PREDIGT, GEHALTEN ZUR ZEIT EINER HUNGERSNOT UND DÜRRE (Migne, PG. XXXI, 304—328)
Inhalt: Das Volk von Cäsarea litt unter derselben Drangsal wie einst Juda zur Zeit Amos, des 258 Propheten. Aber Juda hörte nicht auf die Bußpredigt des Propheten und ging zugrunde — zum warnenden Beispiel für die Gegenwart (c. 1). Anschauliche Schilderung der Trockenheit, die zur Strafe gekommen ist, weil die Liebe erkaltet war (c. 2). Die Not will nicht enden, weil allgemeine Ausgelassenheit und kein Gebets- und Bußgeist zu finden. Anders war es in Ninive (c. 3). Nur aufrichtige und tätige Liebe und Sühne kann Rettung bringen (c. 4). Die Heimsuchung kam für die Sünden wie zur Erprobung des Volkes, ist nicht Folge mangelnder Macht oder Liebe Gottes. Aufmunterung zum Vertrauen auf Gott, der auch wunderbar der Not abhelfen kann, wie aus der Biblischen Geschichte ersichtlich (c. 5). Wer in Not befindlich, soll dem noch Notdürftigeren mitteilen von dem wenigen, was er hat. Gott lohnt ihm (c. 6). Hunger ist qualvoll, Hungertod qualvollster Tod; Hunger hat die Menschen schon zu verzweifelten Maßnahmen getrieben. Deshalb die Mildtätigkeit so nötig und auch so lohnend. Aber schnelle Hilfe tut not und heißt die Zeit für die Ewigkeit verdienstlich machen (c. 7). Tiere, Heiden, vorab die ersten Christen und vor ihnen alttestamentliche Beispiele sind Vorbilder tätiger Mitteilsamkeit. Dazu mahnt auch die Sorge für die Seele (c. 8). Habsucht verdammt zur Hölle — eine verbürgte Wahrheit, nicht leere Drohung (c. 9).
§ 1
„Der Löwe wird brüllen, und wer wird nicht erschrecken? Der Herr hat geredet, und wer wird nicht prophezeien?“ — Wir wollen mit einem prophetischen Worte unsere Rede beginnen und bei der Behandlung 259 unseres Stoffes an den gotterleuchteten Amos uns halten, der ähnliche Wehen uns drückender Heimsuchungen zu heilen hatte, und zur gegenwärtigen Lage unsern Rat und unsere Ansicht vortragen. Eben dieser Prophet ist im Laufe der vergangenen Zeiten, als das Volk die Frömmigkeit seiner Väter verlassen, die Heiligkeit der Gesetze mit Füßen getreten hatte und in Abgötterei gefallen war, als Bußprediger aufgetreten, mahnte zur Bekehrung und kündigte die drohenden Strafen an. Ich wünschte mir nur einigermaßen den Eifer der alten Zeit; nicht aber möchte ich wieder das Ende sehen, das die damalige Heimsuchung nahm. Denn das Volk fügte sich nicht, biß wie ein hartmäuliges, unbändiges Füllen in den Zügel und ließ sich nicht zur Vernunft bringen. Es wich vom rechten Wege ab, raste solange wild dahin und bäumte sich gegen den Reiter, bis es in die Abgründe und Tiefen stürzte und seine Unbotmäßigkeit mit dem verdienten Untergang büßte. Möge dies Los nicht auch uns treffen, meine Kinder, die ich durch das Evangelium gezeugt, die ich durch die Segnungen meiner Hand gleichsam in Windeln eingewickelt habe. Möchte ich vielmehr ein geneigtes Ohr, ein folgsames Herz finden, das die Mahnungen in Einfalt hinnimmt und dem Prediger nachgibt, wie Wachs dem Siegelnden, auf daß ich schon in diesem guten Willen eine erfreuliche Frucht für meine Mühen erlange und ihr im Augenblicke der Erlösung vom schrecklichen Unheil diesen meinen Zuspruch lobt.
Was ist nun das, was meine (einleitende) Rede ankündigt, die mit dem erwarteten Thema nicht herausrücken will und so die Gemüter auf den Vortrag gespannt hält?
§ 2
Brüder, wir schauen einen beständig klaren, wolkenlosen Himmel, der die gegenwärtige, unerwünschte Heiterkeit verursacht und uns durch seine Reinheit betrübt, eine Heiterkeit, die wir zuerst stürmisch verlangten, als der Himmel, so lange mit Wolken bedeckt, uns Licht und Sonne entzog. Das Land aber ist ganz 260 ausgebrannt, bietet einen trostlosen Anblick, ist unbestellbar und unfruchtbar, voll Risse und Spalten, und bis tief ins Innere dringt der helle Sonnenstrahl. Wasserreiche, perennierende Quellen sind uns versiegt; große Wasserströme sind fast ausgetrocknet; die kleinsten Kinder durchwaten sie, und Frauen durchqueren sie, mit Lasten beladen. Den meisten von uns ist sogar das Trinkwasser ausgegangen, und wir wissen nicht, wovon leben. Ein neues Israel, das einen neuen Moses sucht und einen Wunderstab, auf dessen Schlag die Felsen wieder der Not des durstenden Volkes steuern, und wunderbare Wolken, die den Menschen eine ungewöhnliche Speise, das Manna, herabträufeln. Hüten wir uns, daß wir den Spätgebornen nicht ein neues Beispiel von Hungersnot und Strafe werden.
Ich habe die Felder gesehen und ihre Unfruchtbarkeit schmerzlich beklagt; ich vergoß Tränen, weil kein Regen auf uns herabströmte. Manche Samen sind vor dem Keimen verdorrt und ebenso unter den Schollen geblieben, wie der Pflug sie bedeckt hat; andere schossen etwas auf, grünten und wurden dann elendiglich von der Hitze versengt, so daß man den Ausspruch des Evangeliums umkehren und sagen könnte: „Der Arbeiter sind viele; aber die Ernte ist nicht einmal gering.“ Die Landleute sitzen auf den Feldern, umfassen die Knie mit den Händen — das ist die Haltung der Trauernden —, beklagen ihre umsonst gebrachten Opfer, schauen schmerzbewegt auf ihre kleinen Kinder, bejammern und beweinen ihre Frauen, befühlen und betasten das dürre Kraut der Saaten und wehklagen wie Väter, die ihre Söhne in der Blüte der Jahre verloren haben. So soll auch zu uns das Wort eben des Propheten gesprochen sein, den wir kurz vorher in der Einleitung erwähnt haben, das Wort: „Ich hielt euch“, sagt er, „den Regen zurück drei Monate lang vor der Ernte; und ich ließ regnen auf die eine Stadt, und auf die andere Stadt ließ ich nicht regnen. Ein Teil ward befruchtet, und ein Teil, auf den ich nicht regnen ließ, verdorrte. Zwei und drei Städte kamen in eine Stadt, um Wasser zu trinken; 261 aber sie wurden nicht satt — weil ihr nicht zu mir zurückgekehrt seid, spricht der Herr.“
Wir sollen also einsehen, daß uns Gott wegen unserer Abkehr von ihm und wegen unserer Gleichgültigkeit diese Plagen geschickt hat. Er wird uns ja nicht vernichten, sondern nur bessern, wie gute Väter gegen leichtsinnige Kinder verfahren, die über die Jungen sich aufregen und gegen sie einschreiten, nicht um ihnen Übles zuzufügen, sondern um sie aus ihrem jugendlichen Leichtsinne und ihren Jugendfehlern heraus zu ernster Pflichterfüllung zu bringen. So seht, wie die Menge unserer Sünden selbst die Jahreszeiten um ihren natürlichen Charakter gebracht und die jeweiligen normalen Temperatur- und Witterungsverhältnisse ganz verschoben und verändert hat: Der Winter hatte nicht die normale Feuchtigkeit in Abwechslung mit der Trockenheit, vielmehr bannte er alle Feuchtigkeit in Eis und sog sie auf; anderseits blieb er ohne Schnee und Regen. Und der Frühling hat wieder nur einen Teil seiner Eigenschaften gezeigt, nämlich die Wärme; Feuchtigkeit hatte er keine im Gefolge. Wenn aber Hitze und Kälte die Grenzen der Natur ungewöhnlich überschreiten und sich verhängnisvoll zu unserm Schaden verbinden, dann bedrohen sie den Menschen in seinem Dasein und Leben.
Wo liegt nun die Ursache für diese Unordnung und Verwirrung? Was sollen die neuen Verhältnisse? Forschen wir nach als vernünftige Wesen, besinnen wir uns als denkende Menschen! Lebt der nicht mehr, der alles regiert? Hat Gott, der erste Baumeister, auf sein Walten vergessen? Ist er seiner Macht und Kraft beraubt? Oder hat er wohl noch seine Kraft und seine Stärke, ist aber hartherzig geworden und hat seine große Güte und Sorge für uns in Menschenhaß verwandelt? Kein Vernünftiger wird das sagen wollen, sind doch klar und offen die Gründe, weshalb wir nicht mehr wie sonst regiert werden. Wir empfangen, aber teilen andern nicht mit; wir loben die Wohltätigkeit, enthalten sie aber den Bedürftigen vor. Einst Knechte — sind wir jetzt frei, erbarmen uns aber der Mitknechte nicht. Sind wir 262 hungrig, so lassen wir uns speisen, gehen aber an den Dürftigen vorüber. Wir haben an Gott einen reichlichen Geber und Verwalter; wir selbst sind aber karg geworden und teilen den Armen nicht mit. Unsere Schafe haben viele Junge; aber es gibt mehr Unbekleidete als Schafe. Die Scheunen sind zu klein für den riesigen Vorrat; und doch erbarmen wir uns nicht des Bedrängten. Daher droht uns Gott mit dem gerechten Gerichte; darum tut er seine Hand nicht auf, weil wir uns der Bruderliebe verschlossen haben. Deshalb sind die Felder verdorrt, weil die Liebe erkaltet ist.
§ 3
Die Stimme der Flehenden ruft umsonst und verhallt in der Luft, haben ja auch wir auf die Bittenden nicht gehört. Wie steht es denn um unser Bitten und Beten? Ihr Männer beschäftigt euch bis auf wenige mit Handel, und ihr Frauen helft ihnen beim Gelderwerb. Nur wenige beten mit mir, und diese sind mit ihren Gedanken anderswo, gähnen, wenden sich fortwährend hin und her und können es kaum erwarten, bis der Psalmensänger mit den Versen fertig ist, und sie aus der Kirche wie aus einem Kerker flüchten können und den Gebetszwang los haben. Die kleinen Buben aber, die ihre Tafeln in der Schule liegen ließen und mit uns rufen, machen mehr zur Erholung und zum Vergnügen mit; sie machen aus unserer Trauer ein Fest, weil sie auf einige Zeit der Belästigung durch den Lehrer und der Schulaufgaben enthoben sind. Der große Haufen der erwachsenen Männer und das mit Sünden beladene Volk läuft zügellos, ausgelassen und schreiend durch die Stadt, das Volk, das die Schuld an diesem Elend in seiner Brust trägt, das Unglück veranlaßt und verschuldet hat. Nur die unmündigen, schuldlosen Kinder eilen herbei und finden sich ein zur Buße, obschon sie keine Schuld tragen an der Heimsuchung, noch recht zu beten wissen oder können. Komm doch du in unsere Mitte, der du mit Sünden befleckt bist, wirf du dich nieder, weine und seufze! Laß das Kind tun, was seinem Alter entspricht! Warum verbirgst du dich, der du angeklagt bist, und warum stellst du den Unschuldigen zur Verteidigung? Läßt etwa der Richter mit sich spielen, daß du ihm eine 263 unterschobene Person vorführst? Das Kind mußte freilich auch da sein, aber jedenfalls gemeinsam mit dir, nicht allein.
Du siehst, wie die Niniviten, als sie durch Reue Gott versöhnten und die Sünden betrauerten, die Jonas, dem Meere und Walfische entronnen, ihnen laut vorhielt, nicht bloß die Kinder zur Buße stellten, um indes selbst zu schmausen und zu schwelgen, sondern wie die Väter als die Erstschuldigen zuerst auch fasteten und sich kasteiten, erst dann auch die Kinder angehalten wurden, mitzutrauern, damit so jedes Alter die Trauer teile, das reife wie das unmündige, ersteres aus freiem Willen, letzteres dazu angehalten. Und da Gott sah, wie sie sich so verdemütigten und sich zu jedweder unerhörten Buße verurteilten, da hatte er Mitleid mit ihrem Weh, erließ ihnen die Strafe und bescherte die tief und aufrichtig Trauernden mit Freude. O die wohlklingende Buße! O die kluge und weise Trauer! Nicht einmal die unvernünftigen Tiere nahmen sie von der Strafe aus; auch diese wußten sie zum Schreien zu bringen: Man trennte das Kalb von der Kuh, das Lamm vom Euter der Mutter; das säugende Junge lag nicht im Schoße der Mutter. In besonderen Ställen waren die Mütter, in besonderen die Jungen. Von allen ertönten und hallten wider klagende Laute. Die hungernden Kleinen suchten die Quellen der Milch; die Mütter riefen in natürlichem Gefühle mitleidsvoll ihren Jungen zu. In gleicher Weise brachen ja auch die hungrigen Kinder ins heftigste Weinen aus und zappelten; die Herzen der Mütter aber durchbohrte natürlicher Schmerz. Deshalb hat auch die von Gott inspirierte Schrift die Buße jener zum allgemeinen Vorbild schriftlich verewigt. Bei den Niniviten weinte der Greis, raufte und riß sich die grauen Haare aus. Der Jüngling klagte trotz der Blüte seiner Jahre bitterlich; der Arme jammerte, dem Reichen verging das Schwelgen, und er befleißigte sich der Abtötung, die er als Segen empfand. Ihr König vertauschte seine Herrlichkeit und Pracht mit Erniedrigung. Er legte die Krone ab, bestreute das Haupt mit Asche, warf den Purpur 264 weg und hüllte sich in ein Büßergewand. Er stieg herab vom hohen, erhabenen Thron und kroch elend am Boden, verzichtete auf sein königliches Wohlleben und trauerte mit dem Volke; er wurde einer aus dem Volke, weil er den gemeinsamen Herrn aller erzürnt sah.
§ 4
Das war Klugheit einsichtiger Diener. So war die Buße der mit Sünden Behafteten. Wir aber sind so rasch bei der Sünde, so saumselig und gleichgültig in der Buße. Wer vergießt beim Beten eine Träne, um Regen und willkommenes Naß zu erlangen? Wer hat zur Tilgung seiner Schuld in Nachahmung des seligen David sein Bett mit Tränen benetzt? Wer hat den Fremdlingen die Füße gewaschen und den Staub der Wanderung abgewischt, um Gott zeitig geneigt zu stimmen für seine Bitte um Beendigung der Trockenheit? Wer hat ein vaterloses Kind ernährt, damit uns jetzt Gott die Saaten nähre, die unter der Ungunst der Winde wie verwaist darniederliegen? Wer hat sich einer Witwe angenommen, die mit den Härten des Lebens zu kämpfen hat, damit ihm jetzt die nötige Nahrung zugemessen werde? Zerreiße das ungerechte Schuldbuch, damit so die Sünde getilgt werde. Vernichte den hohen Pachtkontrakt, damit die Erde wie sonst Früchte bringe! Während Erz, Gold und die übrigen Metalle wider die Natur gebären, wird der von Natur fruchtbare Mutterschoß der Erde steril und zur Strafe ihrer Bewohner zur Unfruchtbarkeit verdammt. Es sollen nun die Anbeter des Reichtums und die Kinder des Mammons zeigen, was ihre angehäuften Schätze vermögen oder nützen, wenn Gott in seinem Zorne noch länger die Geißel schwingt! Die das Gold zusammenraffen, werden vielleicht blaßgelber als das Gold, wenn sie kein Brot bekommen, das sie bei ihrem großen Wohlstand noch bis gestern und vorgestern verschmäht haben. Nimm an, es gäbe keinen 265 Verkäufer mehr, und es wäre kein Getreide mehr in den Scheunen, sage mir, was werden dann die schwergefüllten Geldkassen nützen? Wirst du nicht mit ihnen begraben werden? Ist das Gold nicht Erde? Wird nicht unnützer Kot neben Kot, nämlich dem Leibe, liegen? Alles besitzest du; nur das eine Notwendige hast du nicht, die Möglichkeit, dich selbst zu ernähren. Mach’ aus all deinem Reichtum nur eine einzige Wolke, mach’, daß nur wenige Tropfen niederfallen! Zwing’ die Erde zur Fruchtbarkeit! Mach’ mit deinem stolzen, prunkenden Reichtum der Not ein Ende! Vielleicht rufst du irgendeinen gottesfürchtigen Mann herbei, damit er wie der Thesbite Elias mit Gebeten deiner Not abhelfe, einen armen, bleichen Mann ohne Schuhe, ohne Heimat, ohne Herd, einen Dürftigen, nur mit einem einzigen Rocke bedeckt, wie Elias mit dem Schafspelze, dessen Milchbruder das Gebet, dessen Tischgenosse das Fasten ist. Wenn du aber dann auf das Gebet eines solchen Mannes hin Hilfe erlangst, wirst du dann nicht über den sorgenbeschwerten Reichtum recht herzlich spotten? Wirst du nicht das Gold anspeien, das Silber wie Kot wegwerfen, weil du eingesehen, daß das, was du zuvor allvermögend und dein Liebstes nanntest, zur Zeit der Not ein schwacher Helfer ist? Deinetwegen hat Gott auch dieses Unheil verhängt, weil du hattest und doch nicht gabest, weil du an den Hungrigen vorübergingest, weil du dich von den Klagenden abkehrtest, weil du dich der Bittenden nicht erbarmtest. Es kommen auch wegen einiger weniger Wehen über dein ganzes Volk, und die Bosheit eines Einzigen hat ein Volk zu büßen. Achar beging einen Tempelraub, und das ganze Heer traf die Geißel. Zambei sodann hurte mit den Medianitinnen, und ganz Israel verfiel der Strafe.
§ 5
Wir alle wollen also im einzelnen wie im allgemeinen unser Leben erforschen; wir wollen die Trockenheit gleichsam als eine Erzieherin betrachten, die einen jeden an seine Sünden erinnert. Wir wollen aufrichtigen 266 Herzens mit dem edlen Job sprechen: „Die Hand des Herrn ist es, die mich berührt hat.“ Vor allem aber schreiben wir das Unglück zuerst und zunächst unseren Sünden zu. — Vielleicht darf man aber noch einen weiteren Grund hinzufügen: Manchmal kommen solche Heimsuchungen über die Menschen auch zur Prüfung der Seelen, damit im Unglück die guten erkannt werden, seien sie arm oder reich; denn die einen wie die andern bewähren sich erst recht in der Geduld. Vor allem zeigt sich in dieser Zeit, ob der eine freigebig und voll Bruderliebe, der andere dankbar und nicht vielmehr ein Lästerer ist, der mit veränderter Lebenslage sofort auch seine Gesinnung wechselt. Ich kenne viele — nicht vom Hörensagen, sondern aus eigener Erfahrung —, die, solange sie reichlich ihr Auskommen hatten und ihnen sozusagen alles nach Wunsch ging, ihrem Wohltäter doch einigermaßen Dank wußten, die aber, wenn die Dinge etwa eine unerwartete Wendung nahmen, wenn der Reiche verarmte, wenn auf die Vollkraft des Lebens Krankheit oder auf Ehre und Ansehen Schande und Schmach folgten, sich undankbar zeigten, Lästerungen ausstießen, im Gebete nachlässig wurden, gegen Gott murrten, als wäre er ihr säumiger Schuldner, nicht als ob sie einem zürnenden Gott gegenüber stünden.
Doch fort mit solchem Sinnen und Brüten! Siehst du, daß Gott einmal die gewohnten Gaben nicht reicht, so bedenke, daß es Gott nicht an der Macht fehlt, die Nahrung zu reichen. Wie denn? Ist er doch der Herr des Himmels und seiner ganzen Pracht, der weise Lenker der schlimmen und guten Zeiten, der Regent des Weltalls. Er ist es ja, der angeordnet hat, wie die Jahreszeiten und Sonnenwenden in wohlgeordnetem Reigen einander folgen sollen, damit sie durch ihren Wechsel uns mit dem nötigen Bedarf versehen. Er läßt jetzt zur rechten Zeit Feuchtigkeit eintreten, dann Wärme folgen, dann Kälte mit dem Jahre sich mischen, und er läßt uns auch nicht ohne die nötige Trockenheit. So ist denn Gott allmächtig. Ist er aber zugestandenermaßen dieser Mächtige, dann fehlt es ihm wohl an der Güte? 267 Auch dieser Schluß ist nicht zulässig. Denn wenn er nicht gut gewesen, welcher zwingende Grund bestand für ihn dann im Anfange, den Menschen zu erschaffen? Wer hätte den Schöpfer wider seinen Willen zwingen wollen, Erde zu nehmen und aus Lehm eine so schöne Gestalt zu formen? Wer hätte ihn zwingend bereden können, nach seinem Ebenbild den Menschen mit der Vernunft zu begaben, um, von ihr angeregt, Künste zu erlernen und über die höchsten Dinge, die den Sinnen unerreichbar sind, nachzudenken? Bei solcher Erwägung wirst du finden, daß Gott die Güte innewohnt und sie bis zur Stunde ihm nicht ausgegangen ist. Oder sag’ mir doch: Was ist schuld, daß wir jetzt nur eine Trockenheit sehen und nicht eine vollständige Verbrennung? Was würde hindern, daß die Sonne etwas von ihrer gewohnten Bahn abwiche, dem Erdkörper sich näherte und alles Sichtbare in einem Augenblicke versengte? Oder was könnte verhüten, daß Feuer vom Himmel regnete, wie schon früher einmal die Sünder bestraft wurden?
Geh in dich, o Mensch, und sei vernünftig! Mach’ es nicht wie die unverständigen Knaben, die dem Lehrer für den Verweis, den sie von ihm bekommen, die Tafeln zertrümmern, oder dem Vater, der zu ihrem Nutzen die Mahlzeit verschiebt, die Kleider zerreißen, oder der Mutter mit ihren Nägeln das Gesicht zerkratzen! Den Steuermann prüft und bewährt der Sturm, den Kämpfer der Ringplatz, den Feldherrn die Schlacht, den Mutigen das Unglück, den Christen aber die Versuchung. Trübsale bewähren die Seele wie Feuer das Gold. Bist du arm? Werde nicht mutlos! Allzugroße Trauer wird eine Ursache zur Sünde, weil die Trauer die Seele niederdrückt, die Verzweiflung Schwindel verursacht und Ratlosigkeit Undankbarkeit erzeugt. Setz’ vielmehr deine Hoffnung auf Gott! Sieht er denn deine Not nicht? Er hält die Nahrung in seiner Hand, zögert aber mit dem Geben, um deine Standhaftigkeit zu prüfen, um deine Gesinnung kennen zu lernen, ob sie nicht die von Unmäßigen und Undankbaren ist. Denn auch diese loben, schmeicheln 268 und bewundern, solange sie die Speise im Munde haben. Wird aber der Tisch ein wenig aufgeschoben, so werfen sie mit Schmähungen wie mit Steinen nach denen, die sie eben noch für das genossene Vergnügen wie Gott verehrten. Geh das Alte und Neue Testament durch, und du wirst in jedem viele finden, die auf mannigfache Art ernährt wurden. Den Elias barg der Karmel, ein hoher, unbewohnter Berg, die Einöde den Einsamen; denn die Seele war dem Gerechten alles, und seine Wegzehrung war die Hoffnung auf Gott. Doch trotz dieser Lebensweise verhungerte er nicht; vielmehr brachten ihm gerade die raubgierigsten und gefräßigsten unter den Vögeln die Speisen; Nahrung besorgten dem Gerechten gerade die Vögel, die gewöhnlich anderen das Futter rauben; auf des Herrn Befehl änderten sie ihre Natur und wurden getreue Hüter des Brotes und Fleisches. Das brachten Raben dem Manne, wie wir aus der hl. Geschichte erfahren. — Die Grube von Babylon beherbergte den israelitischen Jüngling, der zwar das Unglück hatte, gefangen zu sein, aber Herz und Geist sich frei bewahrte. Und was geschah da? Die Löwen fasteten wider ihre Natur; und sein Ernährer Habakuk kam durch die Luft daher; ein Engel trug den Mann mitsamt seinen Speisen. Damit der Gerechte ja nicht unter dem Hunger litte, ward der Prophet in kurzer Zeitspanne über soviel Land und Meer getragen, als zwischen Judäa und Babylon liegt.
§ 6
Wie ging es sodann dem Volke in der Wüste, das Moses führte? Wie wurde es vierzig Jahre lang mit Speise versehen? Da gab es niemand, der säete, keinen Ochsen, der den Pflug zog, keine Tenne, keine Kelter, keine Scheune, und dennoch hatte das Volk seine Nahrung, ohne daß gesät oder gepflügt wurde. Und die Quellen, die es zuvor nicht gab, sondern erst zur Zeit der Not hervorquollen, bot ein Fels dar. Ich unterlasse es, die Werke der göttlichen Vorsehung einzeln aufzuzählen, die Gott oft an den Menschen in väterlicher Liebe 269 vollbracht hat. Du aber sei im Unglück etwas geduldig wie der edle Job; laß dich durch den Sturm nicht aus der Fassung bringen, und wirf nichts von der Ladung der Tugend, die du führst, über Bord! Bewahre in deiner Seele die Dankbarkeit als ein kostbares Kleinod, und du wirst für deine Dankbarkeit doppelten Lohn ernten. Erinnere dich des Apostelwortes: „Bei allem dankt!“ Bist du arm, so weißt du sicher einen andern, der noch ärmer ist. Du hast Speise für zehn Tage, er nur für einen. Was du mehr hast, teile als guter und edeldenkender Mensch dem Armen mit! Steh nicht an, von dem Wenigen zu geben, und zieh deinen Nutzen nicht der allgemeinen Gefährdung vor! Besteht dein Vorrat nur noch aus einem Brote, und steht ein Bettler vor deiner Türe, so hole dieses eine aus der Speisekammer, nimm es in die Hände, erheb’ es gen Himmel und sprich das mitleidsvolle, gütige Wort: „Dies eine Brot, das du siehst, o Herr, habe ich noch, und die Gefahr steht mir vor Augen; aber ich halte mir dein Gebot vor und will auch von dem Wenigen dem hungernden Bruder geben; gib nun auch du deinem gefährdeten Diener! Ich kenne deine Güte, vertraue auf deine Macht; du säumst nicht zu lange mit deinen Wohltaten, sondern streust die Gaben aus, wann du willst.“ Und wenn du so redest und handelst, so wird das Brot, das du in der Not gibst, zum Samen der Aussaat, wird reiche Früchte tragen, ein Angeld auf deinen Unterhalt sein und dir Barmherzigkeit verschaffen. Sprich auch du die Worte, die in gleicher Lage die Witwe von Sidon gesprochen hat; erinnere dich zur rechten Zeit an die Geschichte: „So wahr der Herr lebt, das ist alles, was ich im Hause zur Nahrung für mich und meine Kinder habe.“ Gibst du von dem, was du noch übrig hast, so wirst du auch einen Ölkrug haben, der von Segen überströmt, und einen Mehltopf, der nie leer wird. Denn seinen Gläubigen zuliebe ahmt Gott gern die Brunnen nach, aus denen immer geschöpft wird, ohne daß sie je leer werden, und vergilt doppelt. O du Armer, leihe dem reichen Gott 270 auf Zinsen! Vertraue ihm, der das, was du an einem Notleidenden tust, so aufnimmt, als hättest du es an ihm selbst getan, und seinerseits reichlich vergilt. Er ist ein verlässiger Bürge, da er seine Schätze über Land und Meer weit und breit ausgestreut hat. Verlangst du gar während der Schiffahrt dein Darlehen zurück, so wirst du auf offener See das Kapital nebst Zinsen erhalten; denn er zeigt sich großherzig im Zinsgeben.
§ 7
Das Leiden des Hungrigen, der Hunger, tut bitter weh. Der Hunger ist der Gipfel menschlicher Pein, der Hungertod schrecklicher als alle Todesarten. Wo sonst das Leben in Gefahr ist, beschleunigt entweder die Schärfe des Schwertes das Ende oder löscht die Wut des Feuers bald das Leben aus, oder zerfleischen wilde Tiere mit ihren Zähnen die lebenswichtigen Teile und lassen uns nicht lange Qual leiden. Der Hunger aber ist eine langsame Qual, eine lange Pein, ein inneres, verborgenes Leiden, ein immer drohender und immer zögernder Tod: Er verzehrt die natürliche Feuchtigkeit, erkältet die Wärme, läßt den Körper zusammenschrumpfen und nimmt ihm allmählich die Kraft. Das Fleisch umgibt die Knochen wie ein Spinngewebe;; die Haut verliert die Farbe. Denn die Röte entschwindet, weil das Blut allmählich vertrocknet. Die weiße Farbe verliert sich, weil das Äußere durch die Magerkeit dunkel wird. Der Körper wird fahl und zeigt infolge des Leidens ein trauriges Gemisch von Blässe und Schwärze. Die Knie tragen nicht mehr, sondern schleppen sich nur mit Mühe fort. Die Stimme ist leise und dünn; die Augen liegen matt in ihren Höhlen, und gleich verdorrten Kernfrüchten in den Hülsen liegen sie lose vom Schutze umschließender Augenlider. Der Bauch ist leer, eingeschrumpft, ungestaltet, ohne Umfang, den ihm sonst die natürliche Ausdehnung der Eingeweide gibt, und hängt nur noch an den Knochen des Rückgrates. Wer 271 nun an einem solchen Leibe vorübergehen kann, welche Strafe verdient der? Was fehlt dem noch zur größten Grausamkeit? Verdient er nicht, unter die wildesten Tiere gezählt, als ein verruchter Mörder angesehen zu werden? Denn wer es in seiner Gewalt hat, dem Elende abzuhelfen, aber geflissentlich und aus Geiz die Hilfe hinausschiebt, der wird doch wohl mit Recht den Mördern gleichgestellt. Die Hungersnot hat schon oft viele gezwungen, sogar die Schranken der Natur zu durchbrechen, so daß der Mensch sich am Leibe seiner Stammesgenossen vergriff und die Mutter verrucht genug war, das Kind ihres Schoßes wieder ihrem Leibe zuzuführen. Solch trauriges Vorkommnis zeigt uns die jüdische Geschichte, die uns der fleißige Josefus niedergeschrieben hat, als die schrecklichen Leiden über die Einwohner Jerusalems kamen und sie die verdienten Strafen für ihren Frevelmut gegen den Herrn empfingen. — Du siehst, wie auch unser Gott selbst oft andere Leiden übergeht, mit den Hungrigen aber herzliches Mitleid hat. Denn er spricht: „Mich erbarmt des Volkes.“ Auch beim Letzten Gericht, wo der Herr die Gerechten zu sich ruft, nimmt der Mildtätige die erste Stelle ein; der Nährvater steht unter den Belohnten voran; der Spender des Brotes wird vor allen genannt; der Gütige und Freigebige gelangt vor den anderen Gerechten ins ewige Leben. Wer aber karg und geizig gewesen, wird vor allen Sündern dem Feuer überantwortet. Die Zeitverhältnisse rufen dich zur Mutter der Gebote. Hab’ also recht acht, daß du die Zeit des Marktes und Handels nicht unbenutzt vorübergehen lässest! Die Zeit fließt dahin und wartet nicht auf den Säumigen; die Tage eilen und laufen am Zögernden vorüber. Und wie man die Strömung eines Flusses nicht aufhalten, ihn nur an seiner Quelle und im ersten Auslaufe auffangen und hier das Wasser gehörig benützen kann, so kann man auch die 272 naturnotwendig vorübertreibende Zeit weder aufhalten noch die vergangene zurückrufen, nur die Gegenwart zeitig erfassen. Deshalb halte und erfülle das Gebot, als entrinne es dir, erfaß es von allen Seiten und schließ es in deine Arme! Gib wenig und erwirb damit viel! Tilge die Erbsünde, indem du von deiner Nahrung mitteilst Denn wie Adam durch sein verhängnisvolles Essen die Sünde vererbt hat, so vertilgen wir die Genußwehen, wenn wir der Not und dem Hunger des Bruders steuern.
§ 8
Höret, ihr Völker, vernehmt, ihr Christen! So spricht der Herr, zwar nicht selbst, sondern durch den Mund seiner Diener, die gleichsam seine Organe sind. Zeigen wir Vernunftbegabte uns doch nicht grausamer als die unvernünftigen Tiere! Diese leben vom natürlichen Wachstum der Erde wie von einem Gemeingut. Schafherden weiden auf einem und demselben Berg; viele Pferde suchen ihr Futter auf einer und derselben Wiese, und alle Tiere gestatten so einander den Genuß des nötigen Futters. Wir aber bergen in unserem Schoße, was allen gemeinsam ist und behalten allein, was vielen gehört. Wir sollen uns schämen, wenn wir von den Liebeswerken der Heiden erzählen hören. Bei einigen von ihnen gibt es zufolge einer sozialen Verordnung nur einen Tisch, gemeinsame Mahlzeiten, und das vielköpfige Volk bildet fast nur eine Familie. Doch lassen wir die Heiden und wenden wir uns zum Beispiele der Dreitausend. Ahmen wir die erste Versammlung der Christen nach, bei denen alles gemeinsam war: das 273 Leben, die Seele, die Eintracht, gemeinschaftlich der Tisch, unzertrennlich die Bruderschaft, ungeheuchelt die Liebe, die viele Leiber zu einem verband und viele Seelen auf eine und dieselbe Gesinnung stimmte. — Viele Beispiele der Bruderliebe hast du aus dem Alten und Neuen Testamente: Siehst du einen hungrigen Greis, so ruf ihn zu dir und ernähre ihn wie Joseph den Jakob. Findest du einen Feind in Not, so füge zum Zorn nicht auch noch die Rache, sondern speise ihn wie jener seine Brüder, die ihn verkauft hatten. Begegnest du einem Jüngeren, dem es schlecht geht, so beweine ihn, wie jener den Benjamin, den Sohn des Alters, beweinte. Vielleicht versucht auch dich die Habsucht, wie den Joseph die Herrin, zieht dich an den Kleidern, damit du das Gebot verachten und sie, die das Gold und die Welt mehr liebt, dem Gebote des Herrn voranstellen möchtest. Steigt nun in dir ein Gedanke auf, der diesem Gebote widerstreitet und den gesunden Sinn zur Geldliebe lockt, ihn zur Mißachtung der Nächstenliebe nötigen und an sie fesseln will, dann wirf auch du die Kleider ab, geh zürnend weg und bewahre dem Herrn die Treue wie jener dem Putiphar. Steure ein Jahr der Hungersnot, wie jener sieben Jahre lang! Laß nicht alles im Genusse aufgehen; gib auch der Seele etwas! Denke, du habest zwei Töchter, das Wohlleben in dieser Welt und das Leben im Himmel. Willst du der besseren nicht alles geben, so teile wenigstens zu gleichen Teilen an die unzüchtige und keusche Tochter. Mögest du doch, wenn du einmal vor Christus hintreten und vor dem gerechten Richter erscheinen mußt, nicht ein besonders reiches Leben hienieden aufweisen, das andere tugendhafte Leben aber, das die Gestalt und den Namen einer Braut hat, nackt und in Lumpen gehüllt vorstellen (müssen)! Stelle also dem Bräutigam keine häßliche, ungeschmückte Braut vor, damit er nicht bei ihrem Anblicke das Gesicht 274 abwende, sie hasse und die Vermählung mit ihr ablehne. Ziere sie vielmehr mit dem entsprechenden Schmucke, erhalte ihr die Schönheit bis zur festgesetzten Hochzeit, damit auch sie mit den klugen Jungfrauen die Lampe anzünde, das unauslöschliche Feuer der Erkenntnis habe und ihr das Öl der guten Werke nicht fehle, damit endlich die göttliche Weissagung in der Tat sich bestätige und auch deiner Seele der Ausspruch gelte: „Die Königin steht zu deiner Rechten im goldenen Kleide, gehüllt in buntes Gewand. Höre, Tochter, und schaue, neige dein Ohr, . . . und es verlangt der König nach deiner Schönheit.“ Das hat der Psalmist zwar ganz allgemein verstanden, und so hat er vom Liebreiz des Leibes gesungen; doch passen die Worte recht eigentlich auf die Seele eines jeden einzelnen, wenn anders die Kirche die Vereinigung der einzelnen Glieder darstellt.
§ 9
Sieh dich wohlweislich für die Gegenwart und Zukunft vor, und opfere sie nicht schmählichem Gewinn! Verlassen wird dich der Leib, der sichtbare Träger deines gegenwärtigen Lebens. Bei der Ankunft des erwarteten und zweifellos kommenden Richters wirst du dir die Ehren und himmlische Herrlichkeit verschließen, dafür die Hölle aufschließen, dies unauslöschliche Feuer, die Hölle mit ihren Strafen und eine furchtbare Ewigkeit der Qual — anstatt eines langen, seligen Lebens. Glaube ja nicht, ich drohte dir mit unwahren Schreckbildern, wie es eine Mutter oder Amme bei den kleinen Kindern zu tun pflegt, die sie durch erdichtete Erzählungen beschwichtigen, wenn sie übermäßig und unaufhörlich schreien. Hier aber handelt es sich um keine Fabel, sondern um eine Lehre, die schon längst ein untrüglicher Mund verkündet hat. Auch sollst du laut einer Vorhersagung im Evangelium klar wissen, daß kein einziges Strichlein und kein einziger Punkt vergehen wird. Ja, selbst der im Grabe verweste Leib wird auferstehen, und 275 die beim Tode von ihm geschiedene Seele wird ihn wieder bewohnen. Und ein scharfes Gericht über unsere Lebenstage wird folgen, bei dem es keine Zeugen gibt als nur das eigene zeugende Gewissen. Vom gerechten Richter wird aber jedem nach Verdienst vergolten werden. Ihm gebührt Ehre, Macht und Anbetung in alle Ewigkeit. Amen.