Wenn es also ein zweites Wort Gottes gibt, so soll auch dieses durch ein Wort entstanden sein. Wenn es aber kein anderes gibt — und es gibt wirklich kein zweites —, sondern durch dasselbe alles entstanden ist, was der Vater gewollt hat, verrät dies dann nicht ihre vielköpfige Verschlagenheit. Denn da sie die Ausdrücke “gemachtes Wesen”, “Geschöpf” und: “Das Wort Gottes war nicht, bevor es geboren wurde” scheuen, so nennen sie ihn wieder in anderer Weise Geschöpf, wenn sie den Willen vorschützen und sagen: "Wenn er nicht durch den Willen entstanden ist, dann erhielt Gott einen Sohn gezwungen und ohne ihn zu wollen. Wer legt ihm einen Zwang auf, ihr Verruchte, die ihr alles eurer Häresie entsprechend dreht? Das Gegensätzliche zum Willen haben sie gesehen,’ das Größere und Höherliegende haben sie aber nicht beachtet. Wie nämlich dem Willen das Unerwartete gegenübersteht, so steht das Naturhafte höher als das Produkt der Beratung und geht ihr voran. Wenn einer ein Haus bauen will, geht er mit sich zu Rate, einen Sohn aber zeugt er von Natur. Und was nach dem Willen gebaut wurde, hatte einen Anfang des Werdens und ist außerhalb des Schöpfers, der Sohn ist aber wesenseigene Zeugung des Vaters und ist nicht außer ihm. Darum beratschlagt er sich auch bezüglich seiner nicht, um nicht den Anschein zu erwecken, als gehe er auch über 325 sich selbst zu Rate. So hoch also der Sohn über dem Geschöpfe steht, so hoch steht das Naturhafte über dem Produkt des Willens, und sie hätten, wenn sie davon hörten, nicht das Naturhafte dem Willen zumessen sollen. Doch sie vergessen, daß vom Sohne Gottes die Rede ist, und erkühnen sich, menschliche Gegensätze, Zwang und Widererwartung auf Gott zu übertragen, um die Existenz eines wahren Sohnes Gottes in Abrede stellen zu können. Sie sollen uns selbst sagen: Kommt Gott sein Gut- und Barmherzigsein nach seinem Willen zu oder nicht durch seinen Willen? Wenn nach seinem Willen, so muß man bedenken, daß er anfing, gut zu sein, und es ist möglich, daß er auch nicht gut ist. Denn bei der Beratung und Wahl neigt man nach beiden Seiten, und es ist das ein Leiden der vernunftbegabten Natur. Wenn er aber wegen der darausfolgenden Ungereimtheit nicht durch den Willen gut und barmherzig ist, so sollen sie vernehmen, was sie selbst gesagt haben: Also ist er gezwungen und ohne es zu wollen gut. Und wer tut ihm Zwang an? Wenn es aber ungereimt ist, bei Gott von Zwang zu reden, und er deshalb von Natur gut ist, so ist er wohl noch weit mehr und sicherer von Natur und nicht kraft des Willens Vater des Sohnes.