Es ist dieß einer von jenen Briefen, welche Damasus nach dem Zeugnisse des Papstes Nicolaus I. an verschiedene Kirchen geschrieben, um die Absetzung des rechtswidrig zum Bischofe von Constantinopel eingesetzten Maximus zu betreiben; er wurde zuerst von Holstein unter den Acten der 314 dritten vom Papste Bonifacius II. am Ende des J. 531 gehaltenen Synode, auf welcher er und das folgende Schreiben vorgelesen wurde, publicirt.Maximus stammte aus Alexandrien und wußte sich durch eine erheuchelte Glaubenstreue und Frömmigkeit die Freundschaft und Achtung des hl. Gregor von Nazianz, mit dem er fast gleichzeitig nach Constantinopel kam, zu erwerben; bald aber erkannte ihn Gregor als einen Ränkemacher und Lügner, der, von einer Partei Constantinopels und von dem Patriarchen Petrus von Alexandrien unterstützt, Bischof von Constantinopel zu werden trachtete und sich auch wirklich von drei ägyptischen, unter verschiedenen Vorwänden nach Constantinopel gekommenen Bischöfen insgeheim dazu weihen ließ: seine Ordination wurde auch vom Concil zu Constantinopel im J. 381 als ungiltig verworfenUnser Schreiben aber gehört dem J. 380 an.
Den geliebtesten Brüdern Acholius,Eurydicus, Severus, Uranius, Philippus undJohannes (enthietet) Damasus (seinen Gruß).
Nachdem ich das Schreiben euerer Liebe, theuerste Brü- 315 der, durchgelesen hatte, wurde ich gar sehr darüber betrübt, daß zur selben Zeit. wo durch Gottes Gnade die Häretiker als ehrlos erklärt wurden, einige aus Ägypten Kommende ohne Berufung gegen die Vorschrift der kirchlichen Ordnung einen unserem Glauben Fremden, einen Cyniker, in Constantinopel zum Priesterthume bestellen wollten. Was das für eine Begeisterung gewesen, wie schnöde die Anmaßung, können wir nicht wissen. Daraus ist ersichtlich, daß unruhige Menschen in ihren mannigfaltigen Anmaßungen nicht wissen, was sie thun sollen. Sie haben nicht gelesen, daß der Apostel schreibt: „Wenn ein Mann ein langes Haar trägt, gereicht es ihm zur Unehre.„ Sie wußten nicht, daß die Tracht der Philosophen mit der christlichen Kleidung nicht vereinbar sei. Sie hörten nicht auf die Mahnung des Apostels,daß man sich nicht durch Philosophie und eitlen Trug des lange bewahrten Glaubens berauben lassen solle. Ich kann mir also die Eile nicht erklären, mit welcher, da den Christen diese Tracht mißfiel, das Ganze gegen alle Gewohnheit vollzogen wurde, was (überhaupt) nicht geschehen sollte. Aber wie hätten die so leichtfertigen Menschen in ihrem Frevel anders handeln sollen. als daß sie nach der Vertreibung aus der Kirche den ehrsüchtigen und ruhelosen Menschen, wie man hört, in ungehörigen Räumen ordinirten?Hier nun zeigen sich 316 die Pläne des Feindes, welcher den Häretikern Stoff zu Verleumdungen bietet; (hier) erfüllte sich das evangelische Wort: „Eine jegliche Pflanzung, die nicht mein himmlischer Vater gepflanzt hat, wird ausgerottet werden.“ Deßhalb ermahnte ich so oft euere Liebe, daß Nichts unüberlegt geschehe. Weiß euere Treue nicht, daß in weltlichen Kriegen dort die Sorgfalt der Soldaten sich vergrößert, wo der Feind droht? Wenn wir also mit der bischöflichen Rüstung immerdar Widerstand leisten müssen, so ist es unsere Pflicht, mit aller Sorgfalt zu handeln, damit wir nicht, was Gott verhüten möge, die Heerde Christi den reissenden Wölfen überlassen. Die Philosophie, welche der Weltweisheit befreundet ist, ist eine Feindin des Glaubens, wie ein Gift der Hoffnung und im schwersten Kampfe gegen die Liebe. Wie also stimmt der Tempel Gottes mit den Götzen überein? Welche Gemeinschaft hat Christus mit Belial?“
Aber vielleicht würden Einige sagen: Er war ein Christ.Allein diesem Menschen, der im Gewande eines Götzen einherging, darf man nie den Namen eines Christen beilegen, da es unmöglich ist, daß der, welcher dadurch den Heiden zu gefallen sucht, mit uns irgend einen Antheil am wahren Glauben haben kann. Nicht mit Unrecht wurden die, welche von Ägypten gekommen waren, von Allen 317 getadelt und giengen unter Verurtheilung ihres Irrthums hinweg, so daß der unrechtmäßig Ordinirte, nachdem ihm später die Haare abgeschnitten wurden, sowohl den Verlust an seinem Kopfezu tragen hatte als auch das, wonach er strebte, nicht sein konnte. Mit Recht also wurde, was schlecht angefangen war, durch die öffentliche Auctoritätzu nichte gemacht.
Im Übrigen ermahne ich euere Heiligkeit, daß, weil ich hörte, es seien für ein zu Constantinopel zu haltendes ConcilVorbereitungen getroffen, euere Treue sich bemühe, wie für die genannte Stadt ein Bischof gewählt werde, der tadellos sei, damit, wenn unter Gottes Beistand der vollständige Friede unter den katholischen Bischöfen bekräftigt sein wird, keine Zwistigkeiten fernerhin in der Kirche ent- 318 stehen, auf daß mit Gottes Hilfe, wie wir es schon lange ersehnten, unter den katholischen Priestern ein dauernder Friede bestehen könne.
Auch das bringe ich noch euerer Liebe in Erinnerung, daß ihr es nicht duldet, daß Jemand gegen die Anordnungen unserer Vorfahren von einer Stadt zu einer anderen versetzt werde, die ihm anvertraute Gemeinde verlasse und zu einer andern aus Ehrsucht übergehe. Denn so entstehen Streitigkeiten, so bilden sich arge Schismen, da sowohl die, welche ihren Bischof verloren haben, nicht ohne Schmerz sein können, als auch die, welche den Bischof einer anderen Stadt erhalten haben, wenn sie sich auch freuen, es dennoch erkennen, daß es ihnen verhaßt sein werde, unter einem fremden Bischöfe zu leben.