Dem Wunsche der oben erwähnten Synode von Aquileja gemäß berief Kaiser Theodosius die Bischöfe seines Reiches bald nach Beendigung des zweiten allgemeinen Concils zu einer neuen Synode, jedoch nicht nach Alexandrien, wie die Synode von Aquileja gebeten, sondern nach Constantinopel. Daselbst versammelten sich im Anfange des Sommers 382 fast ganz dieselben Bischöfe, die dem zweiten allgemeinen Concil angewohnt hatten. In Constantinopel angekommen erhielten sie ein Schreiben der bald nach der aquilejensischen zu Mailand gehaltenen Synode, wodurch sie zu einem großen allgemeinen Concil nach Rom eingeladen wurden. Sie giengen jedoch nicht nach Rom, schickten aber zur Versicherung ihrer Freundschaft und Glaubensgemeinschaft drei Bischöfe aus ihrer Mitte mit dem hier folgenden, uns von Theodoretuserhaltenen Synodalschreiben an Papst Damasus und die in Rom zu einem Concil versammelten Bischöfe, welches von Vielen irriger Weise der um ein Jahr früheren Synode von Constantinopel, d. i. dem zweiten allgemeinen Concil, zugeschrieben wurde.
Den geehrtesten Herren und gottesfürchtigsten Brüdern und Mitdienern Damasus, Ambrosius, Britto,Valerian, Ascholius, Anemius, 325 Basiliusund den übrigen heiligen in der grossen Stadt Rom versammelten Bischöfen (entbietet) die heilige Synode der orthodoxen in Constantinopel versammelten Bischöfe Gruß im Herrn.
Es dürfte wohl überflüssig sein, euere Gottesfürchtigkeit, als wäre sie unwissend, zu belehren und bekannt zu machen mit den zahllosen Leiden, welche uns von der Macht der Ariomaniten zugefügt wurden. Denn wir glauben weder, daß euere Frömmigkeit unsere Angelegenheiten so gering achte, daß sie das erst kennen lernen müsse, worüber sie Mitleid fühlen mußte, noch daß die uns umgebenden Stürme derart waren, daß sie wegen ihrer Geringfügigkeit verborgen blieben; Dieß um so mehr, da auch die Neuheit der Zeit, welche die Verfolgungen brachte, das Andenken daran noch frisch erhält nicht nur bei Denjenigen, welche sie ertragen, sondern auch bei denen, welche durch die Liebe das Loos der Leidenden zu dem eigenen machten. Denn gestern erst und vorgestern sind, so zu sagen, die Einen aus der Verbannung unter zahllosen Drangsalen zu ihren Kirchen zurückgekehrt; von Anderen, die in der Verbannung ihr Leben beschlossen, wurden die Reliquien herbeigeführt; Andere wieder mußten auch nach der Rückkehr aus der Verbannung, da sie der noch tobenden Wuth der Häretiker in die Hände fielen, zu Hause mehr Bitterkeit ertragen als in der Fremde, indem sie, wie der hl. Stephanus, von Jenen gesteinigt wurden; Andere tragen durch verschiedene Mißhandlungen 326 zerfleischt die Wundmale Christi und die Striemen an ihren Körpern herum. Wer aber könnte den Verlust der Güter, die Gelderpressungen von den Städten, die Achtserklärungen, geheimen Nachstellungen, Beschimpfungen und Gefangennehmungen einzeln aufzählen? Denn wahrlich alle Trübsale sind über uns im Übermaße vervielfältigt worden, sei es nun zur Strafe für unsere Sünden, sei es, daß uns der gütige Gott durch die Fülle der Leiden prüfte. Hiefür aber sei Gott Dank gesagt, der seine Diener sowohl durch so viele und große Leiden heranbildete, als auch uns nach der Größe seiner Erbarmungen wieder zu Trost und Linderung führte.
Wir aber bedürfen einer langen Ruhe und viel Zeit und Arbeit zur Wiederherstellung der Kirchen, damit wir wie nach einer langen Krankheit durch eine sorgfältige Pflege den Leib der Kirche heilen und zur alten Gesundheit der Gottesfurcht zurückführen. Denn sind wir zwar größtentheils von den Verfolgungen befreit und haben wir auch die lange Zeit von den Häretikern besetzten Kirchen wieder vollständig zurückerlangt, so belästigen uns dennoch die Wölfe, welche auch nach der Vertreibung aus den Schafställen die Heerden in den Waldschluchten zerreissen, Gegenversammlung zu halten sich erfrechen, Volksaufwieglungen anzetteln und Nichts unversucht lassen, was den Kirchen Schaden verursachen könnte. Deßhalb brauchen wir, wie schon gesagt, längere Zeit, um uns damit zu beschäftigen.
Da ihr nun in euerer brüderlichen Liebe gegen uns zu 327 der Synode, welche ihr nach Gottes Rathschluß in Rom versammelt, durch das Schreiben des gottseligsten Kaisers auch uns gleichsam als (euere) eigenen Glieder eingeladen habt, damit, nachdem wir früher allein zum Leiden verurtheilt waren, jetzt, wo die Kaiser in der Angelegenheit der Religion übereinstimme,. ihr nicht ohne uns herrschet, sondern nach dem Worte des Apostelsauch wir mit euch herrschen: hätten wir allerdings gewünscht, wenn es möglich wäre, daß wir alle zusammen unsere Kirchen verlassen und dem Wunsche oder der Nothwendigkeit entsprechen könnten; denn „wer wird uns Flügel geben wie einer Taube, daß wir fliegen und ruhen bei euch?"Allein weil Dieß die Kirchen, welche sich gerade erst zu erholen anfangen, gänzlich entblößen würde und den Meisten es geradezu unmöglich wäre; (denn wir hatten uns nach Constantinopel versammelt gemäß des von euerer Ehrwürdigkeit nach dem Concil zu Aquileja an den gottseligsten Kaiser Theodosius geschickten Schreibens, nur zu dieser Reise nach Constantinopel sind wir vorbereitet, nur zu dieser einen Synode haben wir die Zustimmung unserer Provincialbischöfe, da wir von der Nothwendigkeit, eine weitere Reise machen zu müssen, keine Ahnung hatten und hievon vor unserer Ankunft in Constantinopel gar Nichts hörten; die Kürze des vorgesteckten Termines würde auch zu den Vorbereitungen für eine längere Reise, sowie zur Aufforderung an alle in den verschiedenen Provinzen vertheilten Bischöfe unserer Gemeinschaft und zur Einholung ihrer Zustimmung nicht hinreichen;) da Dieß und noch vieles Andere die Meisten an der Abreise verhinderte, so erfüllten wir, was das Zweite war, um sowohl die Angelegenheiten in Ordnung zu bringen 328 als auch unsere Liebe zu euch zu beweisen, und baten unsere hochwürdigsten und geehrtesten Brüder und Mitdiener, die Bischöfe Cyriacus, Eusebius und Priscianus, sich der Reise zu euch zu unterziehen; durch diese also beweisen wir unsere friedfertige Gesinnung und unser Verlangen nach Eintracht und offenbaren unseren Eifer für den gesunden Glauben.
Denn wir haben Alles, was wir erduldet baben, Verfolgungen, kaiserliche Drohungen, Grausamkeiten der Obrigkeiten und alle Versuchungen der Häretiker, ertragen für den evangelischen Glauben, welcher zu Nicäa in Bithynien von den 318 Vätern bekräftiget worden ist. Diesen müßt ihr und wir und Alle, welche das Wort des wahren Glaubens nicht verkehren wollen, annehmen, welchen wir mit Mühe (bewahren) als den ältesten und mit der hl. Taufe zusammenhängenden; er lehret uns zu glauben an den Namen des Vaters, des Sobnes und des heiligen Geistes, folglich an die eine und selbe Gottheit und Macht und Wesenheit des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, die gleiche Würde und die gleich ewige Herrschaft in drei absolut vollkommenen Hypostasen oder drei vollkommenen Personen, so zwar, daß weder, die Häresie des 329 Sabellius Platz greifen kann, wornach die Hypostasen vermischt d. i. die Eigenthümlichkeiten aufgehoben werden, noch die Blasphemie der Eunomianer und Arianer und Pneumatomachen Recht behält, welche das Wesen oder die Natur oder die Gottheit spaltet und der unerschaffenen, wesensgleichen und gleichewigen Trias eine später geborene oder geschaffene oder fremdartige Natur hinzufügen will. Auch die Lehre von der Menschwerdung des Herrn bewahren wir unverändert, annehmend, daß die Ökonomie des Fleisches weder seelenlos noch verstandlos oder unvollkommen sei, erkennend den von Ewigkeit vollkommenen Logos Gottes und den um unseres Heiles willen in den letzten Zeiten gewordenen vollkommenen Menschen. Das ist gleichsam der Inbegriff des von uns stets verkündeten Glaubens; wünschet ihr hierüber Ausführlicheres, so könnet ihr befriedigt werden, wenn ihr den auf der Synode zu Antiochia gefertigten Tomus und den im Vorjahre zu Constantinopel von der Generalsynode erlassenen lesen wollet, in welchen 330 Wir unseren Glauben weitläufiger auseinandergesetzt und gegen die neu entstandenen Häresien das Anathem ausgesprochen haben.
Bezüglich der Verwaltung der Kirchen im Einzelnen hat, wie ihr wohl wisset, die alte Vorschrift und die Regel der in Nicäa versammelten heiligen Väter Geltung, daß in den einzelnen Provinzen die Bischöfe jener Provinz und, so es ihnen gutdünkt, zugleich mit ihnen die benachbarten die Ordinationen vornehmen, wie es ihnen nützlich erscheint. Nach der Vorschrift dieser Gesetze wurden, wie ihr wissen möget, sowohl die übrigen Kirchen von uns verwaltet als auch die Bischöfe der vorzüglichsten Kirchen erwählt. Deßhalb haben wir für die, so zu sagen, neu gegründete Kirche in Constantinopel, welche wir der Gottlosigkeit der Häretiker, wie einem Löwenrachen, durch Gottes Erbarmung 331 jüngst entrissen haben, den hochwürdigsten und gottesfürchtigsten Nectariuszum Bischöfe ordinirt auf der Generalsynode, durch allgemeine Übereinstimmung in Gegenwart des gottesfürchtigsten Kaisers Tbeodosius, unter Zustimmung des ganzen Klerus und der gesammten Stadt. Für die älteste und wahrhaft apostolische Kirche zu Antiochien, aber, wo zuerst der ehrwürdige Name der Christen gehört wurde, haben die versammelten Bischöfe jener Provinz sowie die der orientalischen den hochwürdigsten und gottesfürchtigsten Flavianus ordnungsmäßig zum Bischöfe ordinirt, da die ganze Kirche zustimmte und wie aus einem Munde jenem Manne Lob zuerkannte; diese gesetzmäßige Ordination hat auch die allgemeine Synode angenommen. Für die Mutter aller Kirchen, die Kirche in Jerusalem nemlich. erkennen wir den hochwürdigsten und gottesfürchtigsten Cyrillus als Bischof an, welcher schön längst von (den Bischöfen) der Provinz rechtmäßig ordinirt worden und an verschiedenen Orten gegen die Arianer gekämpft hat.
Diesen, bitten wir, möge als gesetzlich und rechtmäßig . 332 eingesetzten (Bischöfen) auch euere Ehrwürdigkeit ihre Glückwünsche darbringen, unter Vermittlung der geistigen Liebe, da die Furcht Gottes alle menschliche Leidenschaft unterdrückt und die Erbauung der Kirchen dem privaten Wohlwollen oder der Gunst gegen Einzelne vorzieht. Auf diese Weise, wenn das Wort des Glaubens in allgemeiner Übereinstimmung gekräftiget und die christliche Liebe unter uns gefestiget sein wird, werden wir aufhören zu sagen, was der Apostel verurtheilt hat: „Ich bin des Paulus, ich aber des Apollo, ich aber des Kephas;" sondern, da wir Alle Christi sein werden, welcher in uns nicht getheilt ist, werden wir mit Gottes Hilfe den Leib der Kirche ohne alle Spaltung unversehrt erhalten und vor dem Richterstuhle Gottes mit Zuversicht erscheinen.