„Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat.“ Das ist wahr und deutlich. Denn „alles Gericht hat er dem Sohn gegeben“, wie er oben sagte, „damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren“. Wie, wenn es nun solche gibt, die den Vater ehren und den Sohn nicht ehren? Das ist nicht möglich, sagt er: „Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat“. Es kann also niemand sagen: Ich ehrte den Vater, weil ich den Sohn nicht kannte. Wenn du den Sohn noch nicht ehrtest, ehrtest du auch den Vater nicht. Denn was heißt den Vater ehren, als eben, daß er einen Sohn hat? Es ist nämlich etwas anderes, wenn dir Gott genannt wird, sofern er Gott ist, und etwas anderes, wenn dir Gott genannt wird, sofern er Vater ist. Wenn er dir genannt wird, sofern er Gott ist, 320 wird er dir als Schöpfer vorgestellt, wird er dir als der Allmächtige vorgestellt, wird er dir als der höchste, ewige, unsichtbare, unveränderliche Geist vorgestellt; wenn er dir aber genannt wird, sofern er Vater ist, wird dir nichts anderes als auch der Sohn vor Augen gestellt, weil er nicht Vater genannt werden kann, wenn er keinen Sohn hat, wie auch nicht Sohn, wenn er keinen Vater hat. Aber damit du nicht etwa den Vater als den größeren ehrtest, den Sohn aber als den kleineren, so daß du mir sagst: Ich ehre den Vater, denn ich weiß, daß er einen Sohn hat, und ich irre nicht bei dem Namen „Vater“, da ich den Vater nicht ohne den Sohn denke, ich ehre jedoch zwar den Sohn, aber als den kleineren, so belehrt dich der Sohn selbst eines besseren und ruft dich zurück mit den Worten: „Damit alle den Sohn ehren“, nicht weniger, sondern „wie sie den Vater ehren“. „Wer“ also „den Sohn nicht ehrt, der ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat.“ Ich, sagst du, will dem Vater eine größere Ehre geben, dem Sohn eine geringere. Du raubst da dem Vater die Ehre, wo du die geringere dem Sohne gibst. Denn was anders kannst du bei solcher Denkweise meinen, als daß der Vater einen ihm gleichen Sohn entweder nicht erzeugen wollte oder nicht konnte? Wenn er nicht wollte, war er neidisch; wenn er nicht konnte, gebrach es ihm an Macht. Siehst du also nicht, daß du bei dieser Auffassung, wo du dem Vater eine größere Ehre gibst, gerade da dem Vater eine Schmähung zufügst? Danach ehre den Sohn so, wie du den Vater ehrst, wenn du den Vater und den Sohn ehren willst.