Sie sollen aber auch darauf uns wieder eine Antwort geben — ich will nämlich ihrer Unverschämtheit noch eine Frage entgegenhalten, die noch kühner ist, aber gleichwohl auf den frommen Glauben abzielt. Verzeih mir, Herr! — nämlich auf die Frage: Existiert der Vater selbst so, daß er zuerst mit sich zu Rate ging, und dann wollte, oder auch, bevor er sich beriet? Denn sie, die vom Worte dergleichen zu behaupten wagen, müssen solches auch [vom Vater] hören, damit sie einsehen, daß diese ihre Vermessenheit auch den Vater selbst trifft. Wenn sie nun einmal entschlossen, an ihrer Lehre vom „Willen“ festzuhalten, behaupten, auch Er stamme aus dem Willen, was war er dann vor der Beratung? Ist aber eine solche Frage ungereimt und haltlos, und ist es überhaupt nicht recht, so etwas zu sagen denn wir brauchen von Gott nur zu hören, um zu wissen und zu erkennen, daß er der Seiende ist —, wie 326 wäre es nicht unvernünftig, vom Worte Gottes solches zu denken und bei ihm Entschluß und Willen vorzuschützen? Denn wir brauchen auch vom Worte nur zu hören, um zu wissen und zu erkennen, daß Gott, der nicht kraft des Willens existiert, nicht durch den Willen, sondern von Natur sein Wort hat. Doch geht nicht über allen Wahnsinn schon der Gedanke, daß Gott selbst mit sich zu Rate geht und nachdenkt und wählt und sich zum Wollen aufmuntert, damit er nicht unvernünftig [ohne Wort] und unweise sei, sondern Wort und Weisheit habe? Denn über sich selbst scheint der nachzudenken, der über das, was seiner Substanz eigen ist, sich beratschlagt. Da also in dieser Anschauung eine schwere Gotteslästerung liegt, so sagt man wohl gottesfürchüg, daß die entstandenen Dinge durch Beschluß und Wille entstanden sind, der Sohn aber nicht als Werk des Willens erst nachträglich wie die Kreatur geworden ist, sondern als von Natur der Substanz eigene Zeugung existiert. Denn als eigenes Wort des Vaters gestattet er nicht, an einen ihm vorangehenden Willen zu denken, da er ja selbst des Vaters lebendiger Ratschluß und Kraft und Schöpfer dessen ist, was der Vater beschließt. Dies sagt er von sich selbst aus in den Sprichwörtern: „Mein ist der Rat und die Sicherheit, mein die Klugheit, mein die Stärke“. Denn wie er, der selbst die Klugheit, in der er die Himmel bereitete, und selbst die Stärke und Kraft ist — denn „Christus ist Gottes Kraft und Gottes Weisheit“ — jetzt abweichend sagte: „Mein ist die Klugheit und mein die Stärke“, so ist er wohl, wenn er sagte: „Mein ist der Rat“ selbst des Vaters lebendiger Rat, wie wir auch vom Propheten erfahren haben, daß er der „Engel des großen Rates“ ist und er Wille des Vaters genannt wurde. Denn so muß man sie widerlegen, sie, die von Gott menschliche Vorstellungen haben.