Es ist dieß der 70.Brief des hl. Basilius und jedenfalls; wenn auch mit „ohne Überschrift, über die Synode" bezeichnet, an Damasus gerichtet, wie aus seinem 69. (52.) Briefe an Athanasius hervorgeht, in welchem Basilius berichtet, daß er an den römischen Bischof um tüchtige Gesandte geschrieben habe, welche die gestörte Ordnung im Oriente wieder herstellen sollen. Der Brief ist nach Tillemont und Coustant im J. 371 geschrieben und wahrscheinlich durch Dorotheus, welcher unter Meletius Diakon in Antiochien war, übersendet. Wir müssen aber schon hier 271 bemerken, daß die Zeitfolge der unter Damasus gehaltenen Synoden und in Folge dessen die Zeitangabe seiner Briefe sehr zweifelhaft ist; eine kurze Zusammenstellung der verschiedenen Zeitangaben ist bei Fuchs; wir folgen hier nach Walchund Hefele den Untersuchungen Merenda’sin seinem Werke über Damasus. Warum dieser Brief, der auch nach Merenda dem J. 371 angebört, vor dem nächstfolgenden, auf der ersten Synode des P. Damasus vom J. 369 abgefaßten Schreiben gesetzt ist, wird sich unten zeigen.
Die alte Liebe wieder in ihre Rechte einzusetzen und den Frieden der Väter, jenes himmlische und heilbringende Geschenk Christi, das durch die Zeit verringert worden ist, zu erneuern, wird uns zwar nothwendig und nützlich, deiner Christus liebenden Seele aber, ich weiß es wohl, angenehm erscheinen. Was könnte auch erfreulicher sein, als die durch so weite Entfernung Getrennten in der durch die Liebe (geschaffenen) Vereinigung zur Harmonie der Glieder am Leibe Christi verbunden zu sehen? Fast der ganze Orient, theuerster Vater, — Orient nenne ich das (Ganze) von Illyrien bis nach Ägypten — ist durch einen großen Sturm und eine (gewaltige) Bewegung erschüttert, da die einst von Arius, dem Feinde der Wahrheit, gepflanzte Häresie jetzt in schamloser Weise auftritt, einer bitteren Wurzel gleich Verderb- 272 liche Frucht bringt und (alles) Übrige überwuchert; den die, welche in jeder Parochie die wahre Lehre vertheidigen, werden durch Schmähung und Unbilden von ihren Kirchen vertrieben; Solchen aber, welche die Seelen Unerfahrener gefangen nehmen, wird die Macht überantwortet. Hiefür erkannten wir als einzige Befreiung euer uns mitleidsvoll zugewandtes Auge. Immer hat in vergangenen Zeiten die wunderbare (Kraft) euerer Liebe unsere Seelen erquickt und sind wir durch die Freudenbotschaft, daß ihr auf uns euer Augenmerk richten werdet, in Etwas ermuthigt worden.
Da wir aber dieser Hoffnung beraubt und nicht mehr im Stande sind, es zu ertragen, nahmen wir unsere Zuflucht zur schriftlichen Aufforderung, daß ihr zu unserer Unterstützung euch erheben und einige Glejchgesinnte abschicken möget, welche entweder die Uneinigen vereinigen oder die Kirchen zur Freundschaft Gottes zurückführen oder wenigstens die Urheber der Verwirrung euch anzeigen, damit auch ihr fernerhin wisset, mit welchen ihr Gemeinschaft halten sollet.
Wir verlangen aber hiemit nichts Neues, sondern was schon von jeher bei den übrigen seligen und gottliebenden Männern und besonders bei euch Sitte war. Denn wir wissen aus der ununterbrochenen Überlieferung der von uns befragten Väter und durch die auch jetzt noch bei uns aufbewahrten Schreiben belehrt, daß jener selige Dionysius, welcher als Bischof bei euch durch seine Rechtgläubigkeit und seine übrigen Tugenden leuchtete, unsere Kirche von Cäsarea durch sein Schreiben heimgesucht und durch Schreiben unsere Väter getröstet und Einige gesandt habe, welche unsere Brüder aus der Gefangenschaft befreiten. 273
In unserer jetzigen traurigeren und schwierigeren Lage bedürfen wir aber auch einer größeren Sorgfalt; denn wir trauern nicht um die Zerstörung irdischer Häuser, sondern um den Verlust der Kirchen; auch sehen wir keine leibliche Knechtschaft, sondern eine Gefangennehmung der Seelen, welche täglich von den Vorkämpfern der Irrlehre vollbracht wird. Wenn ihr euch daher nicht allsogleich zu unserer Rettung erhebt, so werdet ihr in kurzer Zeit Niemand mehr finden, dem ihr die Hand reichen könnet, da Alles der Herrschaft der Irrlehre unterworfen ist.