Daß Gott so viele Anfechtungen nach einander auf dich eindringen läßt, damit deine Siegeskrone noch herrlicher werde, und daß er dich so schnell davon befreit, damit du nicht unter den anhaltenden Leiden, die dir zusetzen, erliegest — das Eine wie das Andere ist seiner maßlosen Güte zuzuschreiben. So hat er auch die Lebensschicksale jener großen Männer, der Apostel und Propheten meine ich, geordnet, indem er bald die Fluthen sich hoch aufthürmen ließ bald dem Meere der Leiden gebot und den gewaltigen Orkan in heitere Ruhe verwandelte. So höre denn auf zu weinen und dich abzuhärmen, und schau nicht bloß auf die vielen, ja ununterbrochenen Verdrießlichkeiten, womit man dich quält, sondern auch auf die schnelle Erlösung von diesen beiden, und auf die unaussprechlich kostbaren Entschädigungen und Belohnungen, die dir dafür zu Theil werden. Denn all das Schmerzliche, das du erduldet hast, ist Spinngewebe, Schatten und Rauch und noch weniger als Das in Vergleich zu den Belohnungen, welche du dafür zu erwarten hast. Was will es bedeuten, aus der Stadt ausgewiesen werden, wandern von Ort zu Ort, allenthalben vertrieben, an Gütern geächtet, vor Gerichtshöfe geschleppt, von Soldaten umhergerissen werden, Böses erdulden von Solchen, denen du unzählige Wohlthaten erwiesen hast, gequält werden von Sklaven und von Freien, da der Himmel der Kampfpreis ist und jene ungetrübte Seligkeit, die nicht mit Worten zu beschreiben ist, die kein Ende hat und ewigen Genuß gewährt? Denke also nicht mehr an die Nachstellungen, Quälereien und Geldstrafen, an die beständigen Wanderungen und die Verbannung; Das alles tritt unter deine Füße — es ist weniger noch als Staub und Koth —; denke an Das, was es dir einbringt: an die Schätze im Himmel, den unerschöpflichen Gewinn, den unverlierbaren Reichthum.
596Aber — diese Mühen und Drangsale haben wohl deinem Körper übel mitgespielt, und die Verfolgungen der Feinde deine Krankheit verschlimmert? Da nennst du mir wieder die Quelle eines andern, eines unaussprechlich großen Gewinnes. Denn du weißt, du weißt sehr wohl, was es heissen will, eine Krankheit starkmüthig und mit Dank gegen Gott den Herrn ertragen. Das war es, wie ich schon oft gesagt habe, was dem Lazarus den Siegeskranz verschafft, was bei den Kämpfen des Job den Teufel beschämt und den standhaften Helden in glänzenderes Licht gestellt hat. Das hat mehr zu seinem Ruhme beigetragen als seine Liebe zur Armuth, seine Verachtung der irdischen Güter, jener plötzliche Verlust seiner Kinder und die vielen andern Angriffe des Teufels; und Das hat diesem bösen Geiste mir unwiderstehlicher Gewalt das Maul gestopft.
Das ist es also, was auch du ohne Unterlaß erwägen sollst, und dabei sei froh und wohlgemuth, daß du den größten Kampf durchkämpfst und die ärgste Anfechtung muthvoll erträgst. Preise dafür den gütigen Gott, der zwar mächtig genug ist, um Alles mit einem Male endgiltig abzuthun, der es aber zuläßt, damit dieser einträgliche Handel für dich noch glänzender wird. Daher lasse ich auch nicht ab, dich glücklich zu preisen.
Es hat mich gefreut, daß du dich der Händel und Streitigkeiten entschlagen und durch die Zahlung der Sache ein Ende gemacht hast. Du hast gethan, was sich für dich schickte, indem du das Geld nicht muthlos weggeworfen und auch andererseits nicht zu hartnäckig festgehalten hast, um dich nicht mit Prozessen und den Leiden, die sie im Gefolge haben, zu quälen. Du hast den richtigen Mittelweg eingeschlagen, hast dadurch die Freiheit errungen, die dir zukommt, hast Geduld, Starkmuth und Ausdauer und eine Klugheit bewährt, die durch keine Ränke zu tauschen ist.
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