Johannes Chrysostomus · Epistula ad Innocentium papam et ad Olympiadem · Buch 2 · Kapitel 11
573 Je mehr die Anfechtungen mich bedrängen, desto größerer Trost wird mir auch zu Theil werden, und desto bessere Hoffnungen hege ich in Betreff der Zukunft. Auch jetzt fahre ich ganz und gar mit dem Strom und mit günstigem Wind. Wer hat je so Etwas gesehen oder gehört? Verborgene Felsen und Klippen, Strudel und Wirbelwinde brechen mit Gewalt hervor; ringsum eine mondlose Nacht, tiefe Finsterniß, Abhänge und Sandbänke. Und indem ich durch ein solches Meer fahre, befinde ich mich um Nichts schlechter als die, welche sich im sichern Hafen schaukeln. Das bedenke auch du, meine fromme Herrin, und erhebe dich über diesen Lärm und diese Wirren; und erweise mir den Gefallen, mich über den Stand deiner Gesundheit zu benachrichtigen. Ich bin gesund und wohlgemuth. Denn meine Gesundheit ist sogar kräftiger geworden; die Luft, die ich einathme, ist rein; und die Beamten, die mit mir reisen, lassen es gar nicht zu, daß ich eines Dieners bedarf — so dienstfertig sind sie — indem sie selbst die Geschäfte eines Dieners besorgen. Sie machen sich aus Liebe zu mir über diese Arbeiten her. Von allen Seiten umgeben mich Trabanten, von denen sich Jeder ob dieses Dienstes glücklich schätzt. Eins ist, was mich betrübt: daß ich nämlich dich nicht auch guten Muthes sehe. Das theile mir mit, damit ich mich auch darüber freue, und damit ich meinem Herrn Perganius, meinem geliebtesten Sohn, großen Dank wisse. Und wenn du mir einen Brief zusenden willst, so thue es durch seine Vermittlung; er ist zuverlässig, ist mir sehr zugethan und zugleich ein großer Verehrer von dir und deiner Frömmigkeit.