1. Unglückliche Lage eines solchen Menschen; seine schlechten Eigenschaften.
Unglücklich aber und elend ist der Mensch, welcher die Geduld nicht besitzt; denn über Solche ruft die hl. Schrift drohend „Wehe“ aus, indem sie sagt: „Wehe denen, welche die Geduld verloren haben!“ Und wahrlich, wahrlich Wehe Demjenigen, der die Geduld nicht hat! Ein Solcher wird nämlich wie ein Blatt vom Winde hin und her getrieben, verträgt keine Beleidigung, ist bei Drangsalen nachlässig. Ein Solcher ist in Streitigkeiten leicht zu verwickeln, mürrisch beim Erdulden (z. B. von Mühen, Leiden) und beim Gehorchen geneigt zum Widersprechen. Bei Gebeten ist er träge und bei Nachtwachen nachlässig; beim Fasten traurig und in der Enthaltsamkeit sorglos. Er ist zu faul zu antworten, und bei den Geschäften arbeitet er schlecht. An Bosheit hingegen ist er unüberwindlich und gebieterisch bei Anordnungen von Arbeiten, tapfer bei 334 Wortstreiten, in der Ruhe aber vermag er Nichts zu leisten. Ein Solcher ist ein Widersacher der Ruhmwürdigen und auf die Fortschreitenden (im Guten) eifersüchtig.
2. Wie schädlich die Ungeduld sei.
Wer die Geduld nicht hat, zieht sich vielfachen Schaden zu, und ein Solcher ist nicht im Stande, die Tugend sich zu eigen zu machen; denn „durch die Geduld laufen wir, “wie der Apostel sagt, „den uns aufgelegten Wettlauf.“ Wer die Geduld nicht besitzt, ist fern von dieser Hoffnung. Darum bitte ich euch, die ihr gleich mir ungeduldig seid: „Erwerbt euch die Geduld, damit ihr selig werdet!“