§ 61
1. Die Urheber der Lehre, daß es keinen Unterschied zwischen gut und böse gebe, tun einigen wenigen Schriftstellen Gewalt an und meinen, daß sie für ihre wollüstige Lehre sprechen. Darunter ist auch jenes Wort: „Denn die Sünde wird über euch nicht herrschen, denn ihr seid nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade“ (und noch einige andere Stellen dieser Art; sie außer diesen anzuführen, liegt kein Grund vor; denn ich will ja kein Seeräuberschiff ausrüsten). Deshalb wollen wir ihre Beweisführung kurz widerlegen.
2. Der edle Apostel wird ja den (durch die falsche Auslegung ihm gemachten) Vorwurf selbst durch das Wort hinfällig machen, das er 294 zu dem angeführten Satz hinzufügt: „Wie nun? Sollen wir sündigen, weil wir nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade sind? Das sei ferne!“ In dieser von Gott eingegebenen und prophetischen Weise löst er auf der Stelle den sophistischen Trugschluß (der Anhänger) der Lust.
§ 62
1. Sie sehen also, wie es scheint, nicht ein, daß „wir alle vor dem Richterstuhle Christi offenbar werden müssen, damit jeder den Lohn für sein Tun bei Leibesleben empfange, es sei gut oder böse“, d.h. damit jeder (den Lohn für) das erhalte, was er mit seinem Leib getan hat.
2. „Deshalb, wenn einer in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung“, die nicht mehr zum Sündigen bereit ist. „Das Alte ist vergangen“; wir haben das alte Leben von uns abgewaschen. „Siehe, Neues ist geworden“, Keuschheit aus Unzucht, Enthaltsamkeit aus Zuchtlosigkeit, Gerechtigkeit aus Ungerechtigkeit.
3.„Denn was haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit miteinander gemein? Oder was hat das Licht mit der Finsternis zu schaffen? Wie stimmt Christus mit Beliar überein? Oder welche Gemeinschaft besteht zwischen einem Gläubigen und einem Ungläubigen? Wie verträgt sich der Tempel Gottes mit den Götzenbildern?“ „Da wir nun solche Verheißungen haben, wollen wir uns von jeder Befleckung des Fleisches und des Geistes rein erhalten und völlige Heiligkeit bei uns in der Furcht Gottes schaffen!“