Elend des Menschen, der den Geist des Gehorsams nicht hat. Traurige Folgen der Sucht zu murren. Charakter der diesem Fehler Ergebenen.
344 1. Verfluchungswürdig und elend ist der Mensch, welcher sich nicht den Gehorsam angeeignet hat, sondern das Murren; denn das Murren ist in einem Kloster eine große Plage, ein Ärgerniß für die Gemeinschaft, Umsturz der Liebe, Auflösung der Eintracht, Verwirrung des Friedens. Wer dem Murren ergeben ist, widerspricht, wenn er einen Auftrag erhält, ist unbrauchbar beim Arbeiten, und ein solcher Mensch erntet nie einen Dank ein. Zudem ist er auch träge; denn die Trägheit ist mit dem Murren innigst verbunden. Jeder Träge wird in Übel fallen, sagt die hl. Schrift; „denn,“ spricht sie, „der Träge sagt, wenn er irgendwo hingeschickt wird: Es ist ein Löwe auf den Wegen herum, Mörder sind auf den Strassen.“
2. Der dem Murren Ergebene weiß allzeit eine Ausflucht zu machen. Wenn ihm befohlen wird ein Werk zu verrichten, so murrt er und macht gleich auch Andere abwendig. „Wozu das? Warum Jenes?“ sagt er; „die Sache ist ja nicht zuträglich.“ Wird er auf einen Weg 345 hinausgeschickt, so gibt er vor, daß ihm bei der Reise große Schäden bevorstehen. Wenn man ihn zum Psalmgesange aufweckt, so geräth er in Hitze. Soll er Nachtwache halten, so schützt er Bauch- und Kopfweh vor. Gibst du ihm eine Ermahnung, so antwortet er: „Ermahne du nur dich selbst! In Bezug auf mich mag es gehen, wie Gott will.“ Belehrest du ihn, so erwidert er: „Wüßtest du nur die Sache so gut, wie ich sie verstehe!“ Keiner Arbeit unterzieht er sich allein, wenn er nicht irgend einen Andern als Theilnehmer für sich gewinnt.
3. Bei einem dem Murren Ergebenen ist jedes Werk verwerflich, unnütz und ohne Tugendwerth. Seine einzige Freude sind Ergötzungen, am Übelbefinden hat er kein Vergnügen. An Schmausereien findet er Lust, das Fasten hingegen ist ihm ein Gräuel. Ein solcher murrsüchtiger Müssiggänger versteht es auch gut, Ohrenbläsereien und allerlei Geschwätz zusammenzustellen; denn er ist sehr gewandt und verschlagen und in Plaudereien unüberwindlich. Ein solcher Mensch verleumdet in Einem fort die Leute bei einander. Bei guten Werken macht er ein finsteres Gesicht und taugt zur Aufnahme von Fremden gar nicht. Er ist ein Heuchler in der Liebe, stark aber im Hasse.
Murren wir daher, o Brüder, nicht bei Aufträgen (der Obern), widersprechen wir nicht und vertheidigen wir uns nicht, als ob wir mehr verstünden!