem 340 Stein; zu dem Holz sagte sie: Du bist mein Vater, und zu dem Stein: Du hast mich erzeugt.“
2. Dann folgt das Gebot über den Mord. Mord ist aber eine gewalttätige Beseitigung. Wer also die wahre Lehre von Gott und seinem ewigen Wesen beseitigen will, um an ihre Stelle die Lüge zu setzen, indem er entweder behauptet, in dem Weltall gäbe es keine Vorsehung, oder daß die Welt unerschaffen sei oder daß sonst etwas von dem, was nach der wahren Lehre ganz sicher ist, falsch sei, der ist ein ganz verworfener Mensch.
3. Nach diesem kommt das Gebot über den Diebstahl. Wie also derjenige, der fremdes Eigentum stiehlt, ein großes Unrecht begeht und mit Recht der verdienten Strafe verfällt, so ist ein Dieb auch, wer sich durch die Kunst der Bildhauerei oder Malerei das Gott allein vorbehaltene Tun anmaßt und von sich sagt, er sei ein Schöpfer der Tiere und Pflanzen; und ebenso sind Diebe auch diejenigen, die die wahre Philosophie nachahmen.
4. Mag nun einer Landmann sein oder Vater eines Kindes, so ist er ein Gehilfe beim Ausstreuen des Samens; Gott schenkt aber allem das Wachstum und die völlige Reife und führt alles, was entsteht, zu seiner natürlichen Entwicklung.
§ 148
1. Die große Masse aber schreibt, zusammen mit den Philosophen, das Wachsen und die Veränderungen der Hauptsache nach den Gestirnen zu und beraubt so, soviel an ihr liegt, den Vater aller Dinge seiner nie ermüdenden Macht.
2. Die Elemente aber und die Gestirne, das heißt die zur Durchführung der Weltordnung bestimmten Mächte, wurden beauftragt, das auszuführen, was für die Weltverwaltung nötig ist, und sie selbst müssen gehorchen und sich von den ihnen übergeordneten Mächten so leiten lassen, wie sie das Wort des Herrn führt, da die göttliche Macht ihrem Wesen nach alles in verborgener Weise bewirkt.
3. Wer also behauptet, er selbst habe etwas von dem ersonnen oder geschaffen, was zur Schöpfung gehört, der wird für sein gottloses Beginnen zur Rechenschaft gezogen werden.
4. Das zehnte Gebot aber handelt von allen Begierden. Wie nun der bestraft wird, der sich nach dem ihm nicht Zustehenden gelüsten 341 läßt, so ist es in der gleichen Weise nicht gestattet, nach falschen Dingen zu streben oder anzunehmen, daß von dem Geschaffenen die beseelten Wesen von sich aus heilen oder schaden können, die unbeseelten dagegen dies durchaus nicht können. Und wenn jemand behauptet, das Gegengift könne nicht heilen und der Schierlingstrank nicht töten, so verwendet er unvermerkt einen Trugschluß.
5. Denn nichts von dem wirkt ohne den, der die Heilpflanze oder das Giftmittel anwendet, so wenig wie das Beil ohne den, der damit schlägt, und die Säge ohne den, der sägt.
6. Wie aber die Werkzeuge für sich allein nicht wirken, aber gewissen natürliche Eigenschaften haben, die zusammen mit der Tätigkeit des Handwerksmeisters die ihnen eigene Wirkung ausüben, so wird durch die alles umfassende göttliche Vorsehung ihre kraftvolle Wirkung durch die unmittelbarer bewegten Kräfte im weiteren Verlauf auf alles einzelne verteilt.