Die im September 381 zu Aquileja zur Unterdrückung 320 der Arianer gehaltene Synode erließ vier Schreiben, ein Rundschreiben an alle Bischöfe des Abendlandes, in welchem sie denselben das über die zwei (arianischen) illyrischen Bischöfe, Palladius und Secundianus, und den Priester Attalus ausgesprochene Anathem und Absetzungserkenntniß mittheilte; ein ausführlicheres an die Kaiser Gratian, Valentinian ll. und Theodosius, welche sie von dem Geschehenen verständigte und bat, für die factische Absetzung der Verurtheilten, sowie für die Einsetzung orthodoxer Bischöfe an ihrer Statt den weltlichen Arm darzuleihen; auch solle dem Lehrer des Attalus, dem Julianus Valens alle weitere Störung des Kirchenfriedens und das Umherziehen in verschiedenen Städten unmöglich gemacht, endlich den Photinianern ihre Zusammenkünfte in Sirmium verboten werden. In dem dritten Briefe bat die Synode die Kaiser, namentlich den Kaiser Gratian, zu dessen Gebiet Rom gehörte, dem Gegenpapst Ursinus und seinen Verleumdungen gegen Damasus kein Gehör leihen zu wollen. In einem vierten gleichfalls an die Kaiser gerichteten Schreiben verwendete sie sich für Paulinus von Antiochien und Timotheus von Alerandrien und verlangte, die Kaiser sollten ein großes Concil zu Alexandrien veranstalten, um die unter den Orthodoxen selbst vorhandenen Streitigkeiten zu entscheiden. Von diesen vier Briefen ist der dritte, weil die Person des Damasus betreffend, hier aufgenommen.
Es ist zwar, gnädigste Herrscher, durch die Verordnungen 321 euerer Friedfertigkeitvorgesorgt, daß die arianische Gottlosigkeit nicht ferner mehr im Geheimen fortschleichen kann. Denn wir glauben keineswegs, daß die Beschlüsse des Concils erfolglos bleiben werden. Im Abendlande nemlich fanden sich nur Zwei, welche dem Concil mit ihren frechen und gottlosen Reden entgegenzutreten wagten und kaum einen Winkel von Dacia Ripensiszu beunruhigen pflegten.
§ 2
Ein Anderes ist es, was uns vielmehr ängstigt, worüber wir bei unserer Versammlung ordnungsmäßig verhandeln mußten, daß es nicht den gesammten über den ganzen Erdkreis ausgebreiteten Körper der Kirche und Alles verwirre. Denn obwohl wir häufig erfuhren, daß es Ursinus unmöglich war, sich bei euerer Frömmigkeit einzuschleichen, obwohl er Nichts in Ruhe läßt und selbst während so vieler Kriegsgefahren sich vorzudrängen nicht absteht, so glauben wir doch mit euerer gnädigen Erlaubniß, euch bitten und beschwören zu müssen, daß euer heiliger und friedliebender Geist in seiner allumfassenden Sorge sich nicht durch eine erheuchelte Schmeichelei jenes ungestümen Menschen beugen lasse, da wir nicht nur Künftiges verhüten wollen, sondern auch das schon Vergangene und seine schon verübten Frevel verabscheuen; denn wenn dieser irgend einen Vorschub erhielte, was würde er nicht in Aufregung bringen? Doch wenn euch das Mitleid mit Einem beugen kann,so möge noch viel mehr die Bitte aller Priester euch rühren. Denn wer von uns wird mit ihm Ge- 322 meinschaft halten, da er sich eine ihm nicht gebührende Würde anzumaßen versuchte und rechtmäßiger Weise nicht dazu gelangen konnte, und welche er, da er sie ungestüm anstrebte, mit noch viel größerem Ungestüm wieder zu erlangen sich bemüht?
§ 3
Obwohl so oft schon seiner Unruhestiftungen wegen verurtheilt, geht er dennoch einher, als ob er durch sein bisheriges Verhalten nicht ein Gegenstand des Abscheues wäre. Ja, wie wir sehr Viele auf diesem Concil erfuhren und sahen, war er mit den Arianern zu jener Zeit in Verbindung und Gemeinschaft, als diese die Kirche von Mailand durch eine ruchlose Versammlung in Verwirrung zu bringen trachteten, indem er mit Valens bald vor den Thoren der Synagoge, bald in den Häusern der Arianer geheime Pläne schmiedete und seine Anhänger ihnen zugesellte, ihnen auch, weil er offen in ihrer Versammlung nicht auftreten konnte, Rathschläge und Anweisungen gab, wie der kirchliche Friede gestört werden könne; durch dieses Wüthen hoffte er, sich Gönner und Genossen zu erwerben.
§ 4
Da es also geschrieben steht: „Einen häretischen Menschen meide nach einer einmaligen Zurechtweisung," und da auch ein anderer im heiligen Geiste redender Mann erklärte,man müsse solche wilde Thiere meiden, dürfe sie nicht grüßen und sich ihnen nicht anschließen, wie wäre es möglich, daß nur Einen, welchen wir in der Gemeinschaft Jenerfinden, nicht auch für einen Vertheidiger ihres Unglaubens halten sollten? Aber wenn Dieß auch nicht so wäre, so mußten wir doch euere Gnade beschwören, daß sie nicht das Haupt des ganzen römischen Erdkreises, die römische Kirche und jenen hochheiligen Glauben der Apostel beunruhigen lasse; denn von da aus ergießen sich an Alle 323 die Rechte der verehrungswürdigen Gemeinschaft. Und deßhalb bitten wir inständigst, daß ihr ihm alle Gelegenheit, sich einzuschleichen, zu nehmen geruht.
§ 5
Wir kennen die heilige Scheu euerer Gnade. (Darum) möge er nicht euer Ohr mit Unwürdigem verletzen, nicht mit dem Amte und der Würde Unverträgliches einreden, nicht Unanständiges euch vorbringen; euere Gnade geruhe sich zu erinnern, welches Zeugniß ihm seine eigenen Bürger ausstellten, da er doch auch von denen, die draussen sind, ein (gutes) Zeugniß haben sollte. Denn man schämt sich zu sagen, es verletzt die Ehrfurcht, zu erwähnen, welch’ schändlicher Ruf ihn gebrandmarkt hat. Durch diese Schmach getroffen, hätte er wenigstens schweigen sollen, und würde er einigermaßen das Gewissen eines Priesters haben, so würde er den Frieden und die Eintracht der Kirche mehr ersehnen als die Befriedigung seines Ehrgeizes. Aber von aller Scham weit entfernt säet er durch sein von einem rohen Menschen Paschasius, einem Fahnenträger seiner Wuth, überbrachtes Schreiben Unfriede und sucht Heiden und alle möglichen verruchten Leute aufzuhetzen. Wir bitten also, daß ihr bald dem römischen Volke, welches nach dem Berichte des Stadtpräfecten in Ungewißheit schwebt, und uns Priestern durch die Abweisung jenes so Unverschämten die versagte Sicherheit gewähren möget, nach deren Erlangung wir bei Gott, dem allmächtigen Vater, und Christus, dem Herrn, seinem Sohn unaufhörlich Dank sagen wollen. 324