Daß der Geist jedoch über die Schöpfung erhaben, von der Natur der geschaffenen Wesen verschieden und der Gottheit eigen ist, kann man auch aus folgendem erkennen. Der Heilige Geist ist unwandelbar und unveränderlich; denn „der Heilige Geist der Wissenschaft“, heißt es, „wird die Verstellung fliehen und sich von unverständigen Gedanken fernhalten”. Auch Petrus sagt: „In der Unvergänglichkeit des stillen und 440 sanften Geistes" . Und im Buch der Weisheit heißt es abermals: “Dein unvergänglicher Geist ist in allen Dingen”. Und wenn “niemand das Wesen Gottes kennt außer der Geist Gottes, der in ihm ist”, bei Gott aber, wie Jakobus sagte, “sich kein Wechsel und kein Schatten von Veränderung” findet, so ist der Heilige Geist, der in Gott ist, natürlich unwandelbar, unveränderlich und unvergänglich. Die Natur der gewordenen und geschaffenen Dinge dagegen ist wandelbar, weil sie nämlich außerhalb der Wesenheit Gottes und aus nichts entstanden ist. Denn “jeder Mensch”, heißt es, “ist lügenhaft”, und “alle haben gesündigt und ermangeln der Herrlichkeit Gottes” . “Auch die Engel, die ihre Herrscherwürde in Stich ließen, hat er für das Gericht des großen Tages mit ewigen Banden in Finsternis verwahrt.”. Und bei Job: “Seinen heiligen Engel traut er nicht, gegen seine Engel dachte er Schlimmes” ; “die Sterne sind nicht rein vor ihm” . Paulus aber schreibt: “Wißt ihr nicht, daß wir über Engel richten werden? Warum nicht etwa gar übe Dinge des gewöhnlichen Lebens?” Ja, wir haben sogar gehört, daß der Teufel, der sich mitten unter den Cherubim befand und ein Siegel der Gleichheit" (d.h. ein Abbild derselben Würde) war, wie ein Blitz vom Himmel fiel. Wenn nun das die Natur der Geschöpfe ist und das von den Engeln geschrieben steht, wenn der Geist dagegen immer derselbe und unveränderlich ist, die Unwandelbarkeit des Sohnes teilt und mit ihm stets unwandelbar bleibt, welche Ähnlichkeit obwaltet dann zwischen den 441 unwandelbaren und den wandelbaren Dingen? Denn es dürfte klar sein, daß er weder ein Geschöpf ist, noch überhaupt die Natur der Engel besitzt, weil diese wandelbar sind. Es ist vielmehr das Bild des Logos und ist dem Vater eigen. Weiterhin hat der Geist des Herrn den Erdkreis erfüllt: denn so singt auch David: “wo soll ich hingehen vor deinem Geiste?” Und im Buch der Weisheit steht wiederum geschrieen: “Dein unvergänglicher Geist ist in allen Dingen.” Alle gewordenen Dinge dagegen befinden sich an verschiedenen Örtlichkeiten: Sonne, Mond und Sterne, am Firmament, die Wolken in der Luft. Auch in der Menschenwelt hat er für die Völker Grenzen gesetzt, und die Engel werden zu Dienstleistungen gesendet. Und es kamen“, wie bei Job geschrieben steht,”die Engel, um vor den Herrn zu treten.“ Und”der Patriarch Jakob träumte, und sieh, da war eine Leiter aufgestellt auf der Erde, deren Spitze an den Himmel reichte, und die Engel Gottes stiegen an derselben auf und nieder". Wenn aber der Geist alles erfüllt und durch den Logos mitten in allen Dingen gegenwärtig ist, die Engel aber unter ihm stehen und nur dort gegenwärtig sind, wohin sie gesandt werden, so ist es doch nicht zweifelhaft, daß der Geist weder zu den geschaffenen Dinge gehört noch, wie ihr meint, ein Engel, daß er im Gegenteil über die Natur der Engel erhaben ist.