Weshalb er aber von seiner Kenntnis damals den Jüngern gegenüber nicht Gebrauch machte, darnach neugierig zu forschen hat keiner ein Recht, weil er es selbst verschwiegen hat. „Denn wer hat den Sinn des Herrn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber 300 gewesen?“ Weshalb er vielmehr trotz vorhandener Kenntnis gesagt hat: „Auch der Sohn weiß nicht“, kann wohl keinem Gläubigen unbekannt sein, — weil er eben auch das immerhin wegen seines Fleisches als Mensch sagen konnte. Denn auch das ist nicht eine Schwäche des Wortes, sondern der menschlichen Natur, der auch das Nichtwissen zukommt. Und man könnte das wohl einsehen, wenn man auch hier in redlicher Absicht nach den Umständen fragen wollte, wann und zu wem der Heiland so sprach. Denn nicht, da der Himmel durch ihn entstand, noch als das Wort beim Vater selbst war und alles ordnete, noch auch, bevor es Mensch wurde, sagte er dies, sondern als das Wort Fleisch wurde. Darum schreibt man auch alles, was er nach seiner Menschwerdung in menschlicher Weise sagt, mit Recht seiner Menschheit zu. Denn dem Worte ist es eigen, die gemachten Dinge zu kennen, nicht aber, ihren Anfang und ihr Ende nicht zu wissen. Denn sein sind die Werke und es weiß, wie vielen und auf wie lange es ihnen die Existenz geschaffen hat. Und da es den Anfang und das Ende eines jeden kennt, so weiß es jedenfalls auch das allgemeine gemeinsame Ende aller. Fürwahr, wenn er im Evangelium mit Bezug auf seine menschliche Seite spricht: „Vater, die Stunde ist gekommen, verherrliche Deinen Sohn“, dann kennt er offenbar als Wort auch die Stunde vom Ende aller Dinge, aber als Mensch weiß er sie nicht. Denn einem Menschen ist es eigen, nicht zu wissen — zumal diese Dinge. Doch auch dies ist der Menschenfreundlichkeit des Heilandes eigen. Denn da er Mensch geworden ist, schämt er sich auch wegen des nichtwissenden Fleisches nicht, zu sagen: „Ich weiß nicht“, um zu zeigen, daß er wohl als Gott weiß, aber dem Fleische nach nicht weiß. Er hat also nicht gesagt: „Auch der Sohn Gottes weiß nicht“, damit nicht die Gottheit als unwissend erscheine, sondern er sagt einfach: „auch der Sohn nicht“, damit auf dem aus den Menschen hervorgegangenen Sohne die Unwissenheit laste.