Welches sind aber jene größeren Werke? Dies vielleicht ist leicht zu verstehen. „Denn gleichwie der Vater, sagt er, Tote erweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, welche er will“. Größere Werke also sind die Erweckung von Toten als die Heilung von Kranken. Aber „gleichwie der Vater Tote erweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, welche er will“. Also andere macht der Vater lebendig, andere der Sohn? Allein alles durch ihn; die also der Sohn lebendig macht, die macht auch der Vater lebendig; denn nichts anderes oder auf andere Weise, sondern „dasselbe tut auf gleiche Weise auch der Sohn“. So ist es wirklich zu verstehen und so festzuhalten. Doch erinnert euch: „Der Sohn macht lebendig, welche er will“. Wahret also hier nicht bloß die Macht, sondern auch den Willen des Sohnes. Der Sohn macht lebendig, welche er will, und auch der Vater macht lebendig, welche er will, und der Sohn macht dieselben lebendig, die auch der Vater lebendig macht, und somit ist die Macht und der Wille des Vaters und des Sohnes derselbe. Was für eine Bewandtnis hat es nun mit dem Folgenden? „Denn der Vater richtet niemand, sondern hat alles Gericht dem Sohne gegeben, damit alle den Sohn ehren wie sie den Vater ehren“; dies hat er so beigefügt, als wolle er den Grund für den vorhergehenden Satz angeben. Dies gibt viel zu denken, seid aufmerksam. Der Sohn macht lebendig, welche er will, der Vater macht lebendig, welche er will; der Sohn erweckt die Toten, wie der Vater die Toten erweckt. „Denn der Vater richtet niemand.“ Wenn beim Gerichte die Toten erweckt werden sollen, wie erweckt dann der Vater die Toten, wenn er niemand richtet. Denn „er hat alles Gericht dem Sohn gegeben“. Bei jenem Gericht aber werden die Toten erweckt, und zwar stehen die einen auf zum Leben, die andern zur Strafe. Wenn nun dies alles der Sohn tut, der Vater aber es deshalb nicht tut, weil „der Vater niemand richtet, sondern alles Gericht 319 dem Sohne gegeben hat, so scheint dies im Widerspruch zu stehen mit den Worten: „Wie der Vater die Toten erweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, welche er will“. Sie erwecken also beide miteinander. Wenn sie beide miteinander erwecken, machen sie auch beide miteinander lebendig. Sie richten darum auch miteinander. Wie ist es also wahr: „Denn der Vater richtet niemand, sondern hat alles Gericht dem Sohne gegeben“. Zunächst mögen die vorgelegten Fragen zum Denken anregen, der Herr wird helfen, daß sie gelöst werden und dann Freude machen. Ja, so ist es, Brüder, jede Frage, die nicht bei der Vorlegung die Aufmerksamkeit erregt, wird bei der Auslegung keine Freude machen. Der Herr selbst also möge weiterfahren, ob er sich nicht vielleicht in dem, was er hinzufügt, einigermaßen erklärt. Er hat nämlich sein Licht mit einer Wolke umgeben, und es ist schwer, wie der Adler über allen Nebel zu fliegen, womit die ganze Erde bedeckt ist, und in den Worten des Herrn das reinste Licht zu sehen. Ob er also nicht vielleicht durch die Wärme seiner Strahlen unsere Finsternis zerstreue und im Folgenden einigermaßen sich zu erklären würdige ―, laßt uns, unter Beiseitelegung des Obigen, das Folgende betrachten.