Wenn nun, wie schon oft gesagt, das Wort nicht Mensch geworden ist, so soll nach euch dem Wort zukommen zu empfangen und Verherrlichung zu bedürfen und nicht zu wissen. Ist es aber Mensch geworden — es ist es ja wirklich geworden —, und ist es einem Menschen eigen zu empfangen, zu bedürfen und nicht zu wissen, warum stellen wir uns den Geber als Empfänger vor und vermeinen, der, welcher andere ausstattet, habe selbst Bedürfnis, und scheiden das Wort als unvollkommen und bedürftig vom Vater und entziehen der Menschheit die Gnade? Wenn nämlich das Wort selbst als solches und seinetwegen empfängt und verherrlicht wird, und wenn es der Gottheit nach geheiligt wurde und auferstand, wo bleibt dann für die Menschen noch eine Hoffnung? Sie bleiben dann ja, wie jene waren — nackt, furchtsam, tot und ohne jede Gemeinschaft mit dem, was dem Sohne verliehen wurde. Warum ist dann aber das Wort auf die Erde gekommen und Fleisch geworden? Wenn etwa, um das zu empfangen, was es empfangen zu haben erklärt, — dann war es vordem dessen bar, und es wird vielmehr dem Leibe Dank schulden müssen, weil es damals, als es in ihn gekommen ist, das vom Vater erhielt, was es vor seiner Niederkunft im Fleische nicht hatte. Denn damit ist es offenbar eher selbst wegen des Leibes verbessert worden als der Leib seinetwegen. Doch dies 296 ist die jüdische Anschauung. Ist das Wort auf die Erde gekommen, um das Menschengeschlecht zu erlösen, und ist das Wort Fleisch geworden, um die Menschen zu heiligen und zu vergöttlichen — um dessetwillen ist es auch Fleisch geworden —, wem sollte es da nun nicht einleuchten, daß, wenn es Fleisch geworden, etwas empfangen zu haben erklärt, es nicht seinetwegen, sondern wegen des Fleisches so redet? Denn dem Fleische, in dem es so redend war, gehörten auch die durch das Wort vom Vater gewährten Gnadengeschenke. Wir wollen aber sehen, was es war, worum es bat, und was das überhaupt war, was es empfangen zu haben erklärte, damit sie wenigstens auf diese Weise zur Besinnung gebracht werden können. Es bat also um Verherrlichung und sprach: „Alles wurde mir übergeben“. Und nach seiner Auferstehung versichert es, es habe alle Gewalt empfangen. Aber auch bevor es sagte: „Alles wurde mir übergeben“, war es Herr von allem. Denn „alles ist durch dasselbe entstanden“. Es war Ein Herr, durch den alles wurde. Und da es um Herrlichkeit bat, war und ist es der Herr der Herrlichkeit, wie Paulus sagt: „Denn wenn sie dieselbe erkannt hätten, hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt“. Und es besaß sie, wenn es um sie bat mit den Worten „mit der Herrlichkeit, die ich bei Dir hatte, ehe die Welt war“.