§ 125
1. Das Bild einer ihren Mann in aller Ehrbarkeit liebenden Frau zeichnet Euripides zu Mahnung: „Alles muß für gut sie halten, was er sagt, ist’s auch verkehrt, Und sich bemühn zu sagen, was dem Gatten Freude macht.“
2. Und dann sagt er an einer anderen Stelle wieder Ähnliches: „Schön ist’s, wenn, so oft ihm’s schlecht geht, mit dem Gatten traurig ist Seine Gattin und sie treulich Anteil nimmt an Freud und Leid.“
3. Und um zu zeigen, wie sich ihre Sanftmut und Liebe auch im Unglück bewährt, fügt er hinzu: „Ich ertrag’ auch wenn du krank bist, willig, mit dir krank zu sein, Und dein Leid wird auch mein Leid sein, und nichts ist zu bitter mir.“ Denn mit denen, die man lieb hat, „muß man stets wie Glück Ebenso auch Unglück teilen; denn was wäre Liebe sonst?“
§ 126
1. Es wird ja auch die Ehe geheiligt, wenn sie dem Logos entsprechend vervollkommnet wird und wenn sich die Ehegatten Gott unterordnen und ihr Eheleben „mit aufrichtigem Herzen in voller Glaubenszuversicht führen, nachdem sie sich in ihrem Herzen von allem Schuldbewußtsein haben reinigen lassen und ihren Leib mit reinem Wasser gewaschen haben und das Bekenntnis der Hoffnung 86 festhalten; denn treu ist er, der die Verheißung gegeben hat.“
2. Das Glück einer Ehe darf aber weder nach dem Reichtum noch nach der Schönheit bemessen werden, sondern nach der Tugend.
3. „Keiner Frau“, sagt die Tragödie, „hat je die Schönheit in der Ehe Glück gebracht, Tugend aber nützte vielen; denn ein jedes gute Weib, Das den Ehebund geschlossen, weiß den rechten Weg zu gehn.“
4. Und dann gibt die Tragödie gleichsam gute Lehren und sagt: „Erstens hat der Satz zu gelten: Wenn der Mann auch häßlich ist, Muß er schön der Gattin scheinen, wenn sie nur Verstand besitzt; Denn das Auge darf nicht richten, sondern der Verstand allein“, und die folgenden Verse.
5. Denn ganz zutreffend sagte die Schrift, daß das Weib dem Mann von Gott zur „Gehilfin“ gegeben sei.
§ 127
1. Es ist also, meine ich, klar, daß sie sich vornehmen wird, jeden Verdruß, der ihr von seiten ihres Mannes bei der Führung des Haushalts widerfährt, durch freundliches und beschwichtigendes Reden wieder auszugleichen.
2. Wenn er aber nicht darauf hört, dann wird sie versuchen, soweit es der menschlichen Natur möglich ist, ein sündloses Leben zu führen, mag sie nun ihr Verständigsein im Sterben bewähren müssen oder in längerem Leben; dabei soll sie überzeugt sein, daß Gott ihr bei solchem Handeln Helfer und Gefährte ist, ihr wahrer „Beistand und Retter“ für die Gegenwart und für die Zukunft, den sie sich zum 87 Leiter und Anführer bei allem Tun erwählt hat; in Sittsamkeit und Gerechtigkeit aber sieht sie die eigentliche Aufgabe ihres Lebens, zum Ziel aber macht sie, Gott lieb zu werden.
§ 128
1. In feiner Weise sagt der Apostel in dem Brief an Titus: „Die alten Frauen sollen sich einer würdigen Haltung befleißen und nicht Freude am Verleumden haben, nicht dem übermäßigen Weintrinken ergeben sein, damit sie die jungen Frauen dazu anhalten können, ihre Männer und ihre Kinder zu lieben, züchtig, keusch, sorgfältig im Haushalt und gütig zu sein und sich ihren Männern unterzuordnen, damit das Wort Gottes nicht verlästert werde.“
2. „Vielmehr“, so sagt er, „trachtet nach Frieden mit jedermann und nach der Heiligung, ohne die niemand den Herrn schauen wird, und achtet darauf, daß keiner ein unzüchtiger und gemeiner Mensch sei wie Esau, der für ein einziges Gericht sein Erstgeburtsrecht verkaufte, und keine Wurzel voll Bitterkeit emporsprieße und Unheil verursache und viele durch sie befleckt würden.“
§ 129
1. Dann fügt er der Untersuchung über die Ehe gleichsam den Schlußstein ein, indem er fortfährt: „Die Ehe sei bei allen ehrbar und das Ehebett unbefleckt; denn Unzüchtige und Ehebrecher wird Gott richten.“
2. Da so die gleiche Aufgabe und das gleiche Ziel für Mann und Weib aufgezeigt ist, sagt Petrus in seinem Briefe, worin die Vollendung besteht:
3. „Wenn ihr auch jetzt noch eine kurze Zeit, so es sein soll, durch mancherlei Versuchungen Trübsal erleiden müßt, damit euer Glaube echt und viel kostbarer erfunden werde als das vergängliche Gold, das im Feuer erprobt ist, zu eurem Lobe und zu eurer Ehre bei der Offenbarung Jesu Christi.
4. Den ihr lieb habt, ohne ihn (von Angesicht) zu kennen, an den ihr, ohne ihn jetzt zu sehen, doch glaubt, wobei ihr mit unaussprechlicher und verklärter Freude frohlockt, weil ihr das Ziel eures Glaubens, die Rettung eurer Seelen, davontragt.“
5. Deshalb rühmt sich auch Paulus, daß er um Christi willen „in mühevollen Arbeiten im Übermaß, in Mißhandlungen überreichlich, in Todesgefahren gar oft“ gewesen sei.