Der Geist ist demnach von den Geschöpfen verschieden; es ist erwiesen, daß er vielmehr dem Sohne eigen und Gott nicht fremd ist. Denn auch von ihrer sophistischen Frage: Wenn der Geist aus Gott ist, warum wird er dann nicht auch Sohn genannt? ist schon im vorausgehenden gezeigt, daß sie unbesonnen und dreist ist. Nichtsdestoweniger soll das auch hier gezeigt werden. Wenn der Geist nämlich in den Schriften nicht auch Sohn, sondern Geist Gottes genannt wird, so ist doch von ihm gesagt, daß er in Gott und aus Gott selbst sei, wie der Apostel schrieb. Wenn aber der Sohn, weil er aus dem Vater ist, der Wesenheit desselben eigen ist, so muß auch der Geist, von dem gesagt ist, daß er aus Gott sei, dem Wesen nach dem Sohne eigen sein. In der Tat wird der Geist, wie der Herr der Sohn ist, Geist der Sohnschaft genannt. Und wie ferner der Sohn die Weisheit und Wahrheit ist, so steht vom Geist geschrieben, daß er der Geist der Weisheit und Wahrheit sei. Weiterhin ist der Sohn Kraft Gottes und Herr der Herrlichkeit; der Geist aber wird Geist der Kraft und Geist der Herrlichkeit genannt. Die Schrift redet von jedem in dieser Weise. Paulus schreibt den Korinthern: „Hätten sie die (Weisheit) erkannt, so 439 hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt„. Und an anderer Stelle: Denn „ihr habt nicht den Geist der Knechtschaft abermals zur Furcht empfangen, ihr habt vielmehr den Geist der Kindschaft empfangen“. Und wiederum: „Gott hat den Geist seines Sohnes in euere Herzen gesendet, der da ruft: Abba, Vater„. Petrus aber schrieb: „Selig seid ihr, wenn ihr um des Namens Christi willen geschmäht werdet; denn der Geist der Herrlichkeit und Kraft, der Geist Gottes ruht auf euch“. Der Herr aber sagt, daß der Geist der Geist der Wahrheit und der Tröster sei; daraus läßt sich ersehen, daß in ihm die Trinität vollkommen ist. In ihm also verherrlicht der Logos die Schöpfung, indem er sie durch Vergöttlichung und Annahme an Kindesstatt dem Vater zuführt. Was aber die Schöpfung dem Logos verbindet, kann selbst nicht zu den Geschöpfen gehören; und derjenige, der das Geschöpf zum Kinde macht, ist wohl dem Sohn nicht fremd, da man sonst einen andern Geist suchen müßte, damit der erstere durch den letzteren dem Logos verbunden würde. Allein das ist unsinnig. Der Geist gehört also nicht zu den Geschöpfen, sondern ist der Gottheit des Vaters eigen, und durch ihn vergöttlicht auch der Logos die Geschöpfe. Der aber, durch den die Schöpfung vergöttlicht wird, kann selbst nicht außer der Gottheit des Vaters sein.