Wenn nun der Sohn von Natur und nicht kraft eines Entschlusses ist, existiert dann der Sohn gegen den Willen des Vaters und ohne daß der Vater es wollte? Keineswegs, sondern der Sohn ist gewollt vom Vater und, wie er selbst sagt, „liebt der Vater den Sohn und zeigt ihm alles“. Denn wie seine Güte nicht Ausfluß eines Willens war und er doch fürwahr nicht wider Willen und ungewollt gut ist — denn was er ist, das ist er auch mit Willen —, so ist ihm auch die Existenz des Sohnes, wenn sie ihren Anfang auch nicht im Willen hat, doch nicht unliebsam noch wider Erwarten. Denn wie er seine eigene Wesenheit will, so kommt ihm auch der Sohn, der ja seiner Substanz eigen ist, nicht wider seinen Willen. Es soll also der Sohn vom Vater gewollt und geliebt werden. Und so möge man in gottesfürchtiger Weise von Gott denken, daß er wolle und nicht dawider sei. Denn mit dem Willen, mit dem der Sohn vom Vater gewollt wird, liebt und will und ehrt auch Er den Vater; und es besteht Ein Wille aus dem Vater im Sohne, weshalb man auch den Sohn im Vater und den Vater im Sohne schaut. Aber möge niemand wie Valentin noch einen vorausgehenden Ratschluß einführen, und niemand soll sich zwischen den alleinigen Vater und das alleinige Wort eindrängen unter dem Vorwand der Beratung. Denn es müßte einer rasen, wenn er zwischen den Vater und den Sohn Wille und Erwägung stellen wollte. Denn anders lautet die Rede: „Er ist durch den Willen geworden“, und anders die Aussage: „Er liebt seinen natureigenen Sohn und will ihn“. Denn in der Rede: „Er ist kraft des Willens entstanden“ kommt fürs erste zum Ausdruck, daß er 331 einmal nicht war; sodann liegt hierin, wie gesagt, die Neigung nach beiden Seiten ausgesprochen, so daß man denken könnte, der Vater hätte den Sohn auch nicht wollen können. Doch vom Sohne behaupten: „Er hätte auch nicht sein können“, ist eine gottlose Verwegenheit, die auch die Wesenheit des Vaters trifft, wenn ja ein Wesensbestandteil von ihm hätte fehlen können. Denn es ist ungefähr so, wie wenn man sagte: „Es hätte der Vater auch nicht gut sein können“. Aber wie der Vater immer und von Natur gut ist, so ist er auch von Natur immer zeugend. Wenn man aber sagt: „Der Vater will den Sohn“ und: „Das Wort will den Vater“, so weist man damit nicht auf einen vorausgehenden Willen hin, sondern gibt die Echtheit der Natur und die Eigenheit und Ähnlichkeit der Substanz zu erkennen. Denn wie man auch beim Abglanz und beim Lichte sagen könnte, daß der Abglanz nicht einen vorangehenden Willen im Lichte habe, wohl aber seine natürliche Zeugung sei, gewollt von dem ihn auch erzeugenden Lichte, und zwar nicht auf Grund eines erwogenen Entschlusses, sondern von Natur und in Wahrheit, so könnte man auch vom Vater und Sohne mit Recht sagen, daß der Vater den Sohn liebt und will, und der Sohn den Vater liebt und will.