§ 46
185 1. Folgende drei Dinge sind es also, mit denen sich unser Philosoph unablässig beschäftigt, erstens die wissenschaftliche Betrachtung, zweitens die Erfüllung der Gebote, drittens die Heranbildung tüchtiger Männer. Die Vereinigung von allen drei macht den vollendeten Gnostiker aus. Was auch immer von ihnen fehlen mag, so ist die Erkenntnis lahm und unvollkommen.
2. Deshalb sagt die Schrift in göttlicher Weise: „Und es redete der Herr mit Moses und sagte: Sprich zu den Kindern Israels und sage zu ihnen: Ich bin der Herr, euer Gott.
3. Ihr sollt nicht gemäß den Sitten des Landes Ägypten, in dem ihr wohntet, handeln; und ihr sollt nicht gemäß den Sitten des Landes Kanaan, in das ich euch führen werde, handeln.
4. Und nach ihren Gebräuchen sollt ihr nicht wandeln; meine Gebote sollt ihr befolgen und meine Satzungen beobachten, um nach ihnen zu wandeln; ich bin der Herr, euer Gott.
5. Und beobachtet alle meine Satzungen und handelt nach ihnen! Der Mensch, der nach ihnen handelt, wird durch sie das Leben haben; ich bin der Herr, euer Gott.“
§ 47
1. Mag nun Ägypten und das Land Kanaan Sinnbild der Welt und des Truges oder der Leidenschaften und Laster sein, in jedem Fall zeigt uns der Spruch, was wir vermeiden und was wir als göttlich und nicht weltlich betreiben müssen.
2. Wenn der Spruch aber sagt: „Der Mensch, der nach ihnen handelt, wird durch sie das Leben haben“, so nennt er die Besserung der Hebräer selbst sowohl wie die Übung und die Weiterentwicklung ihrer 186 Nächsten, das sind wir selbst, ihr und unser Leben.
3. „Denn die in ihren Sünden tot waren, werden zusammen mit Christus lebendig gemacht“ durch den mit uns geschlossenen Bund.
4. Wenn aber die Schrift den Satz: „Ich bin der Herr, euer Gott“ oft wiederholt, so warnt sie damit einerseits auf das eindringlichste, indem sie uns lehrt, daß man Gott, der die Gebote gegeben hat, folgen muß, und ermahnt andererseits in ruhiger Weise, Gott zu suchen und danach zu streben, ihn, so weit es möglich ist, zu erkennen; dies ist die höchste wissenschaftliche Betrachtung, das höchste Schauen, das wahre Wissen, das gegen Vernunftgründe unumstößlich geworden ist. Dies ist wohl einzig und allein die Erkenntnis der Weisheit, mit der das gerechte Handeln stets unlösbar verbunden ist.