Großes Unglück der damit behafteten Menschen. Betragen derselben gegen Andere. Ermahnung, diese Laster zu fliehen.
1. Wer an den Wunden dieser Fehler leidet, ist unglückselig; denn er ist ein Genosse des Teufels, „durch welchen der Tod in die Welt gekommen ist.“ Wer nämlich Neid und Eifersucht hat, ist ein Widersacher Aller; denn er will Niemanden sich vorgezogen wissen. Er verkleinert daher Diejenigen, welche in gutem Rufe stehen, und legt Solchen, die einen schönen Lebenswandel führen, allerlei Hindernisse in den Weg. Die rechtschaffen Lebenden tadelt er und verabscheut den Gewissenhaften. Wer gern fastet, den nennt er ruhmsüchtig, und den im Psalmgesang Eifrigen lobbegierig. Wer im Dienste eifrig ist, den heißt 348 er vorwitzig, und den bei Arbeiten Muntern ehrgeizig. Wer sich gern mit der hl. Schrift beschäftigt, den nennt er einen Müssiggänger, und den bei Antworten Bewährten einen Schlemmer. Niemals erfreut sich der Neidische über den Fortschritt eines Andern. Sieht er Jemanden nachlässig dahinleben, so erweckt er ihn nicht (zu Fleiß und Thätigkeit), sondern muntert ihn noch mehr zum Übel (d. i. zur Sorglosigkeit) auf. Bemerkt er zur Zeit des Gebets einen Schlafenden, so weckt er ihn nicht auf, sondern verschafft ihm vielmehr noch Ruhe dazu. Sieht er einen Bruder ausruhen, so redet er ihm übel nach, und betritt er Jemanden auf einem Versehen, so zieht er ihn bei Allen spottend durch.
2. Wehe dem Neidischen! Allzeit leidet nämlich sein Herz an Empfindungen des Grams, und der Körper wird immer blässer und abgezehrter, seine Kräfte schwinden dahin. Gegen Alle ist er bitter, wird zum Feinde Aller, haßt Alle, spielt gegen Alle den Heuchler, schmiedet Ränke, ist voll Menschenrücksicht. Heut’ schließt er sich an Diesen, morgen an Jenen an. Er ist bei Jedem ein anderer Mensch, verändert sich nach dem Willen eines Jeden, und im nächsten Augenblicke spricht er über Alle das Verdammungsurtheil. Er verleumdet Einen bei dem Andern und bringt Alle wie durch Zauber hinter einander. Ein schreckliches Gift also sind Neid und Eifersucht, weil daraus üble Nachreden, Haß und sogar Todtschläge entstehen.
3. Fliehet daher weit vom Neide, ihr Kämpfer für das Himmelreich! Entfernet weit von euch Eifersucht und Neid, damit ihr nicht mit dem Teufel verdammt werdet!