§ 1
Nachdem nun auch dieser verleumderische Einwand zurückgewiesen ist, erhellt ganz deutlich, daß weder die Propheten noch die Apostel jemals einen andern Gott genannt oder Herrn geheißen haben außer dem wahren und einzigen Gott. Um so mehr bekennt auch der Herr selbst, der da befahl, dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist, den Kaiser als Kaiser und Gott als Gott. Ähnlich erklärt er selbst das Wort: „Ihr könnt nicht zweien Herren dienen“, dahin: „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon“. 225Gott nennt er Gott und Mammon Mammon. Den Mammon nennt er nicht Herrn, wenn er sagt: „Ihr könnt nicht zweien Herren dienen“, sondern er lehrt seine Schüler, Gott zu dienen, aber vom Mammon sich nicht unterwerfen und beherrschen zu lassen. „Denn“, sagt er, wer Sünde tut, ist ein Knecht der Sünde“. Wie er also die, welche der Sünde dienen, Knechte der Sünde nennt, aber keinesfalls die Sünde selbst Gott, so nennt er die, welche dem Mammon dienen, Knechte des Mammons, aber den Mammon nicht Gott. Mammon aber heißt in der jüdischen Sprache, die auch die Samariter reden, geizig und habgierig — was auf hebräisch auch „Mamuel“ heißt — oder es bedeutet einen Schlemmer, der der Gaumenlust nicht widerstehen kann. Mag es nun diesen oder jenen Sinn haben, wir können nicht Gott dienen und dem Mammon.
§ 2
Aber auch als er den Teufel den Starken nannte, nicht schlechthin, sondern nur im Vergleich zu uns, da bezeichnete sich selbst der Herr als den schlechthin und in Wahrheit Starken, indem er sagte, „daß keiner anders die Gefäße des Starken rauben könne, als wenn er ihn vorher binde; und dann wird er sein Haus plündern“. Denn nicht war er stark gegen den, der ihn band und sein Haus ausraubte, sondern gegen die Menschen, die er gebrauchte, da er ihren Sinn von Gott ablenkte. Diese hat der Herr befreit, wie auch Jeremias sagt: „Erlöst hat der Herr Jakob und ihn aus der Hand dessen entrissen, der stärker war als er“. Wenn er nun den nicht genannt hätte, der ihn band und seine Gefäße ihm entwand, und ihn nur so schlechthin den Starken genannt, dann wäre der Starke unbesiegt. Aber er fügte noch den hinzu, der ihn bezwang. Der da bindet, hält fest, und der gebunden wird, wird festgehalten. Und da hört der Vergleich auf, damit der abtrünnige Knecht 226nicht mit dem Herrn verglichen wird, noch irgend etwas von dem, was geschaffen und untergeordnet ist, mit dem Worte Gottes verglichen wird, mit unserm Herrn Jesus Christus, durch den alles gemacht worden ist.
§ 3
Daß nämlich Engel und Erzengel, Throne und Herrschaften von dem allerhöchsten Gott durch sein Wort geschaffen und gemacht sind, das hat Johannes deutlich kundgetan. Denn nachdem er von diesem Worte Gottes gesagt hat, daß es im Vater war, fügt er hinzu: „Alles ist durch dasselbe gemacht worden, und ohne dasselbe ist nichts gemacht worden“. Und nachdem David alles einzelne, was wir genannt haben, die Himmel und alle ihre Kräfte als Lobpreis Gottes aufgezählt hat, fügt er hinzu: „Er sprach, befahl und es wurde erschaffen, er sprach, und es war gemacht“. Wem also befahl er? Dem Worte natürlich, „durch welches die Himmel gefestigt wurden, und durch den Hauch seines Mundes all ihre Kraft“. Daß er aber alles aus freiem Willen und nach seinem Gutdünken gemacht hat, bezeugt wiederum derselbe David, indem er sagt: „Unser Gott hat oben im Himmel und auf Erden alles gemacht, wie er es wollte“. Schöpfer aber und Geschöpfe, Ursache und Wirkung sind verschiedene Dinge. Er nämlich ist unerschaffen, ohne Anfang und ohne Ende, gebraucht nichts und genügt sich selbst und verleiht allem übrigen das Dasein. Was aber von ihm erschaffen worden ist, hat einen Anfang genommen. Was aber einen Anfang genommen hat, kann auch wieder aufgelöst werden, ist untergeordnet und bedarf dessen, der es erschuf. Also muß auch bei denen, die sich wenn auch nur ein geringes Unterscheidungsvermögen bewahrt haben, ein verschiedener Ausdruck gebraucht werden, so daß der Gott, welcher alles gemacht hat, samt seinem Worte allein rechtmäßig Gott und Herr genannt wird, das Erschaffene aber an diesem Ausdruck keinen Anteil haben noch darauf Anspruch erheben darf, da er allein dem Schöpfer zukommt.