Maximus, ein aus Britannien herüber gekommener Empörer, gelangte im Jahr 383 durch die Soldaten, welche sich von dem wegen seines müssigen Lebens verachteten Gratian abwendeten, zur Herrschaft über die gallische Präfectur, in welcher ihn auch Kaiser Theodosius bestätigte; als er aber auch die Präfectur Italiens an sich reissen wollte, wurde er von Theodosius bekriegt, bei Armona im oberen Pannonien im J. 383 geschlagen und in Aquileja hingerichtet. Siricius ermahnte ihn brieflich zur Glaubenstreue wohl deßhalb, weil eben damals die Priscillianisten in Gallien sich sehr verbreiteten, beschwerte sich auch über die ungesetzliche Weihe des Agricius zum Priester, und Maximus versichert hiemit den Papst seiner Treue und seines Eifers für den katholischen Glauben. Baronius setzte den Brief in das Ende des Jahres 387, Tillemont aber und Coustant weisen aus dem Berichte des Maximus über die soeben entdeckten Schändlichkeiten der Priscillianisten, welche schon im J. 385 offenbar und bestraft wurden, sowie daraus, daß 427 Maximus die Absicht ausspricht, eine Synode der gallischen Bischöfe zu versammeln, was er wohl im J. 387 im Angesichte des bevorstehenden Krieges gegen Theodosius nicht mehr gethan hätte, nach, daß unser Brief schon im J. 385 abgefaßt sei.
§ 1
Der Sieger Maximus, ewiger Triumphator, Augustus (entbietet) dem wahrhaft heiligen, apostolischen Manne, dem Bischofe Siricius (seinen) Gruß.
1. Maximus versichert den Papst seiner Sorge für den katholischen Glauben.
Wir erhielten das Schreiben deiner Heiligkeit, das uns sehr angenehm und dem Namen eines Priesters sowie der Würde der herrlichsten Stadt angemessen ist. Für den katholischen Glauben, in Betreff dessen du unsere Milde berathen wolltest, bekenne ich eine desto größere Sorgfalt zu haben, je mehr ich an mir selbst eine besondere Fügung der Gottheit erfahre. Habe ich doch aus der Quelle des Heiles heraus sogleich den Kaiserthron bestiegen, stand mir doch auch bei allen meinen Unternehmungen und Errungenschaften Gott als Schützer zur Seite, der mir heute und, wie ich hoffe, für immer Schutz und Schirm sein möge, theurster Vater!
Bezüglich des Agricius, der, wie du schreibst, zum 428 Priesterthume ungehörig aufgestiegen ist, wie könnte ich gegen unsere katholische Religion ehrerbietiger handeln, als daß hierüber, wie immer es sei, die katholischen Priester urtheilen? Ich werde eine Zusammenkunft derselben, nach Möglichkeit aller oder derer, welche in Gallien oder in den fünfProvinzen sich befinden, in einer ihnen beliebigen Stadt veranstalten, damit durch ihre Versammlung und ihr Urtheil entschieden werde, was Gewohnheit, was Gesetz sei. Denn was nach den Büchern und den verehrungswürdigsten Anordnungen unserer Vorfahren zu behaupten sei, können Diejenigen besser darthun, die sie kennen.
Übrigens bekennen wir, daß es unser Bestreben und Wille sei, daß der katholische Glaube nach Beseitigung aller Zwietracht durch die Übereinstimmung aller Priester und Diener Gottes unversehrt und unverletzt bleibe. Denn nach unserer Ankunft entdeckten und fanden wir so Manches derart beschmutzt und mit dem Gifte Verruchter befleckt, daß, wäre unsere Sorge und Heilung, welche der Furcht vor dem höchsten Gott entstammte, nicht schnell zu Hülfe gekommen, in der That eine ungeheuere Trennung und Verderbniß eingerissen und eine später kaum zu heilende Lasterhaftigkeit großgewachsen wäre.
Was übrigens noch unlängst von Schandthaten der 429 Manichäerentdeckt worden, nicht nach Beweisen oder zweifelhaften und unsicheren Verdächtigungen, sondern nach ihrem eigenen gerichtlichen Bekenntnisse, möge deine Heiligkeit lieber aus den Acten selbst als aus unserem Munde erfabren, da wir derlei Schandthaten nicht nur, sondern auch unfläthige Reden ohne Schamröthe nicht vorbringen können. [Mit der Handschrift des Kaisers:] Gott erhalte dich viele Jahre.