§ 79
1. Wenn aber die eheliche Gemeinschaft nach Übereinkunft eine bestimmte Zeit ruht, um Zeit zum Beten zu lassen, so ist das eine Schule in der Enthaltsamkeit. Er setzte nämlich das „nach Übereinkunft“ hinzu, damit niemand die Ehe auflöse, und das „eine bestimmte Zeit“, damit der Verheiratete die Übung der Enthaltsamkeit nicht als Zwang empfinde und in Sünde falle, indem er sich zwar von seiner eigenen Gattin fernhält, aber in die Begierde nach einer Fremden verfällt.
2. Aus diesem Grunde sagte 304 er auch, daß jemand, der nicht schicklich zu handeln glaubt, wenn er seine Tochter unverheiratet bleiben läßt, gut daran tun werde, sie zu verheiraten.
3. Mag sich nun einer zur Ehe untauglich machen oder sich ehelich mit einer Frau verbinden, um Kinder zu erzeugen, so soll er sich bei seinem Vorhaben stets davor hüten dem Schlechteren nachzugeben.
4. Denn wenn er die Strenge seines Lebens steigern kann, dann wird er sich selbst größeres Verdienst bei Gott dadurch erwerben, daß er zugleich rein und verständig Enthaltsamkeit geübt hat. Wenn er aber das Maß, das er sich gewählt hat, überschreitet, um sich noch größeren Ruhm zu erwerben, so besteht Gefahr, daß er die Hoffnung verliert.
5. Denn ebenso wie die Untauglichkeit zur Ehe, so hat auch die Ehe ihre eigenen Dienstleistungen und Aufgaben, auf die es dem Herrn ankommt, ich meine die Fürsorge für Frau und Kinder. Denn wie es sich geziemt, ist ein Anlaß dazu für den, der eine vollkommene Ehe führen will, die Eigenart der Ehegemeinschaft, da er ja in dem gemeinsamen Heim die Fürsorge für alles auf sich genommen hat.
6. So sagte der Apostel, man müsse Bischöfe einsetzen, die sich an ihrem eigenen Hause darauf vorbereitet haben, auch der ganzen Kirche vorzustehen.
7. Also vollführe jeder den Dienst in der Aufgabe, zu der er berufen ist, damit er in Christus frei werde und den seinem Dienste entsprechenden Lohn empfange.
§ 80
1. Und ein anderes Mal spricht er von dem Gesetz und gebraucht da einen Vergleich und sagt: „Denn die verheiratete Frau ist gesetzlich an ihren Mann gebunden, solange er lebt“, und die folgenden Worte. Und dann wieder: „Die Frau ist gebunden, solange ihr Mann lebt; wenn er aber gestorben ist, so steht es ihr frei, sich zu verheiraten, nur daß es in dem Herrn geschehe. Glücklich ist sie aber zu preisen, wenn sie so bleibt, wie sie ist, nach meiner Meinung.“
2. In dem vorhergehenden Abschnitt aber sagt er: „Ihr seid getötet dem Gesetze gegenüber“, nicht der Ehe gegenüber, „damit ihr einem anderen gehört, dem, der von den Toten auferweckt worden ist,“ als Braut und Kirche. Diese soll sich rein erhalten, sowohl in ihrem Innern von den der Wahrheit entgegengesetzten Gedanken als auch nach außen hin von den Versuchern, das heißt von denen, die sich den Sekten anschließen und dazu verführen wollen, dem einen Mann untreu zu werden, nämlich dem allmächtigen Gott; davor sollen wir uns rein erhalten, daß nicht, „wie die Schlange Eva getäuscht hat“, deren Name „Leben“ bedeutet, auch wir von der lüsternen Verschlagenheit der Irrlehren verführt werden und die Gebote übertreten.
3. Der zweite Abschnitt aber stellt die Einehe fest. Denn man darf nicht, wie einige die Stelle ausgelegt haben, annehmen, daß mit der Bindung des Weibes an den Mann die Verflechtung des Fleisches mit der Sterblichkeit gemeint sei. Denn er wirft jenen Leuten, die die Erfindung der Ehe geradezu dem Teufel zuschreiben, vor, daß ihre Denkweise die gottloser Menschen sei, da durch sie der Gesetzgeber der Gefahr einer Lästerung ausgesetzt ist.
§ 81
1. Der Syrer Tatianus wagt es, wie ich glaube, solche Lehren aufzustellen. Er schreibt nämlich in seinem Buch „Über die Vollkommenheit nach den Worten des Erlösers“ wörtlich so: „Die Übereinkunft (über Enthaltsamkeit) ermöglicht das Beten, aber die Gemeinschaft des Verderbens hebt das Gebet auf. Überaus eindringlich hält er durch die Gewährung ab.
2. Damit nämlich, daß er wegen des Satans und der Unfähigkeit, sich zu beherrschen, wieder zusammenkommen gestattet, gab er zu verstehen, daß derjenige, der folgen (d.h. von der Erlaubnis Gebrauch machen) wolle ‘zwei Herren dienen’ wolle, durch die Übereinkunft Gott, durch das Gegenteil der Unmäßigkeit und der Unzucht und dem Teufel.“
3. Mit diesen Sätzen will er den Apostel erklären. Er verfälscht aber die Wahrheit, indem er durch etwas Wahres etwas Falsches beweisen will.
4. Daß nämlich 306 Unmäßigkeit und Unzucht teuflische Leidenschaften sind, das geben auch wir zu; aber in der sittsamen Ehe hat die Übereinkunft eine vermittelnde Wirkung: sie führt durch die Enthaltung zum Gebet, und mit Sittsamkeit führt sie auch die Ehegatten zum Kinderzeugen zusammen.
5. „Erkenntnis“ ist nun auch die Zeit der Kindererzeugung von der Schrift genannt worden, wenn sie sagt: „Es erkannte aber Adam sein Weib Eva, und sie empfing und gebar einen Sohn und nannte seinen Namen Seth; denn der Gott hat mir einen anderen Samen erweckt an der Stelle Abels.“
6. Siehst du, gegen wen die lästern, die die sittsame Zeugung verabscheuen und die Fortpflanzung dem Teufel zuschreiben? Denn nicht einen Gott schlechthin hat der genannt, der durch die Hinzufügung des Artikels auf den Allmächtigen hinwies.
§ 82
1. Der Zusatz des Apostels „und dann wieder zusammenkommen wegen des Satans“ schneidet im voraus den Gedanken daran ab, daß man sich je zu dem Verlangen nach einer anderen verleiten läßt. Denn die Übereinkunft für bestimmte Zeit will nicht etwa die natürlichen Begierden durch ihre Mißbilligung völlig aufheben; vielmehr läßt der Apostel ihretwegen die eheliche Gemeinschaft wieder eintreten, nicht um der Unmäßigkeit und der Unzucht und dem Wirken des Teufels die Wege zu ebnen, sondern damit die Ehe der Unmäßigkeit und der Unzucht und dem Teufel nicht erliege.
2. Tatianus unterscheidet auch den alten und den neuen Menschen, aber nicht so, wie wir es tun. Zwar daß der alte Mensch das Gesetz, der neue das Evangelium sei, darin stimmen wir mit ihm überein, indem auch wir dies sagen, aber nicht in dem Sinn, wie jener will, der das Gesetz aufheben möchte, weil es von einem, anderen Gott stamme.
3. Aber derselbe Mann und Herr, der das Alte neu macht, gestattet die Vielehe nicht mehr (denn damals machten sie die Zeitumstände nötig, als die Menschen sich vermehren und zunehmen mußten) sondern führt die Einehe ein wegen der Kindererzeugung und der Fürsorge für das 307 Haus, wozu das Weib als „Gehilfin“ gegeben worden war.
4. Und wenn der Apostel einem aus Nachsicht, weil er sich nicht beherrschen kann und Brunst leidet, eine zweite Ehe gestattet, so sündigt auch dieser nicht nach dem (Alten) Testament (denn die zweite Ehe ist im Gesetz nicht verboten) aber er erreicht doch nicht die gesteigerte Vollkommenheit des Wandels nach dem Evangelium.
5. Himmlischen Ruhm aber erwirkt er sich, wenn er für sich bleibt und die durch den Tod gelöste Ehegemeinschaft unbefleckt erhält und willig der göttlichen Fügung folgt, durch die er von dem frei geworden ist, was ihn von dem Dienst des Herrn ablenken könnte.
6. Die göttliche durch den Herrn waltende Vorsehung befiehlt aber nicht auch jetzt wie ehemals, daß man sich nach der ehelichen Vereinigung wasche; denn für den Herrn ist es nicht nötig, (in dieser Weise) die Gläubigen von der Kindererzeugung weggehen zu lassen, nachdem er sie durch die eine Taufe für den ganzen ehelichen Verkehr gereinigt hat, wie er ja auch die vielen Waschungen des Moses in einer einzigen Taufe zusammengefaßt hat.
§ 83
1. Da uns also das Gesetz durch die fleischliche Geburt schon in alter Zeit die Wiedergeburt vorhersagen wollte, ließ es bei der lebenzeugenden Samenergießung die Waschung anwenden, nicht weil es die Zeugung des Menschen verabscheute. Denn was durch die Geburt als Mensch in Erscheinung tritt, das bewirkt die Ergießung des Samens.
2. Also sind nicht die vielen Beiwohnungen zeugungskräftig, sondern nur die Aufnahme des Samens in die Gebärmutter läßt die Zeugung zu, indem in der Werkstätte der Natur der Same zur Leibesfrucht umgebildet wird.
3. Wie sollte aber die Ehe etwas nur für die alte Zeit Bestimmtes und nur eine Einrichtung des Gesetzes sein, dagegen die nach dem Willen des Herrn geschlossene Ehe etwas davon Verschiedenes, während wir doch daran festhalten, daß es der nämliche Gott ist?
4. „Denn was Gott zusammengefügt hat, das kann wohl 308 ein Mensch nie“ mit gutem Grund „scheiden;“ noch viel mehr wird aber auch der Sohn das festhalten, was der Vater geboten hat. Wenn es aber der nämliche ist, der das Gesetz und das Evangelium gegeben hat, so wird er nie im Widerspruch mit sich selbst stehen. Denn das Gesetz lebt, da es „geistlich“ ist und auf gnostische Weise aufgefaßt werden muß.
5. Wir aber „wurden dem Gesetze durch den Leib Christi getötet, damit wir einem anderen gehören, dem, der von den Toten auferweckt worden ist“, der von dem Gesetz verheißen wurde, „damit wir Gott Frucht bringen“.
§ 84
1. Deshalb „ist das Gesetz heilig und das Gebot heilig und gerecht und gut“. Wir wurden also dem Gesetze getötet, das heißt der durch das Gesetz offenbar gemachten Sünde, die von dem Gesetz aufgezeigt, nicht hervorgerufen wird, indem das Gesetz das gebietet, was man tun muß, und das verbietet, was man nicht tun darf, und so die bereits vorhandene Sünde überführt, „damit sie als Sünde erscheine“.
2. Wenn aber die gesetzliche Ehe Sünde ist, so weiß ich nicht, wie jemand sagen kann, er kenne Gott, während er behauptet, das von Gott Gebotene sei Sünde. Wenn aber das Gesetz heilig ist, so ist auch die Ehe heilig. Dieses Geheimnis setzt der Apostel mit Christus und der Kirche in Beziehung.
3. Wie „das aus dem Fleisch Geborene Fleisch ist, so ist das aus dem Geist Geborene Geist“ nicht nur in bezug auf die Geburt, sondern auch auf das Lernen. So sind auch „heilig die Kinder“, die Gott wohlgefällig sind, indem die Worte des Herrn ihre Seele Gott als Braut zuführen.
4. Unzucht und Ehe sind also voneinander geschieden, weil der Teufel von Gott weit entfernt ist. „Also wurdet auch ihr dem Gesetze durch den Leib Christi getötet, damit ihr einem anderen angehört, dem, der von den Toten auferweckt worden ist.“ Man muß dazu ergänzen: da ihr ihm unmittelbar gehorsam geworden seid; denn wir gehorchen auch bei der richtigen Auffassung des Gesetzes 309 dem nämlichen Herrn, der (uns in ihm) von ferne her befiehlt.
§ 85
1. Und vielleicht sagt „der Geist“ mit Recht in Beziehung auf solche Leute ausdrücklich: „daß in späteren Zeiten manche vom Glauben abfallen werden, weil sie sich Irrgeistern und Lehren zuwenden, die von Dämonen stammen, auf Grund heuchlerischer Predigt von Lügnern, die ein Brandmal im Gewissen haben und das Heiraten verbieten und verlangen, daß man sich bestimmter Speisen enthält, die doch Gott für die Gläubigen und für die, welche die Wahrheit erkannt haben, geschaffen hat, damit sie sie mit Danksagung genießen. Denn alles von Gott Geschaffene ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird. Denn es wird durch Gottes Wort und durch Gebet geheiligt.“
2. Daraus folgt mit Notwendigkeit, daß man das Heiraten, das Fleischessen und Weintrinken nicht verbieten darf; denn es steht geschrieben: „es ist gut, kein Fleisch zu essen und keinen Wein zu trinken“, wenn es Anstoß erregt; und es ist gut, „zu bleiben wie ich“; aber sowohl derjenige, der genießt, soll es „mit Danksagung“ tun als auch derjenige, der nicht genießt, soll es gleichfalls „mit Danksagung“ tun und mit enthaltsamem Genusse vernunftgemäß leben.
§ 86
1. Und überhaupt lehren alle Briefe des Apostels Sittsamkeit und Enthaltsamkeit und enthalten unzählige Vorschriften über die Ehen und über das Kinderzeugen und über die Verwaltung des Hauswesens; aber nirgends haben sie die sittsame Ehe verworfen; vielmehr wahren sie die Übereinstimmung des Gesetzes mit dem Evangelium und lassen beide gelten, sowohl den, der mit Dankbarkeit gegen Gott sittsam in der Ehe lebt, als auch den, der in Ehelosigkeit, wie der Herr will, lebt, indem jeder ohne Anstoß und vollkommen das wählte, wozu er „berufen“ war.
2. „Und das Land Jakobs war gelobt über alles Land“, sagt der Prophet, indem er das Gefäß seines 310 Geistes verherrlicht.
3. Manche greifen aber die Geburt als etwas Vergängliches und zum Untergang Bestimmtes an und behaupten, indem sie der Schrift Gewalt antun, der Heiland habe mit Bezug auf das Kinderzeugen gesagt, man dürfe sich auf der Erde „keine Schätze sammeln, wo Motte und Rost zerstören“. Und sie scheuen sich nicht, das Wort des Propheten hinzuzufügen: „Ihr werdet alle veralten wie ein Kleid, und die Motten werden euch fressen.“
4. Aber auch wir widersprechen der Schrift darin nicht, daß unsere Körper sterblich und von Natur vergänglich sind; vielleicht kündigt auch der Prophet denen, zu denen er spricht, als Sündern den Untergang an. Der Heiland aber hat nicht vom Kinderzeugen geredet, sondern wollte zu freigebigem Mitteilen die ermahnen, die sich nur Überfluß an Reichtum erwerben, den Bedürftigen aber nicht helfen wollen.
§ 87
1. Deshalb sagt er: „Sucht nicht die vergängliche Speise zu gewinnen, sondern die Speise, die bis ins ewige Leben bleibt!“ Ebenso führen sie auch jene Stelle an: „Die Kinder jener Weltzeit heiraten nicht und lassen sich nicht heiraten.“
2. Wenn man aber jene Frage über die Totenauferstehung und die Fragenden selbst genau betrachtet, so wird man finden, daß der Herr nicht die Ehe verwirft, sondern der Erwartung der fleischlichen Begierde für die Zeit der Auferstehung vorbeugt.
3. Der Ausdruck „die Kinder dieser Weltzeit“ ist nicht zum Unterschied von den Kindern einer anderen Weltzeit gebraucht, sondern im gleichen Sinn wie: „die in dieser Weltzeit Geborenen“, die wegen der Geburt Kinder sind, zeugen und werden gezeugt, da ja ohne Geburt niemand in dieses Leben kommen kann; aber diese Geburt, die den gleichen Untergang zu gewärtigen hat, wird nicht noch einmal dem zuteil, der einmal aus diesem Leben geschieden ist.
4. „Einer also ist euer Vater im Himmel“. Aber er ist auch aller Vater durch die Schöpfung. „Nennt also niemand 311 auf Erden eueren Vater!“, heißt es, als ob er sagen wollte: Haltet den, er durch die fleischliche Zeugung euch gezeugt hat, nicht für den Urheber eures Daseins, sondern nur für den Miturheber eurer Geburt oder vielmehr für den, der bei eurer Geburt mitbehilflich war!
§ 88
1. So will also der Herr, daß wir wieder umkehren und wie die Kinder werden, nachdem wir den wahren Vater kennengelernt haben und durch Wasser wiedergeboren worden sind, wobei diese Zeugung eine andere als die bei der Schöpfung ist.
2. Ja, sagt er, „der Unverheiratete denkt an die Sache des Herrn; der Verheiratete aber daran, wie er seinem Weibe gefallen kann“. Wie nun? Ist es nicht möglich, auch seinem Weibe, so wie es Gott will, zu gefallen und dabei Gott dankbar zu sein? Ist es nicht auch dem Verheirateten gestattet, zusammen mit seiner Gattin an die Sache des Herrn zu denken?
3. Aber wie „die Unverheiratete an die Sache des Herrn denkt, damit sie an Leib und Geist heilig sei“, so denkt auch die Verheiratete an die Sache ihres Mannes und „an die Sache des Herrn im Herrn, damit sie an Leib und Geist heilig sei“; denn beide sind im Herrn heilig, die eine als Ehefrau, die andere als Jungfrau.
4. Zur Beschämung und Hemmung aber derer, die zu einer zweiten Ehe geneigt sind, gebraucht der Apostel in angemessener Weise ein starkes Wort und sagt sogleich: „Jede andere Sünde ist außerhalb des Leibes, wer aber Unzucht treibt, der versündigt sich an seinem eigenen Leibe.“
§ 89
1. Wenn aber jemand die Ehe Unzucht zu nennen wagt, so verfällt er wieder in eine Lästerung gegen das Gesetz und den Herrn. Denn wie die Habsucht Unzucht genannt wird, weil sie der Genügsamkeit entgegengesetzt ist, und wie der Götzendienst so genannt wird, weil er ein Abtrünnigwerden von dem einen Gott zugunsten von vielen Göttern ist, so ist Unzucht das Abtrünnigwerden von der einen Ehe zu einer Mehrzahl. Denn in dreifacher Bedeutung werden, wie wir gesagt haben, die Wörter Unzucht und Ehebruch bei dem Apostel gebraucht.
2. Hiervon sagt der Prophet: „An eure Sünden wurdet ihr 312 verkauft“, und wieder: „Du wurdest in einem fremden Lande befleckt“, indem er die Gemeinschaft für befleckt hält, die sich mit einem fremden Körper und nicht mit dem, in der Ehe zum Kinderzeugen gegebenen verbunden hat.
3. Daher sagt auch der Apostel: „Ich will also, daß jüngere (Witwen) wieder heiraten, Kinder gebären, dem Haushalt vorstehen, dem Widersacher keinen Anlaß zu übler Nachrede geben; denn manche von ihnen haben sich schon abgewendet zur Nachfolge des Satans.“
§ 90
1. Allerdings ist er auch ganz damit einverstanden, wenn ein Mann eine einzige Frau hat, mag er nun ein Presbyter oder ein Diakon oder ein Laie sein, wenn er nur seine Ehe tadellos führt. „Er wird aber durch Kinderzeugen gerettet werden.“
2. Wenn andererseits der Heiland die Juden „ein böses und ehebrecherisches Geschlecht“ nennt, so will er damit lehren, daß sie das Gesetz nicht verstanden haben, wie das Gesetz es will, sondern „der Überlieferung der Ältesten und Menschensatzungen“ folgten und dadurch Ehebrecher an dem Gesetz wurden, das sie nicht als „ihren Mann und Herrn über ihre Jungfrauschaft“ angenommen hatten.
3. Vielleicht weiß er aber auch, daß sie fremden Begierden unterworfen waren, derentwegen sie auch unausgesetzt den Sünden dienten und an die Fremdstämmigen verkauft wurden; denn bei den Juden waren keine öffentlichen Dirnen aufgestellt, vielmehr war auch der Ehebruch verboten.
4. Jener aber, der sagte: „Ich habe ein Weib geheiratet und kann nicht kommen“, nämlich zum göttlichen Mahle, war ein Beispiel zur Warnung für die, die wegen ihrer Lüste vom göttlichen Gebot abfallen. Denn aus diesem Grunde würden sonst weder die Gerechten vor der Erscheinung des Herrn noch diejenigen, die nach der Erscheinung geheiratet haben, selbst wenn sie Apostel wären, gerettet werden.
5. Und wenn sie wieder jenes vorbringen, daß auch der Prophet sagt: „Ich bin alt geworden 313 unter allen meinen Feinden“, so sollen sie unter den Feinden die Sünden verstehen; eine von den Sünden aber ist, nicht die Ehe, sondern die Unzucht; denn sonst müßten sie auch die Geburt eine Sünde nennen und ebenso den Schöpfer der Geburt.