Also nicht wie die Seele etwas anderes ist, bevor sie erleuchtet wird, und durch Teilnahme an einem Besseren selbst besser wird, nicht so war das Wort Gottes, der Sohn Gottes, etwas anderes, bevor er das Leben empfing, um erst durch Teilnahme das Leben zu haben, sondern er hat das Leben in sich selbst, und darum ist er selbst das Leben. Wie also sagt er: „Er gab dem Sohne, das Leben in sich selbst zu haben“? Ich will es kurz sagen: er zeugte den Sohn. Denn er war nicht ohne Leben und empfing nicht erst das Leben, sondern durch Geborensein ist er das Leben. Der Vater ist das Leben nicht dadurch, daß er geboren wird, der Sohn ist das Leben dadurch, daß er geboren wird. Der Vater ist von keinem Vater, der Sohn von Gott dem Vater. Daß der Vater* ist, hat er von keinem; daß er aber Vater* ist, kommt daher, daß er einen Sohn hat. Der Sohn aber ist sowohl* Sohn* wegen des Vaters, wie er das* Sein* vom Vater hat. Dies also sagte er: „Er gab dem Sohne das Leben, damit er es in sich selbst habe“, gleich als würde er sagen: Der Vater, der das Leben in sich selbst ist, erzeugte den Sohn, damit er das Leben in sich selbst sei. Was nämlich der Ausdruck: „er zeugte“, bedeutet, wollte er unter dem Ausdruck: „er gab“, verstanden wissen. Wie wenn wir zu jemand sagen würden: Gott gab dir das Sein. Wem gab er es? Wenn er das Sein einem gab, der schon existierte, so gab er ihm nicht das Sein, weil, bevor es ihm gegeben wurde, der schon war, der es empfangen könnte. Wenn du also hörst: Er gab dir das Sein, so warst du noch nicht, der du es 329 empfingst, sondern du hast erst durch das Existieren erlangt, daß du seiest. Der Erbauer gab diesem Hause das Dasein. Aber was gab er ihm? Daß das Haus sei. Wem gab er das? Diesem Hause. Was gab er ihm? Daß das Haus sei. Wie konnte er dem Hause geben, daß das Haus sei? Denn, wenn das Haus schon war, wem sollte er geben, daß das Haus sei, da doch das Haus bereits war? Was heißt also: er gab ihm, daß das Haus sei? Er bewirkte, daß das Haus sei. Was gab also der Vater dem Sohne? Er gab ihm, daß er Sohn sei; er zeugte, daß er das Leben sei. Das heißt: „Er gab ihm, das Leben in sich selbst zu haben“, daß er das Leben sei, das keines Lebens bedarf, damit man nicht meine, er habe das Leben durch Teilnahme. Denn wenn er das Leben durch Teilnahme hätte, so könnte er es auch verlieren und so ohne Leben sein; dies sollst du vom Sohne nicht meinen, nicht denken, nicht glauben. Es bleibt also der Vater das Leben, es bleibt auch der Sohn das Leben; der Vater ist das Leben in sich selbst, nicht vom Sohne; der Sohn ist das Leben in sich selbst, aber vom Vater. Vom Vater ist er gezeugt, damit er das Leben sei in sich selbst; der Vater aber ist als nicht gezeugt das Leben in sich selbst. Und nicht erzeugte er einen kleineren Sohn, damit er ihm durch Wachstum gleich würde. Denn nicht fand derjenige zu seiner Vervollkommnung Unterstützung durch die Zeit, der als der Vollkommene die Zeiten erschaffen hat. Vor aller Zeit ist er mit dem Vater gleichewig. Denn niemals war der Vater ohne den Sohn; der Vater aber ist ewig; also ist auch der Sohn gleichewig. Wie steht es mit dir, o Seele? Du warst tot, du hattest das Leben verloren; höre den Vater im Sohne: Stehe auf, empfange das Leben, damit du das Leben, das du nicht in dir hast, in dem erhaltest, der das Leben in sich selbst hat. Es macht dich also der Vater und der Sohn lebendig, und es findet die erste Auferstehung statt, wenn du auferstehst zur Teilnahme an dem Leben, das du nicht bist, und durch diese Teilnahme wirst du lebendig. Steh auf von deinem Tode zu deinem Leben, welches dein Gott ist, und geh vom Tode zum ewigen Leben über. Denn das ewige Leben hat der Vater in sich selbst, und wenn er nicht einen 330 solchen Sohn erzeugte, der das Leben in sich selbst hat, so würde nicht ebenso wie der Vater Tote auferweckt und lebendig macht, auch der Sohn lebendig machen, welche er will.