Ambrosius von Mailand · De virginibus ad Marcellinam sororem libri tres · Buch 1 · Kapitel 8
Die Jungfrau einer Biene vergleichbar: Ihr nährender Tau Gottes Wort [40], ihre Frucht des Mundes Wahrheit [41] voll Verdienstlichkeit und Gemeinnützigkeit [42], ihre Blume „die Blume des Feldes“, Christus [43].
§ 40
Honigseim strömen deine Werke. Die Jungfräulichkeit verdient es ja, daß man sie mit den Bienen vergleicht: so arbeitsam, so keusch, so enthaltsam ist sie. Von Tau nährt sich die Biene, fremd ist ihr Begattung, Honig bereitet sie. Auch der Jungfrau Tau ist Gottes Wort; denn wie Tau träufeln Gottes Worte nieder. Die Keuschheit der Jungfrau liegt in der unversehrten Natur. Der Kindersegen der Jungfrau ist die Frucht der Lippen, frei von Bitterkeit, voll von Süßigkeit. Gemeinsam ist die Arbeit, gemeinsam die Frucht.
§ 41
(Forts. v. 332 ) Wie gern sähe ich dich, meine Tochter, als Nachahmerin dieser kleinen Biene, die von der Blüte sich nährt, mit dem Munde ihre Brut aufliest, mit dem Munde sie sammelt!“ Ja diese ahme nach, du meine Tochter! Deine Worte sollen nimmer den Schleier der Arglist tragen, nimmer in das Gewand des Truges sich hüllen. Lautere Wahrheit sollen sie sein und voll Würde und Ernst.
§ 42
333 Auch soll dir eine ewig blühende Segensfrucht deiner Verdienste aus deinem Munde sprossen. Und nicht bloß für dich, sondern für viele andere sollst du sie sammeln — weißt du denn, wann deine Seele von dir zurückgefordert wird? —, auf daß du nicht getreidegefüllte Scheuerräume, die dir weder zum Lebensunterhalte noch zu Verdienst nützen würden, zurücklassen mußt, wenn du dorthin entrafft wirst, wohin du deinen Reichtum nicht mitnehmen kannst. So sei denn reich, doch für die Armen! Wie sie deine Natur teilen, so mögen sie auch deinen Besitz teilen!
§ 43
(Forts. v. 333 ) Noch will ich dir die Blume zeigen, aus der du die Frucht ziehen sollst, jene meine ich, die gesprochen: „Ich bin eine Blume des Feldes und eine Lilie des Talgrundes, wie eine Lilie mitten unter Dornen“. Damit ist klar angedeutet, daß der Tugenden Pfad vom Dorngestrüpp der Geister der Bosheit bedräut wird: niemand kann daher die Frucht pflücken, der nicht vorsichtig naht.