Diese Canones schrieb Jac. Sirmond, ihr Entdecker, einer Synode des Papstes Innocenz I. zu; nach ihm nahmen sie Labbe, Mansi, Hardouin unter die Concilien und 461 Briefe dieses Papstes auf, denen auch Hefelefolgt. Coustant aber vindicirt dieses Synodalschreiben dem Papste Siricius und begründet seine Behauptung durch die große Ähnlichkeit der Gedanken und des Stiles dieser Canones mit anderen Briefen des Siricius; ihm tritt Maassenbei. Das Schreiben ist eine Beantwortung auf 16 disciplinäre Anfragen gallischer Bischöfe und wurde deßhalb von Sirmond auch in 16 Capitel getheilt, obwohl es in den Handschriften nur unter 6 Titeln aufgeführt erscheint. Coustant macht 20 Nummern. Wir geben es nach der Eintheilung des Sirmond.
Zur Wahrheit gelangt man durch Gebet; die Übertretung der Überlieferungen führt zur Häresie.
Wir wissen, theuerste Brüder, daß viele Bischöfe in verschiedenen Gegenden zum größten Schaden ihres Rufes in menschlicher Anmaßung die Überlieferung der Väter abzuändern sich beeilten und dadurch in die Finsterniß der Irrlehre fielen, da sie mehr nach dem Ruhme der Menschen als nach den Belohnungen Gottes streben. Nun aber, da euere Heiligkeit, nicht aus bloßer Neugierde, sondern um der Bekräftigung des Glaubens willen, sich würdigte, von der Auctorität des apostolischen Stuhles die Kenntniß des Gesetzes und die Überlieferungen zu erlangen, und von uns eine offene Darlegung der vorgelegten Fragen aufrichtig und sehnsüchtig wünscht, so höret: was immer die göttliche Gnade eingeben wird, das werde ich, mit schwachen Worten zwar, aber mächtig zur Verbesserung aller jener Unterschiede erklären, welche die Vermessenheit allein verursachte, nach dem Worte der göttlichen Schrift:„Ihr habt das Gebot Gottes verworfen, um euere Satzungen einzuführen." Wollet ihr also aufrichtigen Glaubens die wahren Vorschriften erfahren, so würdiget euch, meine Worte gerne zu ver- 463 Zuerst ist mir die Angelegenheit der Keuschheit und Züchtigkeit vorgelegt; hernach werden eine Menge anderer Fragen vorgebracht. Die einzelnen Angelegenheiten sind daher der Reihe nach mit den Überlieferungen zu erwidern.
Wenn eine für Christus schon verschleierte Jungfrau, welche öffentlich vor Zeugen Enthaltsamkeit gelobt und von dem Priester unter Gebet und Segen den Schleier empfangen hat, entweder heimlich Unzucht begangen oder, um ihr Verbrechen zu bedecken, ihrem Mitschuldigen den Namen „Gemahl" gegeben hat, indem sie die Glieder Christi zu Gliedern einer Buhldirne macht, so daß sie, die eine Braut Christi war, die Gattin eines Menschen hieß; so sind bei einer solchen Frauensperson so viele Vergehen als Umstände: die Veränderung des Vorsatzes der Enthaltsamkeit, der Verlust des Schleiers, die Verletzung und Zunichtemachung der ersten Treue. Welcher und welch’ großer Genugthuung bedarf es da? Wie groß muß ihre Buße sein, die dem Verderben des Fleisches anheimfiel? Es ist keine geringe Schuld, Gott verlassen und einem Menschen gefolgt zu sein. Daher muß sie lange Jahre trauern, damit sie endlich nach würdiger Buße Verzeihung erlangen könne, wenn sie als Büßerin ihre Bußwerke verrichtet.
Ebenso, wenn ein Mädchen, welches zwar noch nicht verschleiert ist, aber dennoch entschlossen war, so zu bleiben, (von ihrem Entschlüsse abgefallen ist,) so wird ihre 464 Verbindung, obschon sie nicht für Christus verschleiert ist, sie aber dazu entschlossen war und den Ehe-Schleier (die Trauung) nicht empfangen hatte, eine diebische Ehe genannt, deßhalb weil sie der Pflicht der himmlischen Ehe nicht treu blieb und in blinder Liebe der Lust nachgieng. Auch Diesen ist eine Zeit der Buße zu bestimmen, weil sie, ob geraubtoder freiwillig, in den ordnungswidrigen Umgang mit einem Manne einwilligte und (überhaupt) solche Personen nicht nach erbetenem Zeugnisse ihrer Angehörigen und der Priester zur feierlichen Verhüllung (kirchlichen Trauung) in keuscher Sittsamkeit die Ordnung beobachteten, sondern gegen die Vorschrift des alten Testamentes handelten. Das Gesetzbefahl, Solche zu steinigen; jetzt, nach Aufhebung dieser Strafe, werden sie geistiger Weise gezüchtiget, so daß sie, wie Todte, die Kirche nicht betreten dürfen. Doch können sie Buße thun, Verzeihung (aber) erlangen sie nicht so bald, weil, wenn, wie das Gesetz sagt, das Mädchen geschrieen, sich lange verwahrt hätte und enthaltsam gewesen wäre, sie jedenfalls schuldlos geblieben wäre. Beide also sollen gleich lang von der Gemeinschaft entfernt werden, würdige Buße thun, durch Weinen, Demuth, Fasten, Werke der Barmherzigkeit das begangene Verbrechen sühnen.
Schon häufig ergieng bezüglich ihrer unser Wort an mehrere Kirchen, besonders in Betreff der Priester, deren Pflicht es ist, ihrem Volke ein Muster guter Werke zu sein. Allein so viel ich vermag, werden wir nach dem Worte der Schrift: „Rede zu den Ohren der Hörenden„ die Ohren mit Lehren erfüllen. Wenn man das häufig wiederholt, 465 was von Einzelnen vernachlässigt wird, dann kommt zur Geltung, was dem meineidigen Geschlechte gesagt ist: „die immer lernen und nie zur Erkenntniß der Wahrheit gelangen.“ Denn wenn heilsame Ermahnungen nicht beobachtet werden, so werden die apostolischen Vorschriften verachtet, als wären sie unbekannt; das Urtheil aber über das, was sie begangen, kann nicht verändert werden. [Das gilt von den Priestern.]Obenan steht die Verordnung über die Bischöfe, Priester und Diakonen, welche den göttlichen Opfern beiwohnen müssen, durch deren Hände sowohl die Gnade der Taufe gespendet als auch der Leib Christi bereitet wird, denen nicht bloß wir, sondern auch die göttliche Schrift befiehlt, ganz keusch zu sein, denen auch die Väter die Beobachtung der leiblichen Enthaltsamkeit vorschreiben, weßhalb auch wir die Sache nicht übergehen, sondern besprechen wollen. Muß sich nicht ein Bischof oder Priester schämen, einer Wittwe oder Jungfrau Keuschheit oder Enthaltsamkeit zu predigen oder sie zur Heilighaltung des Bettes zu ermahnen, wenn er selbst es nicht unterließ, mehr der Welt als Gott Kinder zu erzeugen? Adam wurde, weil er das Gebot nicht hielt, aus dem Paradiese getrieben und des (Himmel)reiches verlustig; und der Sünder, glaubst du, wird in das Himmelreich gelangen können? Weßhalb sagt Paulus:„Ihr aber seid nicht mehr fleischlich, sondern geistig„ und wieder: „Die, welche Frauen haben, sollen sein. als hätten sie keine“ ? Soll vielleicht er, der dem Volke (solche) Ermahnungen ertheilt, aus Nachgiebigkeit gegen die Leviten und Priester, diesen die Freiheit gewähren, Fleischeswerke zu thun, da er doch sagt: „Pfleget nicht das Fleisch zur Erregung der Lüste„ und anderswo: „Ich wünschte, 466 daß Alle so seien, wie ich bin“? Wie kann der für Christus streiten, wie der auf dem Stuhle des Meisters sitzen, welcher die Zucht des Dienstes nicht beobachten kann?
In diesen drei Weihestufen also, welche wir in den (heil.) Schriften lesen, ist den Dienern Gottes die Beobachtung der Reinheit vorgeschrieben, da sie stets zum Dienste bereit sein müssen. Denn entweder haben sie die Taufe zu spenden oder das Opfer darzubringen. Wird es etwa ein Unreiner wagen, das Heilige zu beflecken, da, was heilig ist, den Heiligen heilig ist? Auch Jene, welche im Tempel die Opfer darbrachten, blieben, damit sie rein seien, das ganze Jahr im Tempel, aus reiner Pflichtmäßigkeit, und wußten von ihren Häusern gar Nichts. Selbst die Götzendiener legen sich wegen der Ausübung ihrer Gottlosigkeiten und der den Dämonen zu opfernden Gaben die Enthaltsamkeit von Weibern auf und wollen sich auch von Speisen rein bewahren; und du fragst mich, ob ein Priester des wahren Gottes, welcher die geistigen Opfer darbringen soll, stets rein sein müsse, oder ob er ganz fleischlich der Sinnlichkeit fröhnen dürfe? Wenn die Vermischung eine Befleckung ist, so muß wahrlich der Priester zum himmlischen Amte bereit stehen, da er für fremde Sünden fürbitten soll, damit er nicht selbst für unwürdig befunden werde. Denn wenn zu den Laien gesagt wird:„Enthaltet euch (von einander) eine Zeit lang, damit ihr dem Gebete oblieget,„ die doch der Schöpfung durch die Zeugung dienen, so können die Priester (welche gegen das Gebot der Enthaltsamkeit sündigen) wohl diesen Namen, aber nicht den Lohn (der Priester) haben. Wenn Dieß aber so wäre und jene Anmaßung bleiben würde,so müßte man das Leben der Bischöfe, Priester und Diakonen mit dem der öffentlichen Sünder gleichstellen. Deßhalb ermahne ich euch, meine Theuersten, solchen befleckten und treulosen Menschen, in 467 welchen die Heiligkeit des Leibes durch Unreinigkeit und Unenthaltsamkeit befleckt erscheint. Gottes Geheimniß nicht anzuvertrauen, wie Dieß die Ehrfurcht gegen die Religion selbst anräth. Solche schließt selbst die gerechte Vernunft aus. Man höre doch (auf die Worte): „daß Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht besitzen werden und die Verwesung nicht die Unverweslichkeit.“ Und ein Priester oder Diakon wagt es, nach Art der Thiere darnach zu verlangen, (dem Verderben des Fleisches) zu unterliegen.
Ebenso ist es von dem, welcher schon als Gläubiger im weltlichen Kriegsdienste gestanden,bekannt, daß er öffentliche Freiheit genießt. Denn wer kann ihn bewachen, wer kann ihn verhindern, den Schauspielen beizuwohnen oder aus Geldgier Gewaltthätigkeiten und Unrecht zu begehen?
Die römische Kirche beachtet insbesondere auch Dieß, daß, wenn Einer als Kind getauft wurde und die Reinheit 468 des Leibes bewahrte, er zum Klerus zugelassen werden kann; oder wenn Einer als Erwachsener getauft wurde und keusch blieb, der Mann einer Frau war, er ein Kleriker werden kann, so er von anderen Verbrechen frei ist. Wer aber das Geheimniß des Wassers durch Fleischessünden verunreinigt hat, mag er auch nach der Unzucht heirathen, wie wird ein Solcher das Amt der Sündenvergebung ausüben können, da er in die Blindheit seines früheren Lebens zurückgefallen? Was heißt es:„Weder Unzüchtige noch Götzendiener" und andere dergleichen werden das Reich Gottes besitzen," wenn kein Unterschied bestehen soll zwischen den Guten und Bösen, dem Gerechten und Ungerechten, zwischen dem Üppigen und Züchtigen, zwischen dem, der das Gesetz beobachtet, und dem öffentlichen Sünder? Solche würden wohl Diener oder Priester, aber nicht Christi, sondern vielmehr des Antichristus. Und wo bleibt das Gebot, welches der hl. Apostel Paulus, als er die Regel für die Ordination eines Bischofes gab, mit den Worten ertheilte„Er muß sein unbescholten, mäßig, keusch" u. s. w.? Wie aber, ist der unbescholten, welcher das Sacrament der Taufe nicht bewahren konnte? O der neuen Vermessenheit! Dem wird das Priesterthum anvertraut, welchem allein die Buße gebührt, damit er durch lange Genugthuung den Schmutz abwaschen und Verzeihung erlangen könne!
Daß das Glaubensbekenntniß aller katholischen Bischöfe eines sein müsse, verlangte schon die apostolische Anordnung. Ist aber ein Glaube, so darf auch nur eine Überlieferung sein; wenn aber eine Überlieferung ist, so darf auch in allen Kirchen nur eine Disciplin beobachtet wer- 469 den. Die Kirchen sind zwar in verschiedenen Gegenden gegründet worden, aber wegen der Einheit des katholischen Glaubens heissen alle auf der ganzen Welt die eine. Denn wir lesen auch also:„Eine ist meine Taube, Eine ist meine Vollkommene, die Einzige ihrer Mutter." Ich antworte nun nicht über die Art der Taufe, sondern über die Person der Spender (derselben).
In der Osterzeit pflegen der Priester und Diacon in den Paröcien die Sündenvergebungzu ertheilen und den Dienst zu verrichten, auch in Gegenwart des Bischofs steigen sie selbst in die Quelle hinab; sie verrichten das Amt, aber im Namen und durch die Erlaubniß des Bischofes. Zu anderen Zeiten aber, wenn die Noth der Krankheit zum Empfange (der Taufe) drängt, ist es speciell dem Priester erlaubt, durch die Gnade des Heilswassers die Sündenvergebung zu ertheilen, da es ihm auch zusteht, das Opfer zur Reinigung darzubringen; den Diakonen jedoch ist nirgends die Erlaubniß hiezu gegeben; haben sie sich etwa einmal angemaßt, so werden sie, wie es heißt, durch die Noth entschuldigt, von nun an aber dürfen sie es nicht thun, wenn sie (vor Strafe) sicher sein wollen.
….. Denn ein Jeder wird durch seinen vollen Glauben gereinigt. Denn wenn das auf das Haupt gegossene Chrisma seine Gnade dem ganzen Körper mittheilt, wenn auch der Katechumene beim dritten Scrutinium mit dem 470 Öle gesalbt worden ist, so wirkt dennoch Gott nicht oft, sondern einmal in der Zeit durch seine Kraft.
Von dem, welcher die Schwester seiner Frau heirathete, ist im Gesetze des alten Testamentes geschrieben, dah er sie heirathen solle, um den Samen seines verstorbenen Bruders zu erwecken, wenn er nemlich keine Kinder von ihr hinterlassen hat.Deßhalb widersprach auch Johannes der Täufer dem Herodes, daß es ihm nicht erlaubt sei, (die Frau seines Bruders) zu heirathen, da sie von seinem Bruder Kinder hatte. Doch wegen der männlichen Zeugung befahl das Gesetz Dieß nur dem Manne; von Frauen lautete es nirgends, wenn es auch vielleicht geschehen ist. Denn das Gesetz sagt: „Verflucht sei, wer mit der Schwester seiner Frau schläft.„ Nun aber wurde Jacob, der zu gleicher Zeit des Geheimnisses wegen zwei Schwestern zu Frauen und auch Concubinen hatte, Patriarch genannt, und alle seine Söhne hießen Patriarchen; den Christen aber ist Dieß nicht erlaubt? Hießen denn etwa Jene so, weil sie Frauen und Concubinen hatten? Nun aber gestattet Dieß (unser) Testament nicht mehr, wo bezüglich der Reinheit größere Anforderungen gestellt werden, wo nach der Lehre Christi 471 die Keuschheit gerühmt wird, wenn er sagt: „Nicht Alle fassen das Wort Gottes, sondern denen es gegeben wird.“
Daß auch Diejenigen, welche im Besitze einer weltlichen Würde das weltliche Recht handhabten, von Sünde nicht frei sein können, ist offenbar. Denn da entweder das Schwert gezückt oder ein ungerechtes Urtheil gefällt oder die Tortur nach Bedürfniß der Verhandlungen angewendet wird oder sie Vergnügungen zu bereiten suchen oder den schon bereiteten beiwohnen und so sich jenen Dingen, welchen sie abgeschworen, wieder zuwenden, haben sie die (ihnen) gelehrte Disciplin geändert. Sie erweisen sich einen großen Dienst, wenn sie nicht nach dem Bischofsamte streben; doch können sie nach einer bestimmten Zeit, wenn sie wegen alles Dieses Buße thun, dem Dienste der Altäre einverleibt werden. Auf dem nicänischen Concil wollten auf Antrieb des göttlichen Geistes die versammelten Bischöfe nach gehöriger Feststellung des Glaubensbekenntnisses auch die apostolischen Überlieferungen zur Kenntniß Aller bringen und entschieden unter Anderem, daß kein Verschnittener Kleriker werdeweil kein Verschnittener und Weichling in das Heiligthum Gottes eintreten darf. Ferner verordneten sie, daß, wenn Jemand nach der Taufgnade, nach der Sündenvergebung als Krieger oder in Purpur und Fasces einherstolzirt, 472 er keinesfalls sich zum Priesterthume eindrängen und in dasselbe aufgenommen werden dürfe.Denn nach seinen Verdiensten und nach den Vorschriften des Gesetzes steigt man zu der Höhe dieser Würde empor, nicht aber kann Jemand durch simonistisches Geld oder Wohlwollen oder durch die Volksgunst dazu gelangen. Denn nicht darum frägt sich’s, was das Volk will, sondern was die evangelische Disciplin vorschreibt. Das Volk hat dann ein (giltiges) Zeugniß, so oft es dasselbe dem Verdienste eines Würdigen ertheilt mit Ausschluß aller Gunst.
Dasselbegilt von dem, welcher die Frau seines Oheims geheirathet hat. Die Tochter des Oheims zu ehelichen, ist nicht erlaubt, da…. Denn wer das Ehebett seines Vaters oder seiner Mutter zu beflecken wagt, schließt keine Ehe, sondern begeht Unzucht. Wer immer aber gegen die apostolischen Canones zu handeln sich erkühnt, ist des Priesteramtes zu entsetzen, wenn er hartnäckig ist; wenn er sich aber bessert, so soll das angemaßte (Amt) entfernt werden, damit er nach der Wiederversöhnung in unsere Gemeinschaft aufgenommen werden könne.
Bezüglich der Ordinationen ist vorzüglich zu beachten, daß immer Kleriker Bischöfe werden; denn so ist es ge- 473 schrieben:„Sie müssen zuerst erprobt werden, und dann mögen sie das Amt ausüben." Wer sich nicht vorher im Dienste eines niedrigeren Amtes bewährt hat, wie kann der dem Klerus vorgesetzt werden? Es ist unerhört, daß Jemand, der noch nicht einmal Recrut gewesen, den Oberbefehl über die Soldaten erhalten habe. Der also soll (Bischof) werden, welchen das Alter, die Zeit und sein Lebenswandel empfiehlt. Oder warum verbietet der Apostel einen Neophyten (https://bkv.unifr.ch/works/267/versions/288/scans/a0zu weihen) und gestattet es nicht, Jemand voreilig die Hände aufzulegen?
Ebenso sollen Diejenigen, welche von einer Kirche zu einer anderen übergehen, denen gleich gehalten werden, welche ihre Frau verlassen und eine andere nehmen, was nicht ungestraft bleiben kann. Ein solcher Bischof, der fremde Ehre angreift, soll des Bischofsamtes entsetzt werden.
Auch in Betreff der fremden Kleriker wurde auf Synoden häufig verhandelt und bestimmt und fordert es die gerechte Vernunft, daß die von ihrem Bischofe aus der Kirche ausgewiesenen Kleriker in einer fremden Kirche nicht einmal die Laiencommunion empfangen können, da, wie es bestimmt und bekannt ist, nicht einmal der Unschuldige ohne ein Schreiben seines Bischofes oder die Formata in einer 474 fremden Kirche einen Dienst verrichten darf. Wenn aber Jemand zur Beschimpfung des Bischofes Dieß zu thun wagte und einen verurtheilten Kleriker aufnehmen oder befördern wollte, der wisse, daß er sich fremder Sünden mitschuldig gemacht und dem Ausspruche des Apostels verfallen sei, welcher sagt: „daß nicht bloß die schuldig seien, welche (gegen das Gesetz) handeln, sondern auch, die den (so) Handelnden zustimmen.„ Daher ist es dem Gewissen Desjenigen zu überlassen, der über seinen Kleriker gerichtet hat, da er weiß. daß über sein Gericht Gott richten wird für die Zukunft. Höre das Wort des Herrn: „Was ihr wollt, daß es euch die Menschen thun, das thut auch ihr ihnen.“ Warum beginnst du einen Kampf und beleidigst deinen Bruder und Mitbischof? Denn wenn ein schuldiger ausgewiesener Kleriker nicht nur aufgenommen, sondern auch befördert wird, wird der Bischof für ungerecht erklärt. Wer immer Dieß thut, wisse, daß er von der Gemeinschaft der Katholiken getrennt sei und mit dem apostolischen Stuhle keine Verbindung haben könne.
Das überdieß ist ein sehr schweres (Vergehen) und gegen die bischöfliche Einschränkung des apostolischen Stuhles,sein Gebiet zu überschreiten, in ein anderes einzugreifen, mit der Abhaltung der Ordinationen (Bischöfen) voraus 475 zu eilen,den Metropoliten zugleich mit den benachbarten Bischöfen in seiner Diöcese nicht zuzulassen, wie es die 318 Bischöfe bestätigt haben, daß drei oder noch mehr Bischöfe einen Bischof ordiniren und den Würdigsten einsetzen sollen.Wenn Jemand das Gebiet eines anderen Bisthums überfällt, wird er der Gewaltthätigkeit schuldig erklärt. Was läuft man, was eilt man? Damit die kirchliche Regel mit Füßen getreten würde? Die menschlichen Gesetze werden beobachtet, die göttlichen Gebote aber verachtet. Man fürchtet das Schwert der Gegenwart und die zeitliche Strafe; die göttliche Strafe aber, welche die ewigen Flammen der Hölle hat, achtet man nicht. Seht, wie weit Anmaßung kommt. Wer immer von nun an in einer fremden Diöcese eine Ordination vorzunehmen gewagt, wisse, daß er bezüglich seines Postens Gefahr laufe, da er eine fremde Kirche anzugreifen wagte. Es handelt sich nicht um etwas Irdisches, nicht um weltliche Beförderungen. Hören wir das Wort des Apostels: „Lege Niemand schnell die Hände auf und mache dich nicht fremder Sünden theilhaftig; halte dich selbst keusch." Wenn wir die (heil.) Schriften lesen und die Furcht Gottes in uns ist, so werden alle Ärgernisse entfernt werden können und Einmüthigkeit unter allen Brüdern herrschen in friedsamer und vollkommener Liebe.
Überdieß sollen auch Laien, welche nach geschöpftem 476 Erkenntnisse von der Gemeinschaft ausgeschlossen wurden, von einem anderen Bischöfe zu Klerikern gemacht worden sein; das ist schon das größte Übel. Daher sollen sich, die Solches zu thun gewagt, versammeln und (ihren Fehler) bessern, so daß die, welchen die Weihe unwürdig verliehen wurde, entfernt werden, oder man gebe uns ihre Namen bekannt, damit wir wissen, mit welchen wir keine Gemeinschaft halten dürfen.
So wisse denn euere Aufrichtigkeit, daß, wenn Dieß alles, was doch sicher ordnungsgemäß ist, beobachtet wird, weder Gott beleidigt wird, noch Spaltungen erzeugt werden, noch Häresien entstehen; die beiden aber werden sagen, daß wahrhaft Gott bei uns ist Christus, unser Herr, welcher lebt und regiert bei dem Vater mit dem heiligen Geiste in alle Ewigkeit. Amen.