Ferner wird gesagt, daß wir alle durch den Geist an Gott teilhaben. „Wißt ihr nicht„, heißt es ja, „daß ihr ein Tempel Gottes seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wenn jemand den Tempel Gottes verdirbt, so wird ihn Gott verderben; denn der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr“. Wenn der Heilige Geist aber ein Geschöpf wäre, so würde uns durch ihn 437 keine Gemeinschaft mit Gott zuteil; wir würden vielmehr mit einem Geschöpf verbunden und der göttlichen Natur entfremdet, weil wir in nichts derselben teilhaft wären. Nun aber, da von uns gesagt ist, daß wir Christi und Gottes teilhaft sind, ist erwiesen, daß die Salbe und das Siegel in uns nicht zur Natur der geschaffenen Dinge, sondern zu der des Sohnes gehört, der uns durch den Geist, der in ihm ist, mit dem Vater verbindet. Das lehrt, wie vorhin schon ausgeführt wurde, Johannes, indem er schrieb: „Daran erkennen wir, daß wir in Gott bleiben und er in uns, weil er uns von seinem Geist gegeben hat„. Wenn wir aber durch die Teilnahme am Geiste der göttlichen Natur teilhaft werden, so kann nur ein Wahnsinniger behaupten, dem Geiste eigne eine geschaffene Natur, aber nicht die Natur Gottes. Deshalb werden ja jene, zu denen er kommt, vergöttlicht. Wenn er aber vergöttlicht, ist es unzweifelhaft, daß seine Natur göttlich ist. Aber noch deutlicher heißt es zur vernichtenden Widerlegung dieser Irrlehre im 103. Psalm, wie wir schon oben erwähnten: „Du wirst ihren Geist wegnehmen, und sie werden vergehen und zur Erde zurückkehren; du wirst deinen Geist aussenden und sie werden neu geschaffen werden, und du wirst das Angesicht der Erde erneuern“. Paulus aber schreibt an Titus: „Durch das Bad der Wiedergeburt und der Erneuerung des Heiligen Geistes, den er reichlich über uns ausgegossen hat durch Jesus Christus„. Wenn aber der Vater alles durch den Logos im Heiligen Geiste schafft und erneut, welche Ähnlichkeit oder Verwandtschaft besteht dann zwischen dem Schöpfer und den Geschöpfen? Oder wie könnte der, in dem alles geschaffen ist, überhaupt ein Geschöpf sein? Denn aus einer solchen Lästerung folgt auch die Lästerung des Sohnes; daher müssen jene, die den Geist ein Geschöpf nennen, behaupten, daß auch der Logos, durch den alles geschaffen wird, ein Geschöpf sei. Der Geist heißt und ist Bild des Sohnes; denn „die er vorher erwählt hat, 438 hat er auch zur Gleichheit mit dem Bilde seines Sohnes vorausbestimmt“. Da nun nach jener Eingeständnis der Sohn kein Geschöpf ist, so wird wohl auch dessen Bild kein Geschöpf sein. Denn wie das Bild, so muß auch der sein, dessen Bild er ist. Daher ist es recht und billig, daß der Logos kein Geschöpf genannt wird, weil er Bild des Vaters ist. Wer demnach den Geist zu den Geschöpfen zählt, muß unbedingt auch den Sohn zu denselben rechnen und dadurch auch den Vater lästern, weil er dessen Bild lästert.