Johannes Chrysostomus · Epistula ad Innocentium papam et ad Olympiadem · Buch 2 · Kapitel 12
574 Der Krankheit entronnen, die ich unterwegs zu bestehen hatte, deren Überreste ich auch mit nach Cäsarea gebracht habe, und schon wieder vollständig zur Gesundheit zurückgekehrt, schreibe ich an dich eben von Cäsarea aus. Hier ist es wieder besser mit mir geworden, Dank der sorgfältigen ärztlichen Behandlung. Ich habe nämlich hier vortreffliche und sehr berühmte Ärzte angetroffen, die mich mehr noch durch ihre Liebe und innige Theilnahme als durch ihre Geschicklichkeit kurirt haben. Einer von ihnen hat sogar versprochen, mit mir weiter zu reisen, wie auch mehrere andere von den angesehenern Beamten.
Ich schreibe dir nun recht oft, wie es mir geht, du aber schreibst selten, worüber ich mich auch früher schon beklagt habe. Und daran ist deine Nachlässigkeit schuld, nicht der Mangel an Überbringern für deine Briefe. Das magst du daraus ersehen, daß vor zwei Tagen mein Herr, der Bruder des gottseligen Bischofs Maximus, mir begegnete und auf meine Frage nach einem Briefe den Bescheid gab, Niemand habe ihm einen solchen übergeben wollen, auch selbst der Priester Tigrius habe seine deßfallsige Bitte abgeschlagen. Dafür bitte ich, wollest du ihm, der mich doch so aufrichtig und herzlich liebt, einen Verweis ertheilen, wie 575 auch allen Andern, die zur Umgebung des Bischofs Cyriakus gehören. Ihr sollt weder ihnen noch irgend einem Andern lästig fallen, um einen Wechsel meines Aufenthalts zu erwirken. Ich bin für ihre Liebe nicht unerkenntlich; vielleicht haben sie gewollt und nicht gekonnt. Ehre sei Gott für Alles! Das werde ich unaufhörlich sagen bei Allem, was mir widerfährt. Es sei so! sie haben nicht gekonnt — konnten sie auch nicht schreiben?
Sage herzlichen Dank (meinen Herrinen), den Schwestern meines hochgeschätzten Herrn Perganius, denn sie geben sich meinetwegen viele Mühe. Sie haben nämlich auch meinen Herrn, den Präfekt, mit dem er verschwägert ist, sehr günstig für mich gestimmt, so daß Dieser auch dringend wünscht, mich dort zu sehen. Du selbst aber benachrichtige mich recht oft über deine und unserer Freunde Gesundheit, und wegen meiner sei unbesorgt. Denn ich bin gesund und wohlgemuth und erhole mich recht gut bis auf den heutigen Tag. Ich wünsche zu erfahren, ob die Leute des Bischofs Cyriakus abgeschickt sind; Niemand hat mir darüber etwas Bestimmtes mitgetheilt. Auch Das laß mich wissen. Sage dem Bischof Cyriakus, daß ich ihm aus Betrübniß nicht geschrieben habe.