Urtheil über den Charakter der Lästerer. Gegensatz ist das Betragen Derjenigen, die von diesem Fehler frei sind. Unglück und Schändlichkeit der Lästersucht.
1. Wer am Lästern über Andere sein Vergnügen findet, hat offenbar in die Fehler, die er Andern vorwirft, sich selbst verstrickt; denn wer einen Andern lästert, verdammt sich selbst: er ist nämlich ein fleischlich gesinnter Mensch, in die Netze der Welt verwickelt. Der Lästersüchtige vereinigt in sich mit einanderVerläumdung und Haß und Ohrenbläserei. Ein Solcher wird daher als Brudermörder, als unbarmherzig und lieblos beurtheilt.
2 Wer aber die Furcht Gottes allzeit in sich trägt und sein Herz rein bewahrt, hat am Lästern über Andere keine Freude, findet kein Vergnügen am Bekanntmachen verborgener Fehler Anderer und ergötzt sich nicht am Falle anderer Leute.
3. Wahrhaft beklagenswerth und bedaurungswürdig ist daher, wer sich an Verlästerungen gewöhnt hat. Was ist auch schändlicher als dieser häßliche Fehler? Deßwegen zählt auch der hl. Apostel Paulus, da er die Werke der Gottlosigkeit verdammend anführt, den Lästerer darunter, indem er spricht: „Weder Lästerer noch Räuber werden das Reich Gottes erben.“