§ 105
1. Indessen zeichnet uns auch der Apostel Clemens in seinem Brief an die Korinther das Musterbild des Gnostikers, wenn er sagt:
2. „Denn wer, der für kurze Zeit als Gast bei euch weilte, hätte sich nicht von eurem vortrefflichen und unerschütterlichen Glauben überzeugt, eure verständige und gütige, in Christus begründete Frömmigkeit nicht bewundert, die großzügige Art eurer Gastfreundschaft nicht gerühmt und eure vollkommene und zuverlässige Erkenntnis nicht gepriesen? Denn ihr pflegtet alles zu tun, ohne nach Rang und Stand zu fragen, und wandeltet in Gottes Satzungen“ und, wie es weiter heißt.
3. Dann spricht er noch deutlicher: „Laßt uns gespannt auf die blicken, die seiner erhabenen Herrlichkeit in vollkommener Weise gedient haben! Laßt uns Enoch nehmen, der durch seinen Gehorsam als gerecht erfunden und von der Erde entrückt wurde, und Noah, der glaubte und so zur Zeit der Not erhalten wurde, und Abraham, der wegen seines Glaubens und seiner Gastfreundschaft Gottes Freund und 73 Isaaks Vater genannt wurde!
4. Wegen seiner Gastfreundschaft und seiner Frömmigkeit wurde Lot aus Sodoma gerettet, wegen ihres Glaubens und ihrer Gastfreundschaft wurde die Dirne Rahab gerettet. Wegen ihrer Geduld und ihres Glaubens gingen sie in Ziegenhäuten und Schaffellen und Geweben aus Kamelhaaren umher und predigten das Reich Christi, wir meinen die Propheten Elias und Elisa, Ezechiel und Johannes.“
§ 106
1. Denn Abraham, der wegen seines edlen Glaubens den Namen „Gottes Freund“ erhielt, wurde in seinem Sinn nicht hochmütig, sondern sagt voll Demut: „Ich aber bin nur Erde und Asche.“
2. „Und über Hiob steht so geschrieben: ‘Hiob aber war gerecht und untadelig, wahrhaftig und gottesfürchtig und mied alles Böse.’“
3. Dieser besiegte durch seine Geduld den Versucher; er zeugte und erhielt zugleich Zeugnis von Gott; dabei bleibt er demütigen Sinns und sagt: „Niemand ist rein von Schmutz, auch wenn sein Leben nur einen Tag währte.“
4. Moses, der „ein treuer Diener in seinem ganzen Hause“ war, sagte zu dem, der aus dem Dornbusch zu ihm redete: „Wer bin ich, daß du mich senden willst? Ich habe eine zu schwache Stimme und eine zu schwere Zunge“, um das Wort des Herrn mit einer Menschenzunge übermitteln zu können. Und wiederum: „Ich bin nur wie der Dampf, der vom Kochtopf aufsteigt.“ „Denn Gott tritt den Hoffärtigen entgegen, den Demütigen aber gibt er Gnade.“
§ 107
1. Dazu kommt noch David, von dem der Herr mit diesem Wort Zeugnis gibt: „‘Ich fand einen Mann nach 74 meinem Herzen, David, den Sohn des Jesse (Isai); mit heiligem Öl habe ich ihn gesalbt.’
2. Aber auch er sagt zu Gott: ’Erbarme dich meiner, o Gott, nach deiner großen Barmherzigkeit, und nach der Größe deines Erbarmens lösche aus meine Freveltat!
3. Wasche mich noch mehr rein von meiner Missetat und reinige mich von meiner Sünde! Denn ich erkenne meine Missetat, und meine Sünde steht immer vor mir.’“ 4. Dann fährt er fort, indem er mit der Demut eines Gnostikers auf die Sünde hinweist, die nicht unter das Gesetz fällt: „‘Gegen dich allein habe ich gesündigt und Böses vor dir getan.’
5. Denn die Schrift sagt an irgendeiner Stelle: ‘Der Geist des Herrn ist ein Licht, das das Innerste des Menschenherzens durchforscht.’“
6. Und ein je besserer Gnostiker jemand durch gerechtes Tun wird, desto näher ist ihm das Licht des Geistes.
7. So ist der Herr den Gerechten nahe, und „nichts von den Gedanken und Erwägungen, die wir hegen, bleibt ihm verborgen.“
8. Ich meine „den Herrn Jesus“, der nach dem Willen des Allmächtigen Aufseher über unser Herz ist. „Sein Blut wurde für uns geopfert.“
§ 108
1. „Laßt uns also unseren Vorstehern mit Achtung und Ehrfurcht begegnen, unsere Ältesten ehren und die Jugend in der Zucht Gottes erziehen!“
2. Denn selig ist, wer den Willen des Herrn, wie es sich gebührt, lehrt und tut; denn er beweist damit einen hochherzigen Sinn, der die Wahrheit zu schauen vermag.
3. „Unsere Frauen wollen wir zum Guten anhalten; sie sollen das liebenswerte Wesen der Keuschheit zeigen“, sagt er; „sie sollen ihren unverfälschten Willen zur Sanftmut beweisen; die Milde ihrer Zunge sollen sie durch Schweigen offenbar machen; ihre Liebe sollen sie nicht voreingenommen, sondern in frommer Gesinnung ganz gleichmäßig allen gewähren, die Gott fürchten!
4. Unsere Kinder sollen der Erziehung in Christus teilhaftig werden; sie sollen lernen, was demütige Gesinnung bei Gott vermag, was reine Liebe bei Gott ausrichten kann, wie die Furcht vor dem Herrn gut und 75 mächtig ist, da sie alle die errettet, die in ihm fromm und mit reinem Herzen wandeln.
5. Denn Erforscher der Sinne und Gedanken ist er; sein Odem ist in uns, und wann er will, kann er ihn wieder von uns nehmen.“
§ 109
1. “All dies aber macht der Glaube an Christus gewiß. ‘Kommt her, Kinder’, sagt der Herr, ‘hört auf mich!, ich will euch die Furcht des Herrn lehren. Wer ist der Mensch, der Leben begehrt, der gern gute Tage sehen will?’”
2. Dann bringt er noch das gnostische Geheimnis der Sieben- und der Achtzahl: “‘Bewahre deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, daß sie nicht Falschheit reden! Laß ab vom Bösen und tue Gutes, suche Frieden und jage ihm nach!’”
3. Denn dadurch weist er auf die Erkenntnis hin und lehrt, daß sie durch Enthaltung von Bösem und durch Vollführung von Gutem, durch Tun und Reden vollkommen werde. "’Die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten, und seine Ohren hören auf ihr Flehen. Das Angesicht des Herrn aber ist gegen die Übeltäter gekehrt um ihr Andenken vom Erdboden zu vertilgen.
§ 110
1. Wenn der Gerechte schreit, so hört ihn der Herr und errettet ihn aus allen seinen Nöten.’ ‘Zahlreich sind die Plagen der Sünder; aber die auf den Herrn hoffen, die wird Erbarmen umfangen.’" Er will damit sagen, daß der, der aufrichtig hofft, von der Fülle des Erbarmens werde umfangen werden.
2. Denn in dem Brief an die Korinther steht geschrieben: “Durch Jesus Christus wächst unser unverständiger und verfinsterter Sinn zum Licht empor. Durch ihn wollte der Herr uns die unsterbliche Erkenntnis kosten lassen.”
3. Und um noch ausdrücklicher auch die Eigenart der Erkenntnis zu kennzeichnen, fügte er hinzu: “Da uns also dies klar ist und wir einen Blick in die Tiefe der göttlichen Erkenntnis geworfen haben, müssen wir der Reihe nach alles tun, was uns der Herr zu vollführen befohlen hat, jedes zur festgesetzten Zeit.”
4. “Der Weise 76 soll also seine Weisheit nicht nur mit Worten, sondern auch mit guten Werken kund tun; der Demütige soll nicht sich selbst ein gutes Zeugnis ausstellen, sondern soll dies von anderen tun lassen. Wer von fleischlichen Sünden rein ist, soll deswegen nicht prahlen, sondern wissen, daß es ein anderer ist, der ihm die (Kraft zur) Enthaltsamkeit schenkt.”
5. “Sehet, Brüder, je größer die Erkenntnis ist, deren wir gewürdigt wurden, desto mehr sind wir der Gefahr ausgesetzt.”