491 Die Rede handelt vom Martyrer Theodor, der ein gemeiner Soldat war und unter Kaiser Maximian (286―305) den Martyrtod fand. Derselbe ist nicht zu verwechseln mit dem Feldherrn Theodor, der unter Kaiser Licinius den Martyrtod litt. Neben einer Lebensbeschreibung des Martyrers enthält die Rede eine allgemeine Schilderung der Verehrung der Heiligen und ihrer Reliquien. Den Schluß bildet eine Anrufung des Heiligen um seine Fürbitte, besonders um Schutz bei den Einfällen der Scythen.
§ 1
Ihr, die ihr das Volk Christi, die heilige Heerde, das königliche Priesterthum seid, ihr Schaaren, die ihr überallher aus Stadt und Land zusammengeströmt seid, wie habt ihr 492 euch über den Weg verabredet und an dieser heiligen Stätte euch versammelt? Wer hat in euch hiezu den so unwiderstehlichen Trieb zur bestimmten Zeit wachgerufen, und zwar zur Winterszeit, wo selbst der Krieg ruht, der Soldat seine Rüstung ablegt, der Schiffer das Ruder in den Rauch hängt, der Landmann ruht und die Pflugstiere an der Krippe sich gütlich thun läßt?
§ 2
Offenbar hat der heilige Martyrer aus den Reihen der Soldaten mit der Trompete das Zeichen gegeben, und Viele aus verschiedener Heimath in Bewegung gesetzt und an seinen heimathlichen Herd und Ruheplatz herbeigelockt, indem er sie nicht in kriegerische Verfassung setzte, sondern sie zum süßen und vorzugsweise gerade den Christen geziemenden Frieden versammelte.
Denn Er hat auch, wie wir glauben, im vorigen Jahre den von den Barbaren erregten Sturm beschwichtigt und den furchtbaren Krieg der wilden Scythen zum Stillstand gebracht, indem er gegen sie, als man sie bereits in der Nähe sah, nicht einen Helm mit drei Federbüschen, nicht ein scharf geschliffenes und in der Sonne glänzendes Schwert, sondern das Unheil abwehrende allmächtige Kreuz Christi furchtbar schwang, für welches er selbst gelitten und diese Herrlichkeit sich erworben hat.
Und nun schenket mir euere Aufmerksamkeit, die ihr dieser reinen Verehrung euch hingebt und die Martyrer liebet, und betrachtet, welch’ hohen Werth der Gerechte hat, und welches Lohnes er gewürdigt wird, ich meine nur von der Welt und von uns, denn die Größe des unsichtbaren Lohnes vermag Niemand zu ermessen. Und indem ihr die Frucht der Frömmigkeit erwäget, preiset die Lebensrichtung dieser Menschen, die so hoch geschätzt werden, und erwecket ein Verlangen nach den Ehrengaben, die Christus nach Verdienst unter die Wettkämpfer austheilt. Einstweilen aber, da der Genuß der künftigen Güter noch nicht eingetreten 493 ist, den die gute Hoffnung den Gerechten aufbewahrt, bis der Richter unseres Lebens kommt, wollen wir, wenn es beliebt, auf den gegenwärtigen Zustand der Heiligen unsern Blick richten, in seiner ganzen Schönheit und Großartigkeit.
§ 3
Denn die Seele schwang sich empor und weilt gerne in ihrer wahren Heimath und verkehrt in unkörperlicher Weise mit Dem, was ihr ähnlich ist. Der Leib aber, ihr ehrwürdiges und unbeflecktes Werkzeug, der in keiner Weise durch seine Leidenschaften die Unbeflecktheit der in ihm wohnenden Seele verletzt hat, ruht, mit großer Ehre und Hochachtung beigesetzt, würdevoll an heiliger Stätte, gleich einem Schatze von hohem Werthe für die Zeit der Wiedergeburt aufbewahrt. Und er hat viele Vorzüge vor den übrigen Leibern, die durch den gemeinen und gewöhnlichen Tod ihre Auflösung fanden, und zwar ungeachtet des gleichen Stoffes der Natur. Denn sonst werden die Überreste verabscheut und Niemand geht gerne an einem Grabe vorbei, oder, wenn er unverhofft auf ein offenes stößt und seinen Blick auf die Häßlichkeit seines Inhaltes wirft, so eilt er mit lauter Eckel erfüllt und unter schweren Seufzern über die Menschheit daran vorüber. Wenn er aber an so einen Ort sich begibt, wie der ist, an dem wir uns heute versammelt haben, wo sich das Andenken und die heiligen Überreste eines Heiligen befinden, so wird er zuerst durch die Großartigkeit des Anblicks angezogen, indem er ein Haus sieht wie einen Tempel Gottes, glänzend ausgestattet durch die Größe des Baues und die Schönheit des Schmuckes, wo auch der Zimmermann das Holz zur Gestalt lebender Wesen verarbeitet und der Steinhauer bis zur Glätte des Silbers die Steinplatten geglättet hat. Auch der Maler hat der Zierde seiner Kunst in Farben Ausdruck gegeben und in einem Gemälde die Heldenthaten des Martyrers, seinen Widerstand, seine Schmerzen, die wilden Gestalten der Tyrannen, die Mißhandlungen, jenen feurigen Ofen, die seligste Vollendung des Kämpfers, den Ausdruck der menschlichen Gestalt des Kampfrichters Christus dargestellt. Indem er uns wie 494 in einem erklärenden Buche in Farben Alles künstlich darstellte, zeigte er uns deutlich die Kämpfe des Martyrers und schmückte den Tempel gleich einer schönen Wiese. Denn es pflegt auch ein stummes Gemälde an der Wand zu reden und den größten Nutzen zu gewähren. Und der die Steinchen zusammensetzte, machte den Boden, der von den Füßen betreten wird, zu einer geschichtlichen Darstellung.
Wenn er nun in dieser Weise an den sinnlich wahrnehmbaren Kunstwerken sein Auge geweidet hat, wünscht er sofort auch dem Schranke nahe zu treten, indem er glaubt, daß die Berührung Heiligung und Segnung sei. Und läßt man ihn Staub mitnehmen, wie er an der Einfassung seiner Ruhestätte sich gelagert hat, so wird der Staub als Geschenk betrachtet und die Erde wie ein Schatz aufbewahrt. Daß aber die Berührung der Überreste selbst, wenn sie einmal durch irgend einen glücklichen Zufall möglich wird, sehr erwünscht und die Befriedigung des höchsten Verlangens ist, das wissen Die, welche es erfahren und diese Sehnsucht gestillt haben. Denn wie wenn der Körper noch lebte und blühte, so umfangen ihn Die, welche ihn sehen. Sie nähern sich ihm mit den Augen, dem Munde, den Ohren, mit allen Sinneswerkzeugen, vergießen dann über dem Martyrer, wie wenn er sich noch in unverändertem Zustande zeigte, Thränen der Verehrung und des Schmerzes, flehen ihn an um seine Fürsprache, indem sie als zum Leibwächter Gottes zu ihm beten und ihn anrufen, weil er die Gaben erlange, wann es ihm beliebe. Aus all dem lerne, o heiliges Volk, daß vor dem Herrn kostbar der Tod seiner Heiligen ist. Denn ein und denselben Körper haben alle Menschen, der aus* einer* Masse seine Bildung erhalten hat. Aber Der, welcher in gewöhnlicher Weise stirbt, wird, wie es sich gerade trifft, hingeworfen. Der aber durch den erlittenen Martyrtod begnadigt ist, erscheint so reizend und wird so gesucht, 495 wie wir soeben gezeigt haben. Deßhalb wollen wir wegen des Sichtbaren an das Unsichtbare glauben und wegen der Erfahrung in der Welt an die Verheissung der Zukunft. Denn Viele, die den Bauch und den eitlen Ruhm und den irdischen Unrath Allem vorziehen, halten die Zukunft für Nichts und meinen, daß mit dem Ende des Lebens Alles vorbei sei. Aber du, der du so denkst, erkenne aus dem Kleinen das Große, schließe vom Schatten auf das Urbild. Welchem König wird eine solche Ehre zu Theil? Welcher von den hervorragenden Menschen wird durch ein solches Andenken verherrlicht? Welcher von den Feldherren, die befestigte Städte einnahmen und unzählige Volksstämme unterwarfen, ist so gefeiert wie dieser arme und neugeworbene Soldat, den Paulus mit Waffen ausgerüstet, den die Engel zum Kampfe gesalbt und Christus nach errungenem Siege gekrönt hat?
Wollen wir aber, da ich in meiner Rede zu den Kämpfen des Martyrers gekommen bin, nunmehr lieber von allgemeinen Bemerkungen abstehen und ausschließlich uns mit dem Heiligen befassen! Denn Jedermann liebt das Besondere.
§ 4
Die Heimath des Edlen war also das Land gegen Aufgang der Sonne. Denn auch er war wie Job von edler Abkunft vom Aufgang der Sonne, und indem er das Vaterland mit im theilte, vernachlässigte er es nicht, sein Leben nachzuahmen. Jetzt aber ist er ein Weltbürger und ein dem ganzen Erdkreise gemeinsamer Martyrer. Und indem er dort unter die Bewaffneten eingereiht wurde, kam er so mit seiner Abtheilung in unsere Gegend, weil daselbst den Soldaten von den Befehlshabern die Winterruhe angewiesen war.
Da aber plötzlich ein Krieg ausbrach, nicht durch einen Angriff der Barbaren, sondern durch ein Gesetz des Satans und einen gottesfeindlichen Beschluß, ― denn jeder Christ wurde durch das gottlose Dekret verfolgt und dem Tode überantwortet, ― da nun zeigte sich dieser Hochselige, der 496 sich durch seine Frömmigkeit auszeichnete und den Glauben an Christus überall herumtrug und das Bekenntniß fast auf der Stirne geschrieben hatte, nicht mehr als einen Neuling in der Tapferkeit noch als unerfahren in Krieg und Kampf. Vielmehr leistet er hochherzig den Gefahren kräftigen Widerstand, ohne zu wanken, ohne zu zagen, ohne hinter einer weniger freimüthigen Rede sich zu verstecken. Denn als jener gottlose Gerichtshof zusammengetreten war, und der Feldherr und der Taxiarch wie Herodes und Pilatus sich vereinigt hatten, saßen sie über den Diener des Gekreuzigten, wie diese über den Herrn, zu Gericht. Sage, hieß es, mit welcher Vermessenheit und Keckheit setzest du dich über das kaiserliche Gesetz hinweg, fügst dich nicht mit Zittern den Befehlen des Gebieters, und betest nicht an nach dem Willen der Machthaber? Es hatte nämlich damals Maximian mit seinen Regierungsgenossen die Herrschaft. Er aber gab mit bewegungsloser Miene und furchtlosem Herzen auf diese Worte die treffende Antwort: Ich kenne keine Götter. Denn es gibt auch solche in Wahrheit nicht. Ihr aber seid in Irrthum, indem ihr trügerische Dämonen mit dem Namen Gottes ehret. Mein Gott aber ist Christus, der eingeborne Sohn Gottes. Wegen seiner frommen Verehrung und seines Bekenntnisses möge man mich verwunden und zerschneiden, geißeln und zerschlagen, mir das Feuer nahe bringen und mich brennen, und wen diese meine Worte verletzen, der möge mir die Zunge ausreissen. Denn an jedem Gliede zu leiden, ist der Körper dem Schöpfer schuldig. Es wurden die Tyrannen von den Worten besiegt und hielten dem ersten Angriff des Helden nicht Stand, indem sie einen Jüngling sahen, der im Leiden frohlockte und wie einen süßen Trank den Tod einschlürfte. Da aber 497 Jene aus Verlegenheit etwas innehielten und berathschlagten, was zu thun sei, sagte einer der Offiziere, der witzig sein wollte, zugleich die Antwort des Martyrers bespöttelnd: Hat dein Gott, o Theodor, einen Sohn, und zeugt er mit Leidenschaft wie ein Mensch? Leidenschaftlich, erwiderte er, hat mein Gott nicht gezeugt, aber ich bekenne einen Sohn und rede von einer* gotteswürdigen* Zeugung. Du aber, wie unmündig in deiner Urtheilskraft und wie bedauernswerth! erröthest nicht und verhüllst dein Gesicht nicht, da du eine weibliche Gottheit bekennst und die nämliche als Mutter von zwölf Kindern anbetest, eine fruchtbare Göttin, welche wie die Hasen oder Schweine leicht befruchtet wird und zur Welt bringt?
Nachdem so der Heilige dem Götzendiener den Spott doppelt zurückgegeben hatte, gaben sich die Tyrannen den Schein der Humanität. Es soll, heißt es, dem Rasenden eine kurze Zeit zur Überlegung gewährt werden; vielleicht besinnt er sich bei ruhiger Überlegung eines Besseren. Denn Raserei nannten die Wahnsinnigen den gesunden Verstand, Verrücktheit und Tollheit die Besonnenheit, geradeso wie wenn die Betrunkenen den Nüchternen ihren eigenen Zustand vorwerfen. Aber der fromme Streiter Christi verwendet die gegönnte Muße zu einer männlichen That. Und zu welcher? Ihr sollt die Erzählung freudig vernehmen.
§ 5
Es hatte die gefeierte Mutter der Götter in der Mutterstadt Amasea einen Tempel, welchen die damals noch in Irrthum Verstrickten dort am Gestade des Flusses in ihrem Wahne erbaut hatten. Diesen steckte der Wackere, indem er während der Zeit der ihm gegönnten Freiheit einen geeigneten Augenblick und einen günstigen Wind abwartete, in Brand und verwandelte ihn in Asche und gab den Frevlern durch die 498 That die Antwort, welche sie nach vorhergegangener Überlegung bestimmt erwarteten. Und als Alle die Sache schnell wahrnahmen, denn mitten in der Stadt schlug die helle Flamme empor, hielt er seine That nicht geheim und suchte sie nicht zu verbergen, sondern offen machte er viel Rühmens von seinem Werke und zeigte große Freude über die Bestürzung, von welcher die Gottlosen ergriffen wurden, die großen Schmerz empfanden wegen des Tempels und des Bildes. Da wurde er bei den Vorgesetzten als der Brandstifter angezeigt. Und es gab wieder eine Gerichtsverhandlung, furchtbarer als die erste, wie es ja auch natürlich war, da ein so erschwerender Umstand hinzugekommen war.
Diese bestiegen nun den Richterstuhl. Theodor aber stand mitten unter ihnen mit voller Freimüthigkeit und zeigte in der Stellung eines Angeklagten bei den Fragen den Muth eines Richters, und kam durch die Schnelligkeit des Geständnisses der Frage zuvor. Da er aber unerschütterlich blieb und durch ihre schrecklichen Drohungen sich nicht beugen ließ, schlugen sie das umgekehrte Verfahren ein und suchten durch freundliche Reden und Versprechungen den Gerechten zum Wanken zu bringen. Sieh, heißt es, wenn du gegen unsern Rath dich fügsam zeigen willst, so werden wir dich sogleich aus der Verborgenheit zu Ansehen, aus der Dunkelheit zu Ehren erheben und wir bieten dir die Würde eines Hohenpriesters an.
Als er aber von der hohenpriesterlichen Würde hörte, lachte der Hochselige laut auf und sagte: Ich halte die Priester der Götzen für unglücklich und bedaure sie als Diener einer nichtigen Sache. Noch mehr aber bemitleide und verabscheue ich die Hohenpriester. Denn unter den Schlechten ist der Größere, und der die erste Stelle einnimmt, unglücklicher, wie unter den Ungerechten der Ungerechtere, unter den Mördern der grausamere, unter den Zuchtlosen der Unverschämtere. Und deßhalb nun steht endlich einmal ab von eueren verderblichen 499 Verheissungen! Denn ihr merket nicht, ihr sonderbaren Menschen, daß ihr mir das höchste der Übel versprechet; für Den, der gottesfürchtig und rechtschaffen leben will, ist es ja besser, in dem* Hause Gottes verachtet* zu sein, als in den* Zelten der Sünder zu wohnen.* Ich bemitleide auch diese Kaiser, deren ungerechtes Gesetz ihr beständig vorleset, daß sie, da sie eine genügende Würde unter den Menschen in der Macht des Kaiserthums besaßen, den hohepriesterlichen Titel annahmen, und deßhalb in den düsteren dunklen Purpur sich hüllen, indem sie die unglücklichen Hohenpriester nachahmen und bei glänzender Würde in düsterem Kleide sich zeigen. Manchmal nahen sie auch einem besudelten Altare und werden aus Kaisern zu Metzgern, indem sie Vögel schlachten, die Eingeweide unglücklicher Rinder untersuchen und mit dem Schmutz des Blutes wie Fleischer ihre Kleidung beflecken.
§ 6
Nachdem der Gerechte diese Worte gesprochen hatte, legten die Richter selbst die verstellte und angenommene Freundlichkeit ab. Und sie nannten ihn den ärgsten Frevler gegen die Götter, zudem einen Verächter und Lästerer der Kaiser. Dann spannten sie ihn zuerst auf die Folter und quälten seinen Leib. Er aber blieb, obschon die Henker ihm heftig zusetzten, standhaft und ungebeugt, und sang während der Tortur einen Vers aus den Psalmen: „Ich werde den Herrn preisen zu jeder Zeit. Immer ist sein Lob in meinem Munde.“ Sie rissen ihm das Fleisch herab, er aber sang, wie wenn ein* Anderer* die Strafe zu leiden hätte. Auf diese Qual folgte das Gefängniß, und wieder vollzog sich dort ein Wunder am Heiligen. Man hörte bei Nacht Stimmen vieler Sänger, und es erschienen Fackeln und man bemerkte von aussen Glanz wie von einem nächtlichen Feste, so daß selbst der Gefängnißwächter bei dem unerwarteten Anblick und Geräusch in die Zelle stürzte und 500 Niemand fand als den Martyrer, der sich ruhig verhielt und die übrigen Gefangenen, welche schliefen.
Als er aber ungeachtet vieler Versuche im Bekenntnisse und in der Gottesfurcht standhaft blieb, erging über ihn der verurtheilende Richterspruch, und indem er zum Feuertode verurtheilt wurde, ging er selbst den schönen und seligen Weg zu Gott; uns aber hat er die Erinnerung an seinen Kampf als Lehre hinterlassen, und er sammelt das Volk, unterweist die Kirche, vertreibt die Dämonen, führt die Engel des Friedens zurück, bittet Gott für uns um das Nützliche, hat diesen Ort zu einer Stätte der Heilung für mannigfaltige Krankheiten, zu einem Hafen für Die, welche von den Trübsalen bestürmt werden, zu einer reichen Vorrathskammer für die Armen, zu einer erträglichen Herberge für die Wanderer, zu einem beständigen Sammelplatze für die Festfeier gemacht. Denn wenn wir auch in jährlichen Festen diesen Tag feiern, so nimmt doch die Menge Derer, welche herbeieilen, kein Ende, und die hieher führende Heerstraße gewährt uns das Bild der Ameisen, indem die Einen herzukommen, die Andern den Kommenden Platz machen.
Wir also, o Seliger, haben uns, da wir durch die Güte des Schöpfers den Kreislauf des Jahres vollendet haben, zu deinem Feste versammelt, als heilige Versammlung von Freunden der Martyrer, den gemeinsamen Herrn anbetend und das Siegesgedächtniß deiner Kämpfe feiernd. Geselle dich aber auch du zu uns, wo du auch sein magst, als Ordner des Festes! Denn da du uns gerufen hast, so rufen auch wir dich. Und magst du in den Höhen des Äthers weilen, oder in irgend einer Gegend des Himmels dich aufhalten, oder in die Chöre der Engel eingereiht an der Seite des Herrn stehen, oder unter den Mächten und Gewalten als treuer Diener anbeten, lege die Geschäfte, die du dort hast, etwas bei Seite und komme zu deinen Verehrern als unsichtbarer Freund. Nimm Kenntniß von Dem, was (im Opfer) vollzogen wird, auf daß du (unsere) Danksagung gegen Gott verdopplest, der dir für* ein* Leiden 501 und für* ein* frommes Bekenntniß so vielfache Belohnung zu Theil werden ließ. Ja, freue dich über das Blut und den Schmerz des Feuers; denn so viele Menschen du damals zu Zeugen deiner Hinrichtung hattest, so viele hast du jetzt zu Dienern deiner Ehre. Wir bedürfen vieler Wohlthaten, lege Fürbitte für dein Vaterland ein bei dem gemeinsamen König. Denn* Vaterland* des Martyrers ist das Land seines Leidens, seine* Mitbürger* und Verwandten sind, die sein Grab bereiteten, es besitzen und verehren. Wir ahnen Trübsale, sehen Gefahren heranrücken, nicht ferne stehen die übermüthigen Scythen, die auf Krieg gegen uns sinnen. Als Streiter kämpfe für uns, als Zeuge sprich für deine Mitknechte ein freimüthiges Wort. Und wenn du auch aus dem Leben geschieden bist, so kennst du doch die Leiden und Bedürfnisse der Menschheit. Bitte um Frieden, damit diese Festversammlungen nicht unterbrochen werden, damit der rasende und gewissenlose Barbar nicht gegen Tempel und Altäre wüthe, damit das Heilige nicht der Unheilige zertrete. Denn wir schreiben dir nicht nur die Wohlthat zu, daß wir von Leiden bewahrt blieben, sondern wir flehen dich auch um Schutz für die Zukunft an. Wenn das Bedürfniß einer kräftigeren Fürbitte eintritt, so versammle die Schaar deiner Brüder im Martyrtode und bete mit ihnen insgesammt. Die Gebete vieler Gerechten mögen die Sünden der Menschen und Völker tilgen. Mahne den Petrus, erwecke den Paulus, ebenso den Johannes, den Gottesgelehrten und geliebten Jünger, daß sie für die Kirchen sorgen, die sie gründeten, für die sie die Ketten trugen, für die sie sich den Gefahren und dem Tode preisgaben, daß nicht der Götzendienst gegen uns sein Haupt erhebe, daß nicht Häresien wie Dornen am Weinstock aufsprossen, daß nicht emporkeimendes Unkraut den Weizen ersticke, daß nicht irgend ein Fels in uns erscheine, welcher der Fettigkeit des wahren Thaues entbehrt und die Kraft der Fruchtbarkeit der Rede ohne Wurzel erscheinen läßt, sondern daß durch die Kraft deiner Fürbitte und der Fürbitte der Deinigen, o bewundernswerther, vor allen andern hervorstrahlender 502 Martyrer, die Christengemeinde als ein Saatfeld erscheint, das bis ans Ende besteht und in dem fetten und fruchtbaren Felde des Glaubens an Christus immer die Frucht des ewigen Lebens in Christus unserm Herrn hervorbringt, mit dem zugleich dem Vater und dem heiligen Geiste Ehre, Macht und Ruhm sei jetzt und allzeit von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.VII. Rede über das Leben des heiligen Gregor des Wunderthäters.