§ 96
1. Und wiederum, wenn der Apostel sagt: „Es ist für den Menschen gut, kein Weib zu berühren; aber wegen der Gefahr der Unzucht soll jeder sein Weib haben“, so fügt er, gleichsam zur Erklärung, wieder hinzu: „Damit euch der Satan nicht versuche.“ 2. Denn das Wort „wegen 316 eurer Unenthaltsamkeit“ sagt er nicht zu denen, die die Ehe enthaltsam nur zum Kinderzeugen gebrauchen, sondern zu denen, die über das Kinderzeugen hinauszugehen begehren, damit nicht der Widersacher einen großen Sturm entstehen und das Verlangen nach fremden Lüsten emporwogen lasse.
3. Vielleicht will er (der Satan) auch, da er aus Mißgunst den gerecht Lebenden entgegentritt und mit ihnen kämpft, in der Absicht, sie seinem eigenen Heere zuzugesellen, ihnen Anlaß dazu geben, indem er ihnen die Enthaltsamkeit mühsam macht.
§ 97
1. Mit Recht sagt also der Apostel: „Es ist besser zu heiraten, als Brunst zu leiden“, damit der Mann seinem Weibe die eheliche Pflicht erfülle und das Weib ihrem Mann und damit sie sich nicht gegenseitig der ihnen durch die göttliche Ordnung für die Zeugung gegebenen Hilfe berauben.
2. „Wer aber“, so sagen sie, „nicht Vater oder Mutter oder Weib oder Kinder haßt, der kann nicht mein Jünger sein.“
3. Er befiehlt nicht, die eigene Familie zu hassen; er sagt ja: „Ehre Vater und Mutter, damit es dir gut geht!“ Er meint vielmehr: Laß dich nicht von unvernünftigen Trieben verleiten und mache dich nicht von den bürgerlichen Gewohnheiten abhängig; denn ein Haus entsteht aus einer Familie, und Städte entstehen aus Häusern, wie auch Paulus von denen, die sich von der Ehe ganz in Anspruch nehmen lassen, sagt, daß sie der Welt gefallen wollen.
4. Wiederum sagt der Herr: „ Wer geheiratet hat, der verstoße nicht, und wer nicht geheiratet hat, der heirate nicht!“ Das heißt: Wer mit dem Vorsatz der Ehelosigkeit erklärt hat, nicht heiraten zu wollen, der soll ehelos bleiben.
§ 98
1. Beiden also gibt der gleiche Herr durch den Propheten Jesaias die entsprechenden Verheißungen mit folgenden Worten: „Der Verschnittene sage nicht: Ich bin ein dürres Holz! Dies sagt der Herr zu den Verschnittenen: Wenn ihr meine Sabbate haltet und alles tut, was ich gebiete, so will ich euch einen Platz geben, der besser ist als Söhne und Töchter.“
2. Denn nicht das Verschnittensein 317 allein macht gerecht und auch nicht die Sabbatheiligung des Eheuntüchtigen, wenn er nicht auch die Gebote hält.
3. Und für die Verheirateten fügt er folgende Worte hinzu: „Meine Auserwählten werden sich nicht vergeblich abmühen und ihre Kinder nicht zum Fluche zeugen; denn sie sind ein vom Herrn gesegneter Same.“
4. Denn für den, der dem Logos gemäß Kinder erzeugt, aufgezogen und im Herrn unterrichtet hat, ebenso wie für den, der durch die wahre Unterweisung Söhne zeugt, ist ein Lohn bestimmt, wie auch für den auserwählten Samen.
5. Andere halten aber das Kinderzeugen für einen „Fluch“ und merken nicht, daß das Schriftwort sich gegen sie selbst wendet. Denn die wahren Auserwählten des Herrn lehren nicht und erzeugen nicht das, was zum Fluche führt, wie die Irrlehren.
§ 99
1. Mit dem Worte „Eunuche“ ist also nicht der mit Gewalt seiner Zeugungsglieder Beraubte und auch nicht der Unverheiratete bezeichnet, sondern derjenige, der unfähig ist, Wahrheit zu erzeugen. Dieser war zuvor „ein dürres Holz“; wenn er aber dem Worte gehorcht und die Sabbate durch Enthaltung von Sünden gefeiert und die Gebote erfüllt hat, so wird er höher geachtet sein als diejenigen, die ohne rechten Wandel durch das Wort allein erzogen werden.
2. „Kinder“, sagt der Lehrer, „nur noch kurze Zeit bin ich bei euch.“ Deshalb sagt auch Paulus in seinem Brief an die Galater: „Meine Kinder, die ich jetzt wieder mit Schmerzen gebäre, bis Christus Gestalt in euch gewonnen hat.“
3. Und wieder in einem Brief an die Korinther schreibt er: „Denn wenn ihr auch unzählige Erzieher in Christus hättet, so habt ihr doch nicht viele Väter; denn in Christus habe ich euch durch das Evangelium gezeugt.“
4. Deshalb „wird kein Verschnittener in die Gemeinde Gottes kommen“, nämlich keiner, der in Wandel und Wort unfruchtbar und ohne Ertrag ist, dagegen diejenigen, „die sich selbst wegen des Himmelreiches“ von jeder Sünde „verschnitten“ (d.i. freigemacht)„haben“; diese, die sich von der Welt nüchtern erhalten, sind glücklich zu preisen.