Den ersten Theil (cap. 1.) des hier folgenden Stückes hat Lucas Holsteinzuerst edirt, einen anderen Theil (cap.3.) Baronius;aber in seinem ganzen Umfange wurde das 337 fragliche Synodaldecret. welches die drei ersten Theiledes sogenannten gelasianischen Decretes de libris recipiendis umfaßt, zuerst von Dr. Thiel und Dr. Friedrich edirt und dem Papste Damasus vindicirt; nach deren umfassenden Untersuchungen bildet dasselbe die Basis jenes Decretes, welches im Laufe der Zeit von verschiedenen Päpsten, namentlich von Gelasius I. (492—496) und Hormisdas (514—523), vermehrt wurde, woraus es sich erklärt, daß es bald unter dem Namen dieses, bald jenes Papstes erscheint. Da wir bei den Briefen der zwei letztgenannten Päpste ohnehin wieder auf obiges Decret zurückkommen müssen, haben wir es hier nur mit dem dem Papste Damasus zugehörenden Theile desselben zu thun. Leider läßt sich bei dem Mangel eines jeden Anhaltspunctes über die Zeit der Abfassung desselben Nichts feststellen. Holstein schreibt den von ihm publicirten Abschnitt demselben römischen Concil des Damasus zu, von welchem der Brief an die Bischöfe des Orients (bez. Illyriens) ergangen ist; Baronius setzt für das von ihm angeführte Stück das J. 382 an, womit auch Holstein übereinstimmt, da er im zweiten Theile seines oft citirten Werkes eines von Damasus im J. 382 gehaltenen Concils erwähnt, dessen Acten verloren gegangen, von dem aber ein Decret erhalten sei über die Reihenfolge der Patriarchalkirchen, unter denen die von Constantinopel nicht aufgeführt werde; dieß ist aber offenbar der dritte Theil unseres damasianischen Synodaldecretes; der mittlere Theil desselben (der Schriftcanon) scheint Beiden unbekannt gewesen zu sein. Für die letzteren Jahre des 338 Damasus, namentlich für das J. 382 (die fünfte Synode des Damasus) dürfte vielleicht auch der Umstand geltend gemacht werden, daß gerade die Feststellung des Schriftcanon durch den Plan des Papstes Damasus zu einer authentischen lateinischen Übersetzung der hl. Schrift veranlaßt wurde, mit dessen Ausführung er in den letzten Jahren seiner Regierung seinen vertrauten Freund, den heil. Hieronymus beauftragte. Allein dieß sind, wie gesagt, bloße Vermuthungen und haben auch wohl deßhalb Thiel und Friedrich, die doch über unser Decret ex professo handelten, diese Frage gar nicht berührt.
1. Es hieß: Zuerst müsse man verhandeln über den siebenfachen Geist, welcher in Christus ruht. Der Geist der Weisheit: „Christus Gottes Kraft und Gottes Weisheit„; der Geist des Verstandes: „Ich will dir Verstand geben und dich unterrichten in dem Wege, den du wandeln sollst“; der Geist des Rathes: „und sein Name wird heißen Engel des großen Rathes„; der Geist der Stärke, wie es oben hieß: „Christus Gottes Kraft und Gottes Weisheit;“ der Geist der Wissenschaft: „wegen der Alles übertreffenden Wissenschaft Jesu Christi,„ wie der Apostel sagt; der Geist der Wahrheit: „Ich (bin) das Leben und die Wahrheit“; der Geist der Furcht: „Der Anfang der Weisheit (ist) die Furcht des Herrn.„
2. Die Austheilung der Namen Christi aber ist eine 339 vielfältige: Herr, weil Geist; Wort, weil Gott; Sohn, weil der Eingeborene vom Vater; Mensch, weil geboren aus der Jungfrau; Priester, weil er sich zum Brandopfer darbrachte; Hirt, weil Beschützer; Wurm, weil er auferstanden ist; Berg, weil stark; Weg, weil gerade; Thür, weil durch ihn der Eintritt in’s Leben ist; Lamm, weil er gelitten; Stein, weil die Zusammenfügung am Ecke; Lehrer, weil Offenbarer des Lebens; Sonne, weil Erleuchter; wahrhaft, weil vom Vater; Leben, weil Schöpfer; Brod, weil Fleisch; Samaritaner, weil Beschützer und Erbarmer; Christus, weil gesalbt; Jesus, weil Heiland; Gott, weil aus Gott; Engel, weil gesandt; Bräutigam, weil Mittler; Weinstock, weil wir durch sein Blut erlöst stnd; Löwe, weil König; Felsen, weil Feste; Blume, weil auserwählt; Prophet, weil er das Zukünftige vorhersagte. Denn der heilige Geist ist nicht nur der Geist des Vaters oder nur der des Sohnes, sondern der Geist des Vaters und des Sohnes. Denn es ist geschrieben: „Wenn Jemand die Welt liebt, so ist nicht der Geist des Vaters in ihm.“ Ebenso ist geschrieben: „Wer immer aber den Geist Christi nicht hat, der ist nicht sein.„ Wenn daher der Vater und Sohn genannt wird, so wird der heilige Geist verstanden, von dem der Sohn selbst im Evangeliumsagt: „daß der heilige Geist vom Vater ausgeht, und er wird von dem Meinigen nehmen und es euch verkündigen.“
3. Ebenso hieß es: nun aber muß man über die göttlichen Schriften handeln, was die allgemeine katholische Kirche annimmt, und was sie meiden soll. Anfang der 340 Reihenfolge des A. T. Genesis 1 Buch. Exodus 1 Buch. Leviticus 1 Buch. Numeri 1 Buch. Deuteronomium 1 Buch. Jesunave 1 Buch. Richter 1 Buch. Ruth 1 Buch. Könige 4 Bücher. Paralipomenon 2 Bücher. Hundertfünfzig Psalmen 1Buch. Salomons 3 Bücher: Sprüchwörter 1 Buch. Ecclesiastes 1 Buch, Hohelied 1 Buch. Ferner Weisheit 1 Buch. Ecclestasticus 1 Buch.
Ebenso die Reihe der Propheten. Isaias 1 Buch. Jeremias 1 Buch mit den Chinoth d. i. seinen Lamentationen. Ezechiel 1 Buch. Daniel 1 Buch. Oseas 1 Buch. Amos 1 Buch. Michäas 1 Buch. Joel 1 Buch. Abdias 1 Buch. Jonas 1 Büch. Naum 1 Buch. Abbacuc 1 Buch. Aggäus 1 Buch. Zacharias 1 Buch. Malachi 1 Buch.
Ebenso die Reibe der Geschichten: Job 1 Buch. von Anderen Übergängen. Tobias 1 Buch. Hesdras 2 Bücher. Hester 1 Buch. Judith 1 Buch. Machabäer 2 Bücher.
4. Ferner die Reihe der Schriften des neuen und ewigen Testamentes, welche die katbolische heil. Kirche annimmt und verehrt, d. i.: Evangelien 4 Bücher: nach Matthäus 1 Buch, Nach Marcus 1 Buch, nach Lucas 1 Buch, nach Johannes 1 Buch. Ferner die Apostelgeschichte 1 Buch. Die Briefe des Apostels Paulus, 14 an der Zahl: an die Römer 1 Brief, an die Corinthier 2 Briefe, an die Ephesier 1 Brief, an die Thessalonicenser 2 Briefe, an die Galater 1 Brief, an die Philippenser 1 Brief, an die Colossenser 1 Brief, an Timotheus 2 Briefe, an Titus 1 Brief, an Philemon 1 Brief, an die Hebräer 1 Blief. Ferner die Apokalypse des Johannes 1 Buch. Ferner die canonischen Briefe, 7 an der Zahl: 2 Briefe 341 des Apostels Petrus, 1 Brief des Apostels Jacobus, 1 Brief des Apostels Johannes, 2 Briefe eines anderen Johannes, des Priesters,1 Brief des Judas Zelotes. Schluß des Kanons des neuen Testamentes.
5. Ebenso hieß es: Nach allen diesen prophetischen und evangelischen und apostolischen Schriften, welche wir oben angeführt haben, auf welche durch die Gnade Gottes die katholische Kirche gegründet ist, hielten wir auch Jenes einzuschärfen für nothwendig, daß, obwohl alle über den Erdkreis verbreiteten katholischen Kirchen ein BrautgemachChristi sind, dennoch die heil. römische Kirche nicht durch Synodal - Anordnungen den übrigen Kirchen vorgezogen wurde, sondern durch das evangelische Wort unseres Herrn und Erlösers den Primat erhielt, da er sagte „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen; und Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben, und was immer du binden wirst auf Erden, das wird gebunden sein auch im Himmel, und was immer du lösen wirst auf Erden, das wird gelöst sein auch im Himmel." Es kam hinzu auch die Gemeinschaft des heiligsten Apostels Paulus, des Gefässes der Auserwählung, welcher nicht zu verschiedener Zeit,wie die Häretiker schwätzen, sondern 342 zu einer Zeit, an einem und demselben Tage durch einen glorreichen Tod mit Petrus in Rom unter dem Kaiser Nero litt und gekrönt wurde; sie haben in gleicher Weise sowohl die oben genannte römische Kirche Christus dem Herrn geweiht als auch über alle anderen Kirchen auf der ganzen Welt durch ihre Gegenwart und ihren preiswürdigen Triumph erhoben.
Der erste Stuhl des Apostels Petrus ist also die römische Kirche, „ohne Makel, ohne Runzel oder etwas dergleichen." Der zweite Stuhl bei Alexandrien ist im Namen des hl. Petrus von seinem Schüler und Evangelisten Marcus geheiligt worden; Dieser, vom Apostel Petrus nach Ägypten gesandt, predigte das Wort der Wahrheit und vollendete sein glorreiches Martyrium. Der dritte Sitz aber bei Antiochien desselben heiligsten Apostels Petrus wird in Ehren gehalten, weil er daselbst vor seiner Ankunft in Rom wohnte und hier zuerst der Name Christen für das neue Volk entstanden ist.