§ 1
Es behaupten aber einige, Jesus sei ein Gefäß Christi gewesen, Christus sei auf ihn wie eine Taube herabgestiegen und dann, nachdem er den unnennbaren Vater verkündet hatte, unbegreiflich und unsichtbar in das Pleroma eingegangen. Nicht nur die Menschen hätten es nicht bemerkt, sondern nicht einmal die Mächte und Kräfte im Himmel. Dieser Jesus sei der Sohn, Christus der Vater und Christi Vater sei Gott. Andere wiederum sagen, daß er nur dem Anschein nach gelitten habe, in Wirklichkeit aber leidensunfähig sei. Die Valentinianer hingegen behaupten, der verheißene Jesus sei durch Maria hindurchgegangen; auf ihn sei der obere Erlöser herniedergestiegen, den sie auch Christus nennen, weil er die Namen aller derer trage, die ihn aussandten. Dieser habe jenem Verheißenen Anteil an seiner Kraft und seinem Namen gegeben, damit der Tod durch ihn zerstört und der Vater durch den Erlöser erkannt werde, der von oben herabstieg, und den sie wiederum Gefäß Christi und des gesamten Pleroma nennen. So bekennen sie zwar mit der Zunge einen Christus 273Jesus, spalten ihn aber in ihrer Lehre. Denn das ist ja ihr Dogma, wie wir oben gesagt haben, daß der eine Christus von dem Eingeborenen zur Besserung des Pleroma ausgesandt wurde, der andere aber als Erlöser zur Verherrlichung des Vaters; der dritte erst ist der Verheißene, der ins Leiden geriet, als sich der christustragende Heiland ins Pleroma zurückzog.
Demgemäß ist es erforderlich, daß wir die gesamte Lehre der Apostel über unsern Herrn Jesus Christus heranziehen und nachweisen, daß dieselben nicht nur nichts dergleichen gedacht, sondern vielmehr sogar durch den Heiligen Geist angezeigt haben, daß die, welche anfangen würden, solches zu lehren, vom Satan dazu angestachelt sind, um etliche vom Glauben abtrünnig zu machen und vom Leben abzubringen.
§ 2
Daß zunächst Johannes nur ein einziges Wort Gottes kannte, und daß dies der Eingeborene sei, Jesus Christus, unser Herr, der zu unserer Erlösung Fleisch geworden ist, das haben wir aus den Worten des Johannes selbst hinlänglich bewiesen. Doch auch Matthäus kennt nur einen einzigen Jesus Christus; denn indem er seine menschliche Geburt aus der Jungfrau darlegt, wie Gott dem David gemäß seiner viel früher dem Abraham gegebenen Verheißung versprochen hatte, daß er aus der Frucht seines Leibes einen ewigen König erwecken werde, da sagt er: „Buch der Abstammung Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams“. Alsdann fährt er fort, um uns vor Argwohn gegen Joseph zu schützen; „Mit der Geburt Christi aber verhielt es sich folgendermaßen: Da seine Mutter mit Joseph verlobt war, wurde sie, bevor sie zusammenkamen, vom Heiligen Geiste schwanger erfunden“. Als sodann Joseph daran dachte, Maria zu entlassen, da sie schwanger war, stand bei ihm der Engel Gottes, der da sprach: „Fürchte dich nicht, Maria, dein Weib, zu dir zu nehmen, denn was sie im Mutterschoße hat, ist vom Heiligen Geiste. Sie wird aber einen Sohn gebären, und du wirst seinen Namen Jesus nennen, denn dieser wird sein Volk von seinen 274Sünden erlösen. Dies aber ist geschehen, damit erfüllt wurde, was gesagt ist von dem Herrn durch den Propheten: Siehe, die Jungfrau wird im Mutterschoße empfangen und einen Sohn gebären, und man wird seinen Namen nennen Emmanuel, d.h. Mit uns Gott“. Daraus geht klar hervor, daß die den Vätern gegebene Verheißung erfüllt war, daß aus einer Jungfrau der Sohn Gottes geboren wurde, und daß dieser Christus der Erlöser ist, den die Propheten verheißen haben. Also ist es nicht so, wie jene sagen, daß bloß Jesus aus Maria geboren sei und der obere Christus herabgestiegen. Sonst hätte Matthäus auch sagen können: „Mit der Geburt Jesu verhielt es sich folgendermaßen”; indem aber der Heilige Geist die Fälscher voraussah und uns gegen ihre Arglist schützen wollte, sprach er durch Matthäus; „Mit der Geburt Christi verhielt es sich folgendermaßen … und dieser ist der Emmanuel“ — damit wir ihn nicht für einen bloßen Menschen halten. Denn „nicht aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen eines Mannes, sondern aus dem Willen Gottes ist das Wort Fleisch geworden“. So dürfen wir also nicht annehmen, daß Jesus und Christus verschiedene Personen sind, sondern müssen wissen, daß es ein und derselbe ist.
§ 3
Genau so ist auch die Erklärung Pauli, der an die Römer schreibt: „Paulus, ein Apostel Jesu Christi, auserkoren für das Evangelium Gottes, das er verheißen hat durch seine Propheten in den Heiligen Schriften von seinem Sohne, der ihm geworden ist aus dem Samen Davids dem Fleische nach, und der vorher bestimmt war zum Sohne Gottes in Kraft durch den Geist der Heiligung aus der Auferstehung Jesu Christi, unseres Herrn“. Und wiederum heißt es im Briefe an die Römer in Betreff Israels: „Aus ihren Vätern ist Christus dem Fleische nach, der da ist Gott, über alles gepriesen in Ewigkeit“. Ebenso heißt es im Briefe an die Galater: „Als aber die Fülle der Zeit kam, sandte Gott 275seinen Sohn, gemacht aus dem Weibe, gemacht unter dem Gesetze, damit er die, welche unter dem Gesetze waren, erlöste und wir an Kindesstatt angenommen würden“. So bekundet er deutlich: Einer ist Gott, der durch die Propheten die Verheißung von dem Sohne gab. Und einer ist Jesus Christus, unser Herr, der von dem Samen Davids aus Maria der Jungfrau geboren ist; dieser Jesus Christus ist bestimmt zum Sohne Gottes in Kraft nach dem Geist der Heiligung seit seiner Auferstehung von den Toten, damit er der Erstgeborene der Toten sei, wie er auch der Erstgeborene in der ganzen Schöpfung ist. Der Sohn Gottes ist Sohn des Menschen geworden, damit wir durch ihn an Kindesstatt angenommen würden, indem der Mensch den Sohn Gottes trug, faßte und umarmte. Deswegen sagt auch Markus: „Anfang des Evangeliums Jesu Christi, des Sohnes Gottes, wie geschrieben ist in den Propheten“. Er weiß es also, daß Jesus Christus, der Sohn Gottes allein derjenige ist, der von den Propheten verkündet wurde als die Leibesfrucht Davids, Emmanuel, der „Verkünder des großen Ratschlusses“ des Vaters, den Gott dem Hause Davids aufgehen ließ, den „Aufgang und den Gerechten“, und „das Horn des Heils ihm errichtete“ und „ein Zeugnis in Jakob erweckte“6, wie David die Gründe seiner Geburt mit den Worten angibt: „Und ein Gesetz stellte er auf in Israel, damit die nächste Generation es erkenne. Es werden die Söhne, die von diesen geboren wurden, auferstehen und es wieder ihren Kindern erzählen, damit sie auf Gott ihre Hoffnung setzen und seine Gebote erforschen“. Und wie wiederum der Engel Maria die Botschaft bringt, sagt er: „Dieser wird groß sein und Sohn des Allerhöchsten genannt werden, und es wird ihm der Herr den Thron seines Vaters David geben“, 276womit er den Sohn des Allerhöchsten zugleich als den Sohn Davids bezeichnet. Und indem David die Ordnung seiner Ankunft durch den Heiligen Geist erkennt, gemäß derer er „Herr der Lebendigen und der Toten“ ist, bekennt er ihn als den Herrn, der da „sitzet zur Rechten des höchsten Vaters“.
§ 4
Auch jener Simeon, der die Antwort vom Hl. Geiste erhalten hatte, daß er den Tod nicht früher sehen werde als er Christum Jesum sehen würde, nahm diesen Erstgeborenen der Jungfrau auf seine Hände, pries Gott und sagte: „Nun entlässest du deinen Diener, o Herr, nach deinem Worte in Frieden, denn gesehen haben meine Augen dein Heil, das du bereitet hast vor dem Angesicht aller Völker als ein Licht zur Offenbarung der Heiden und zum Ruhme deines Volkes Israel“. Er bekannte also das aus Maria geborene Kind Jesus, das er auf seinen Händen trug, gerade als Christus, den Sohn Gottes, das Licht der Menschen und den Ruhm seines Israel, als den Frieden und Trost derjenigen, die schlafen gingen. Schon nämlich nahm er Menschen gefangen, indem er ihre Unwissenheit aufhob, seine Kenntnis ihnen schenkte und sie austeilte unter die, welche ihn erkannten, gemäß Isaias, welcher spricht: „Nenne seinen Namen: Erbeute hurtig, verteile schnell!“ Das aber sind die Werke Christi. Also war Christus derjenige, den Simeon auf den Armen trug und als den Höchsten pries; den die Hirten sahen und Gott lobten; den Johannes, als er noch im Leibe seiner Mutter und jener noch im Schoße Mariens war, als Herrn erkannte und frohlockend begrüßte; den die Magier sahen und anbeteten, und dem sie die vorerwähnten Geschenke brachten, und vor dem sie sich niederwarfen als dem ewigen Könige; und dann kehrten sie auf einem andern Wege, als sie gekommen waren, also schon nicht mehr durch das Land der Assyrer, zurück. „Denn bevor noch der Knabe Vater und Mutter wird zu rufen 277wissen, wird er die Kraft von Damaskus und die Beute Samariens gegen den König der Assyrer ergreifen“, womit Isaias zwar versteckt, aber nachdrücklich kundtut, daß der Herr mit verborgener Hand Amalech eroberte. Deshalb entrückte er auch die Knaben im Hause Davids, die das Glück erlangt hatten, in jener Zeit geboren zu sein, um sie in sein Reich vorauszuschicken, als er selbst noch ein Kind war, und machte die Kinder der Menschen zu Märtyrern, die gemäß der Schrift getötet wurden wegen Christus, der zu Bethlehem in Juda, in der Stadt Davids, geboren war.
§ 5
Deswegen sagt auch der Herr seinen Jüngern nach der Auferstehung: „O ihr Unverständigen und langsam von Herzen, um an alles zu glauben, was die Propheten gesprochen haben! Mußte nicht Christus dieses leiden und eingehen in seine Herrlichkeit“ Und wiederum spricht er zu ihnen: „Dies sind die Reden, die ich zu euch gesprochen habe, als ich noch bei euch war, daß nämlich alles erfüllt werden müsse, was im Gesetze des Moses und in den Propheten und Psalmen von mir geschrieben ist. Dann eröffnete er ihnen den Sinn, daß sie die Schriften verstanden, und sagte zu ihnen: So steht geschrieben, daß Christus leiden und von den Toten auferstehen werde, und daß in seinem Namen Vergebung der Sünden gepredigt werde bei allen Völkern“. Das ist aber der, welcher aus Maria geboren wurde. „Denn es muß“, sagt er, „des Menschen Sohn vieles leiden, verworfen und gekreuzigt werden und am dritten Tage auferstehen“. Also kennt das Evangelium keinen andern Sohn des Menschen als den aus Maria, der auch gelitten hat. Aber keineswegs kannte es einen Christus, der vor dem Leiden von Jesus weggeflogen wäre, sondern den Jesus Christus, der geboren wurde, kannte es als den Sohn Gottes, und daß eben dieser gelitten hat und auferstanden ist, das bezeugt Johannes, der Jünger des Herrn, mit den Worten: „Dies aber ist 278geschrieben, damit ihr glaubet, daß Jesus ist der Sohn Gottes, und damit ihr glaubend das ewige Leben habet in seinem Namen“, So sah er jene gotteslästerlichen Lehren voraus, die den Herrn teilen, soweit sie es vermögen, und ihn aus zwei verschiedenen Substanzen gemacht sein lassen. Deswegen bezeugte er uns auch in seinem Briefe: „Liebe Söhne, es ist die letzte Stunde, und wie ihr gehört habt, daß der Antichrist kommt, sind jetzt viele Antichriste entstanden, woraus wir erkennen, daß es die letzte Stunde ist. Sie sind von uns ausgegangen, waren jedoch nicht von uns. Denn wenn sie von uns gewesen wären, wären sie auch bei uns geblieben; aber sie sollten offenbar werden als solche, die nicht von uns sind. Erkennet also, daß jegliche Lüge von außerhalb kommt und nicht von der Wahrheit ist. Wer ist lügnerisch, wenn nicht der, welcher leugnet, daß Jesus nicht Christus ist? Das ist der Antichrist“.
§ 6
Obwohl nun alle Vorgenannten mit der Zunge einen Jesus Christus bekennen, so spotten sie doch ihrer selbst, indem sie anders sprechen als meinen. Freilich sind ihre Dogmen mannigfaltige, wie wir gezeigt haben. Sie unterscheiden den Christus, der gelitten hat und geboren wurde von dem Christus ihres Demiurgen, der gemäß dem Heilsplane kam, oder den aus Joseph, den sie als den leidensfähigen dogmatisieren, von dem, der aus den unsichtbaren und unaussprechbaren Regionen herkam, den sie als den unsichtbaren und unbegreiflichen und leidensunfähigen hinstellen. Aber darin irren sie von der Wahrheit ab, weil ihre Lehre den allein wahren Gott nicht kennt, weil sie nicht wissen, daß sein eingeborenes Wort, das immer dem menschlichen Geschlechte beisteht, vereint und eingesät in sein Geschöpf, nach dem Willen des Vaters Fleisch geworden ist, Jesus Christus, unser Herr ist, der für uns gelitten hat und unseretwegen auferstanden ist und wieder kommen wird in der Herrlichkeit des Vaters, um alles Fleisch aufzuerwecken und Rettung zu bringen and das Gesetz des gerechten Gerichtes allen 279zu zeigen, die ihm unterworfen sind. Es ist also ein Gott Vater, wie wir gezeigt haben, und ein Christus Jesus, unser Herr, der durch die ganze Heilsordnung hindurch ging und alles in sich selbst zusammenfaßte. Zu diesem „allen“ gehört aber auch der Mensch, das Geschöpf Gottes; also faßte er auch den Menschen in sich zusammen, indem er, der Unsichtbare, sichtbar wurde, der Unbegreifbare begreifbar, der Leidensunfähige leidensfähig, das Wort Mensch. So faßte er in sich das All zusammen, damit er, wie das Wort in den überhimmlischen und geistigen Dingen Herrscher ist, ebenso in den sichtbaren und körperlichen Dingen herrsche, indem er auf sich die Herrschaft nahm und sich zum Haupte der Kirche einsetzte, und damit er alles an sich ziehe zu der passenden Zeit.
§ 7
Denn nichts ist bei ihm unberechnet, noch zu falscher Zeit, wie auch bei dem Vater nichts zufällig ist. Denn alles hat der Vater im voraus gekannt und der Sohn vollendet, wie es passend und geziemend ist, zur richtigen Zeit. Als deshalb Maria zu dem Weinwunder eilte und vor der Zeit Anteil haben wollte an dem Becher des Kompendiums, da wies der Herr ihre unzeitige Eile zurück mit den Worten: „Was ist mir und dir, Weib? Noch ist meine Stunde nicht gekommen“ und erwartete die Stunde, die der Vater vorherwußte. Deswegen heißt es auch, als viele ihn schon ergreifen wollten: „Niemand legte Hand an ihn, denn noch war die Stunde nicht gekommen“, ihn zu ergreifen, noch die Stunde des Leidens, die der Vater vorherbestimmt hatte, wie auch der Prophet Habakuk sagt: „Dann, wann die Jahre gekommen sein werden, wird man dich erkennen, in der Ankunft der Zeit wirst du dich zeigen, dann, wann sich meine Seele betrübt im Zorne, wirst du deiner Barmherzigkeit dich erinnern“. Doch auch Paulus sagt: „Als aber die Fülle der Zeit gekommen war, sandte Gott seinen Sohn“. Daraus ist 280ersichtlich, daß alles, was der Vater vorausgesehen hatte, nach Zeit und Ordnung zu der vorausgesehenen and passenden Stunde unser Herr vollendet hat, der reich und mannigfaltig ist, obwohl er ein und derselbe bleibt. Denn dem reichen und mannigfaltigen Wille des Vaters dient er, da er der Erlöser derer ist, die erlöst werden, und der Herr derer, die unter seiner Herrschaft stehen, und der Gott derer, die geschaffen sind, und der Eingeborene des Vaters und der verkündete Messias und das Wort Gottes, Fleisch geworden, als die Fülle der Zeit gekommen war, in welcher der Menschensohn Gottessohn werden mußte.
§ 8
Daher stehen alle außerhalb der Heilsordnung, die als Gnostiker zwischen Jesus und Christus einen Unterschied machen, zwischen dem Eingeborenen, von dem hinwiederum das Wort stammen soll, und dem Erlöser, den die Schüler des Irrtums von den Äonen ausgehen lassen. Äußerlich freilich sind sie wie Schafe, denn durch ihre ganze Ausdrucksweise erscheinen sie uns ähnlich, indem sie wie wir sprechen; innerlich aber sind sie Wölfe. Denn menschenmörderisch ist ihre Lehre, Mehrere Götter erdichtet sie, und mehrere Väter erheuchelt sie, den Sohn Gottes aber zerlegt sie in mehrere Stücke. Darum bat uns der Herr im voraus, uns vor ihnen zu hüten, und sein Schüler Johannes befiehlt uns in dem bereits genannten Briefe, vor ihnen zu fliehen, indem er sagt: „Viele Verführer sind in diese Welt ausgegangen, welche nicht bekennen, daß Jesus Christus im Fleische gekommen sei. Das ist der Verführer und Antichrist. Achtet auf sie, damit ihr nicht verlieret, was ihr geleistet habt!“ Und wiederum sagt er in seinem Briefe: „Viele Pseudopropheten sind ausgegangen von der Welt. Daran erkennet den Geist Gottes: Jeder Geist, der bekennt, daß Jesus Christus im Fleische gekommen ist, ist aus Gott. Und jeder Geist, der Jesum auflöst, ist nicht aus Gott, sondern von dem Antichrist“. Das ist aber dem ähnlich, was im Evangelium gesagt ist: „Das Wort ist Fleisch geworden 281und hat in uns gewohnt“. Deshalb ruft er abermals in seinem Briefe: „Jeder, der glaubt, daß Jesus ist Christus, ist aus Gott geboren“, indem er weiß, daß ein und derselbe Jesus Christus es ist, dem die Tore des Himmels wegen seiner leiblichen Himmelfahrt sich öffneten, und der auch in demselben Fleische, in dem er gelitten hat, kommen wird, seine Herrlichkeit zu offenbaren.
§ 9
Damit stimmt Paulus überein, wenn er zu den Römern spricht: „Umsomehr werden die, welche die Überfülle der Gnade und Gerechtigkeit zum Leben empfangen, herrschen, durch den einen Jesus Christus“. Er also kennt keinen Christus, der von Jesus fortgeflogen ist, noch nennt er ihn den oberen Erlöser, den sie den leidensunfähigen nennen. Wenn nämlich der eine gelitten hat, der andere aber leidensunfähig geblieben ist; der eine geboren wurde, der andere aber auf diesen hinabstieg und ihn wiederum verlassen hat, dann predigen sie nicht einen, sondern zwei Jesus. Daß der Apostel aber nur einen Christus Jesus kennt, der geboren wurde und gelitten hat, das sagt er wiederum in demselben Briefe: „Wisset ihr nicht, daß, soviele wir getauft sind in Christo Jesu, wir in seinem Tode getauft sind, damit, wie Christus von den Toten auferstanden ist, so auch wir in einem neuen Leben wandeln?“ Und wiederum bezeichnet er den Christus, der gelitten hat, als den Sohn Gottes, der für uns gestorben ist und mit seinem Blute uns zur vorherbestimmten Zeit erlöst hat, indem er sagt: „Wozu denn ist Christus, als wir noch schwach waren, gemäß der Zeit für die Gottlosen gestorben? … Es erweiset aber Gott seine Liebe für uns dadurch, daß für uns Christus gestorben ist, da wir Sünder waren. Umsomehr werden wir, nun gerechtfertigt in seinem Blute, durch ihn von dem Zorne gerettet werden. Wenn wir nämlich, da wir seine Feinde waren, versöhnt worden sind mit Gott durch den Tod seines Sohnes, so werden wir um vieles mehr als Versöhnte 282gerettet werden in seinem Leben“, Keinen anderen als den, der ergriffen wurde und gelitten hat und sein Blut für uns vergoß, bezeichnet er auf das deutlichste als Christus, den Sohn Gottes, der auch auferstanden ist und in den Himmel aufgenommen worden ist, wie er selbst sagt: „Zugleich ist Christus, der zur Rechten des Vaters sitzt, auch gestorben und sogar auferstanden“. Und wiederum: „Wir wissen, daß Christus, von den Toten auferstehend, schon nicht mehr stirbt“. Diese vorgenannten Worte spricht er, indem er durch den Hl. Geist die Unterscheidungen der falschen Lehrer voraussah und ihnen jeden Anlaß zu ihrer Verirrung abschneiden wollte. „Wenn aber der Geist dessen, der Jesum von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, dann wird der, welcher Christum von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen“. Eindeutig also ruft er denen zu, die hören wollen: Irret nicht, ein und derselbe ist Christus Jesus, der Sohn Gottes, der durch sein Leiden uns Gott versöhnt hat und von den Toten auferstanden ist, und der, welcher zur Rechten des Vaters sitzet und vollkommen in allem ist, der, als er Schläge bekam, nicht wieder schlug, der, „als er litt, nicht drohte“, und als er Mißhandlung erduldete, den Vater bat, daß er denen verzeihe, die ihn gekreuzigt hatten. Er hat uns in Wahrheit gerettet, er ist das Wort Gottes, er ist der Eingeborene vom Vater, Christus Jesus, unser Herr,