Athanasius von Alexandrien · Apologia contra Arianos [seu Apologia secunda] · Kapitel 58
Als das Ursacius und Valens sahen, sprachen sie sich nun selbst das Urtheil, gingen nach Rom und legten gleichfalls ein reumüthiges Bekenntniß ab, baten um Verzeihung und schrieben an Julius, den Bischof des alten Rom, und an uns Folgendes. Die Abschrift wurde mir von Paulinus, Bischof von Trier, zugesendet.
Brief an Julius über die Sinnesänderung des Ursacius und Valens.
Aus dem Römischen übersetzt.
An den hochseligen Herrn, den Vater Julius, Ursacius und Valens.
Da bekannt ist, daß wir ehemals Vieles, was schwer verletzend ist, über den Bischof Athanasius schriftlich 128 ausgesagt haben, in Betreff der Sache aber, über die wir Mittheilung gemacht hatten, von deiner Güte schriftlich um näheren Aufschluß angegangen keine Rechenschaft geben konnten, so bekennen wir vor deiner Güte in Gegenwart aller Priester, unserer Brüder, daß Alles, was bisher über den Namen des genannten Athanasius euch zu Ohren gekommen, erdichtet und erlogen ist und nicht im Entferntesten ihn trifft. Deßhalb schließen wir uns gerne der Gemeinschaft des genannten Athanasius an, zumal deine Gottesfurcht in ihrer angebornen Rechtschaffenheit unserer Verirrung Verzeihung zu gewähren sich würdigte. Auch erklären wir Dieß, daß wir, wenn jemals die Morgenländer oder Athanasius selbst deßhalb in böser Gesinnung uns sollten vor Gericht laden wollen, ohne deine Einwilligung nicht erscheinen werden. Den Arius aber und seine Vertheidiger, welche sagen: Es war einmal, da der Sohn nicht war, und der Sohn ist aus dem Nichtseienden, und welche läugnen, daß Christus Gott und Gottes Sohn vor den Zeiten gewesen sei, belegen wir, wie in unserer ersten Erklärung, die wir in Mailand übergeben haben, auch jetzt und immer mit dem Anathem. Indem wir Dieß eigenhändig schreiben, bekennen wir nochmals, daß wir die arianische 129 Häresie, wie wir bereits ausgesprochen haben, und ihre Urheber auf ewig verurtheilt haben. Ich Ursacius habe diese meine Erklärung eigenhändig unterschrieben, ebenso auch Valens.
An den Herrn und Bruder Athanasius, den Bischof, die Bischöfe Ursacius und Valens.
„Da wir, geliebter Bruder, Gelegenheit gefunden haben, durch unsern Bruder und Mitpriester Musäus, der sich zu deiner Liebe begibt, so entbieten wir dir durch ihn aus Aquileja herzlichen Gruß und wünschen, du mögest unsern Brief bei guter Gesundheit lesen. Denn du wirst uns Freude machen, wenn du unser Schreiben erwiderst. Denn wisse, daß wir mit dir Frieden haben und in kirchlicher Gemeinschaft stehen. Und zum Beweise hiefür diene dir die Begrüssung in diesem Briefe. Die göttliche Vorsehung bewahre dich, o Herr und geliebter Bruder!“
So also lautet der Brief, und das ist das Urtheil und der Richterspruch der Bischöfe zu unsern Gunsten. Um aber zu zeigen, daß sie nicht aus Wohldienerei gehandelt haben noch von Jemand gegen sie ein Zwang geübt wurde, will ich mit euerer Zustimmung die Sache ganz von Anfang erzählen, damit ihr einsehet, daß die Bischöfe freiwillig mit Fug und Recht Dieß geschrieben und Ursacius und Valens, wenn auch spät, die Wahrheit bekannt haben.