1. Selig ist, wer sich den wahren und ungeheuchelten Gehorsam zu eigen gemacht; denn ein Solcher ist Nachahmer unsers guten Lehrers, „der gehorsam geworden bis zum Tode.“ Wahrhaft selig ist daher, wer den Gehorsam hat; weil er nämlich Nachahmer des Herrn ist, wird er auch sein Miterbe.
2. Wer den Gehorsam besitzt, ist mit Allen durch die Liebe vereint. Wer Gehorsam hat, hat sich ein kostbares Gut erworben, einen großen Reichthum gewonnen. Der Gehorsame ist bei Allen hochbeliebt, wird von Allen gelobt, von Allen gerühmt. Der Gehorsame steigt schnell hoch, macht schnell große Fortschritte. Der Gehorsame unterwirft sich ohne Widerrede, entzieht sich keinem Auftrage, erzürnt sich nicht über Vorwürfe, ist zu jedem guten Werke bereit. Vom Jähzorne wird er nicht leicht ergriffen. Vernimmt er einen Vorwurf, so geräth er dadurch nicht in Verwirrung, und bei Unbilden wird er nicht entflammt. Er freut sich bei Betrübnissen, dankt in Bedrängnissen. Er wechselt nicht alle Augenblicke seinen Aufenthalt und zieht von einem Kloster in’s andere; denn er wird durch Ermahnungen nicht gekränkt. Er bleibt am Orte seines ersten Berufs und läßt sich ihn nicht verleiden. Den Vater (Abt) achtet er nicht gering. Mitbrüder schätzt er ebenfalls nicht gering und verkehrt die Ordnung des Klosters nicht. Er hat keine Freude an Erholungen, ergötzt sich nicht an (angenehmen) Orten, hat kein Vergnügen an Luftveränderungen, sondern er bleibt nach dem Ausspruch des hl. Apostels Paulus „am Orte, wo er berufen ward.“ Zahlreich sind also in Wahrheit die Früchte des Gehorsams; daher ist Derjenige selig, welcher in seinem Besitze ist.