Denn da die Jünger noch meinten, der Vater sei etwas Größeres als der Sohn, weil sie nur das Fleisch sahen und die Gottheit nicht erkannten, sprachen sie zu ihm: „Herr, zeige uns den Vater, und es genügt uns“. Als wollten sie sagen: Dich kennen wir bereits und preisen Dich, weil wir Dich kennen; denn wir danken Dir, daß Du Dich uns gezeigt hast, aber den Vater kennen wir noch nicht, darum brennt unser Herz und trachtet mit einer gewissen heiligen Begierde danach, Deinen Vater zu sehen, der Dich gesandt hat; ihn zeige uns, und wir werden nichts weiter von Dir verlangen; denn wir sind zufrieden, wenn der uns gezeigt wird, über den hinaus es keinen Größeren mehr gibt. Ein gutes 250 Verlangen, ein gutes Begehren, aber ein geringes Verständnis! Als nämlich der Herr Jesus die Kleinen anblickte, die Großes suchten, und sich selbst, den Großen unter den Kleinen, und den Kleinen unter den Kleinen, da sprach er zu Philippus, einem von den Jüngern, der dies gesagt hatte: „So lange bin ich bei euch, und ihr kennt mich nicht, Philippus?“ Philippus könnte hier antworten: Wir kennen Dich, aber haben wir zu Dir etwa gesagt: Zeige Dich uns? Dich kennen wir, aber den Vater möchten wir kennen lernen. Er setzte sofort hinzu: „Wer mich sieht, sieht auch den Vater“. Wenn also der gesandt wurde, der dem Vater gleich ist, so sollen wir ihn nicht beurteilen nach der Schwäche des Fleisches, sondern wir sollen an die mit dem Fleische umkleidete, aber vom Fleische nicht erdrückte Gottheit denken. Denn Gott bleibend bei dem Vater, ist er Mensch geworden bei den Menschen, damit du durch den, der für dich Mensch geworden ist, ein solcher würdest, der Gott erfaßt. Denn der Mensch konnte Gott nicht erfassen; der Mensch konnte den Menschen sehen, Gott konnte er nicht erfassen. Warum konnte er Gott nicht erfassen? Weil er das Auge des Herzens, womit er ihn hätte erfassen können, nicht hatte. Es war also etwas innerlich krank, und etwas äußerlich gesund; die körperlichen Augen waren gesund, die geistigen Augen waren krank. Es wurde der Sohn Mensch für das körperliche Auge, damit du durch den Glauben an den, den man körperlich sehen konnte, geheilt würdest, um den zu sehen, den du geistig nicht sehen konntest. „So lange bin ich bei euch, und ihr kennt mich nicht, Philippus? Wer mich sieht, sieht auch den Vater.“ Warum sahen ihn jene nicht? Siehe, sie sahen ihn, und den Vater sahen sie nicht; sie sahen das Fleisch, aber die Majestät war verborgen. Was die Jünger sahen, die ihn liebten, sahen auch die Juden, die ihn kreuzigten. Inwendig also war er ganz und gar, und so inwendig im Fleische, daß er beim Vater blieb; denn er verließ den Vater nicht, da er in das Fleisch kam.