Mit welch’ großem Verlangen Damasus die Schriften des Hieronymus lese, warum ihm die des Lactantius nicht so zusagen; er möge die fünf beigefügten Fragen kurz beantworten.
Dem geliebtesten Sohne Hieronymus (sendet seinen Gruß) Damasus.
1. Da du schläfst und schon langezeit viel mehr liesest als schreibst, beschloß ich dich durch Übersendung einiger kleiner Fragen aufzurütteln; nicht als ob du nicht lesen solltest, denn dadurch nährt sich, wie durch die tägliche 344 Speise, und gedeiht das Gebet, sondern damit die Frucht der Lectüre die sei, daß du schreibst. Weil du daher dem gestern zu mir zurückgesandten Briefboten gesagt, daß du nun keine Briefe mehr hättest, die ausgenommen, welche du einst in der Wüste dictirt hattest, und welche ich mit voller Begierde las und abschrieb, du überdieß versprochen hast, du könnest, wenn ich wolle, auch in heimlicher Nachtstunde einige dictiren, so nehme ich gerne das von dir an, was du mir anträgst, und um was ich dich auch dann bitten wollte, wenn du es mir versagt hättest. Nun glaube ich aber, daß kein Stoff unserer Unterredung würdiger sei, als wenn wir mit einander über die (hl.) Schriften disputiren, d. i. daß ich frage, du antwortest. Nichts kann, wie ich glaube, angenehmer sein, als solch’ ein Leben auf dieser Welt, wo die Seele durch eine Nahrung, süßer als aller Honig, gespeist wird. „Wie süß,„ sagt der Prophet, „sind deine Worte meinem Gaumen, sie sind süßer meinem Munde als Honig!“ Denn da, wie ein berühmter Redner sagt, wir Menschen uns dadurch von den Thieren unterscheiden, daß wir reden können, welches Lobes ist der würdig, welcher Alle in dem übertrifft, wodurch die Menschen vor den Thieren ausgezeichnet sind?
2. Mach’ dich also rüstig an’s Werk und erkläre mir die unten angefügten Puncte; halte Maß nach beiden Seiten, so daß weder die vorgelegten Fragen an ihrer Lösung Etwas zu wünschen übrig lassen noch der Brief an Kürze. Denn ich gestehe dir: die Bücher des Lactantius, welche du mir schon vor Langem gegeben hast, lese ich deßhalb nicht gerne, weil die meisten seiner Briefe bis zu 1000 Zeilen lang sind und selten von unserem Glauben handeln, wodurch es geschieht, daß dem Leser die Länge Überdruß verursacht und, wenn Etwas kurz ist, es mehr für Schul- 345 männer paßt als für uns, weil es über das Metrum, die Lage der Gegenden und Philosophen handelt.
I. Was bedeutet die Stelle in der Genesis: „Jeder, welcher den Cain tödtet, soll es siebenfach büßen?„
Wenn Gott Alles sehr gut gemacht hat, warum gab er Noe Befehl über reine und unreine Thiere, da doch Unreines nicht gut sein kann? und im neuen Testamente dem Petrus, welcher nach der ihm gewordenen Vision sagte: „Herr! das sei ferne von mir; denn niemals kam Gemeines und Unreines in meinen Mund,“ eine Stimme vom Himmel antwortete: „Was Gott gereinigt hat, das sollst du nicht gemein nennen?„
Warum sagt Gott zu Abraham, daß die Söhne Israel in der vierten Generation aus Ägypten zurückkehren würden, und schreibt nachher Moyses: „Jn der fünften Generation aber zogen die Söhne Israels aus dem Lande Ägypten?“ was jedenfalls, wenn es nicht erklärt wird, sich zu widersprechen scheint.
Warum erhielt Abraham das Zeichen seines Glaubens in der Beschneidung?
V. Warum gab Isaac, der gerechte und von Gott geliebte Mann, seinen Segen nicht dem, welchem er wollte, sondern dem er nicht wollte, weil er getäuscht wurde?