Wenn er nun von allem verschieden ist — und das wurde im Vorausgehenden gezeigt —, ja vielmehr die Werke durch ihn entstanden sind, so sage man nicht „durch den Willen“, damit nicht auch Er so entstehe, wie das durch ihn Entstandene sich gebildet hat. Denn Paulus, der zuvor nicht war, ist gleichwohl später durch den Willen Gottes Apostel geworden. Unserer Berufung, die einmal nicht da war, jetzt aber eingetreten ist, geht der Wille voraus, und sie ist, wie Paulus selbst wieder sagt, nach dem Ratschluß seines Willens 323 erfolgt. Wenn es aber bei Moses heißt: „Es werde Licht“, und: „Die Erde bringe hervor“, und: „Laßt uns den Menschen machen“, so halte ich dies, wie im Vorausgehenden gesagt worden ist, für eine Willensäußerung des Schaffenden. Denn das, was einmal nicht war, sondern von außen hinzukommt, beschließt der Schöpfer zu schaffen. Mit dem eigenen, von Natur aus ihm gezeugten Worte aber geht er nicht zuvor mit sich zu Rate. Denn in diesem macht der Vater alles übrige, wozu er sich entschließt, und schafft es in diesem, wie auch der Apostel Jakobus lehrte mit den Worten: „Weil er wollte, hat er uns durch das Wort der Wahrheit gezeugt“. Es besteht also ein Wille Gottes in Bezug auf all das, was wiedergeboren werden und einmal entstehen soll im Worte, in dem er auch das Beschlossene macht und wiedergebiert. Dies gibt ja auch wieder der Apostel zu verstehen, wenn er nach Thessalonich schreibt: „Denn das ist Gottes Wille in Bezug auf euch in Christus Jesus“. Wenn aber in dem, in dem er schafft, auch der Wille ist, und in Christus der Wille des Vaters ist, wie kann auch Er im Entschluß und Willen des Vaters bestehen? Denn wenn auch Er nach eurer Ansicht im Willen entstanden ist, so muß auch der Entschluß bezüglich seiner in einem anderen Worte entstehen, durch das auch Er wird. Denn es ist bewiesen worden, daß der Wille nicht in den entstehenden Dingen ist, sondern in dem, durch den und in dem alle Geschöpfe entstehen. Da übrigens der Ausdruck „durch den Willen“ dasselbe besagt wie die Wendung: „Es war einmal, da er nicht war“, so sollen sie sich doch mit der Wendung begnügen: „Es war einmal, da er nicht war“, damit sie aus Scham darob, daß sie damit von Zeiten reden, einsehen, daß sie auch mit der Wendung „durch den Willen“ von Zeiten vor dem Sohne reden. Denn dem, was einmal nicht war, geht wie bei allen Geschöpfen die Beratung voraus. Wenn aber das Wort Schöpfer der Geschöpfe ist und es 324 zugleich mit dem Vater existiert, wie kann dem Ewigen wie einem Nichtseienden die Beratung vorausgehen? Denn wenn der Ratschluß vorausgeht, wie ist durch ihn alles? Er ist ja vielmehr einer vom All und gleichfalls durch den Willen geborener Sohn, wie auch wir durch das Wort der Wahrheit Söhne geworden sind. Dann müssen wir, wie gesagt, ein anderes Wort aufsuchen, durch das auch dieses entstanden ist und mit allem, was Gott wollte, geboren wurde.