Athanasius von Alexandrien · Apologia contra Arianos [seu Apologia secunda] · Kapitel 32
In Betreff des Marcellus aber, da ihr auch von ihm schreibt, als ob er gegen Christus gottlos sei, will ich euch mittheilen, daß er, als er hier war, betheuerte, es sei das, 93 was ihr über ihn geschrieben habt, nicht wahr. Als wir gleichwohl ihn aufforderten, über den Glauben sich auszusprechen, da sprach er selbst mit solcher Unbefangenheit sich aus, daß wir erkannten, daß er nur die Wahrheit bekenne. Denn er bekannte, in Bezug auf unsern Herrn und Heiland Jesus Christus so gottesfürchtig zu denken, wie die katholische Kirche denkt, und er betheuerte, nicht bloß jetzt, sondern von jeher so zu denken. (Ebenso gaben unsere Priester, die einst auf der Synode zu Nicäa gewesen waren, seiner Rechtgläubigkeit Zeugniß.) Er versicherte nämlich, sowohl damals als auch jetzt mit der Häresie der Arianer nicht in Übereinstimmung gewesen zu sein. (Deßhalb muß ich auch euch ermahnen, daß Niemand eine solche Häresie aufnehme, sondern als abweichend von der gesunden Lehre verabscheue.) Da er also richtig denkt und ihm seine Rechtgläubigkeit bezeugt wird, was hätten wir auch mit ihm wieder anfangen sollen, als daß wir ihn, wie wir thaten, als einen Bischof betrachteten und ihn nicht aus unserer Gemeinschaft ausschloßen? Das nun habe ich geschrieben, nicht um sie zu vertheidigen, sondern damit ihr euch überzeuget, daß wir nach Recht und Gesetz die Männer aufnahmen, und daß ihr ohne Grund hadert. Ihr aber müßt bestrebt sein und euch in jeder Weise bemühen, daß das, was gegen das Gesetz geschehen ist, wieder recht gemacht werde, die Kirchen Frieden haben, damit der uns verliehene Friede des Herrn von Dauer sei, die Kirchen nicht gespalten werden und euch nicht der Vorwurf treffe, als wäret ihr Urheber der Spaltung. Denn ich gestehe euch zu, daß das Geschehene nicht eine Veranlassung des Friedens, sondern der Spaltung ist.