Das Schöpferwort “es sprosse die Erde…” das dauernde Naturgesetz der Pflanzenwelt. Dem Schöpfer, nicht der Sonne, verdankt die Erde ihre üppige Vegetation.
§ 25
Beim Abfließen des Wassers war es wohl angezeigt, der Erde Wohlgestalt und Anmut zu verleihen, daß sie aufhörte, „unsichtbar und ungestaltet“ zu sein. Gar manche nämlich nennen auch das ‚invisibile‘, was keine Wohlgestalt hat, und verstehen darum die Wendung „die Erde sei unsichtbar gewesen“ nicht in dem Sinn, daß sie vor Gott dem Höchsten und seinen Engeln nicht sichtbar war ― Menschen, oder auch Tiere waren ja noch nicht erschaffen ―, sondern daß sie den ihr eigentümlichen Schmuck noch nicht hatte. Der 92 Schmuck der Erde aber ist ein sprossendes und grünendes Gefilde. Um ihr nun Ansehen und Wohlgestalt zu geben, sprach Gott: * „Es sprosse die Erde das Grün des Grases, Samen treibend nach seiner Art, und die Fruchtbäume, fruchtbringend nach ihrer Art, deren Samen in sich selbst enthaltend“*.
§ 26
[Forts. v. 92 ] Hören wir die Worte der Wahrheit! Ihr Inhalt ist das Heil der Hörenden. Jenes erstmalige Wort Gottes nämlich bildet nun das Naturgesetz, das allen entstehenden Geschöpfen auferlegt wurde, das für alle Zeit für die Erde in Kraft blieb und die künftige Fortpflanzung, die Art und Weise, wie künftig Zeugung oder Befruchtung vor sich ginge, regelte. Darnach ist das erste das Sprossen, wenn man die Keime hervortreten sieht; sodann entwickelt sich, wenn die Keime hervorgetreten sind und zugesetzt haben, das junge Grün; das Grün desgleichen entwickelt sich nach kurzem Wachstum zum Gras. Ein wie segensvolles, wie gewaltiges Wort: „Es sprosse die Erde das Grün des Grases!“ Das heißt: aus sich sprosse die Erde, keines Anderen Hilfe suche sie, keines Fremden Dienst benötige sie!
§ 27
Gar manche pflegen nämlich zu behaupten: Wenn nicht milder, warmer Sonnenschein die Erde erwärmt und gewissermaßen mit seinem Strahl befruchtet, kann die Erde nicht sprossen. Und die Heiden erweisen der Sonne gerade deshalb göttliche Ehre, weil sie kraft ihrer Wärme in den Schoß der Erde dringe und deren Saaten befruchte, bezw. die vor Kälte gefrorenen Saftadern der Bäume auftauen mache. So höre denn Gott, der gleichsam also sich vernehmen läßt: Verstummen soll der Menschen Gerede in den künftigen Tagen, schwinden ihr eitles Wähnen! Bevor noch der Sonne Leuchte ersteht, soll das Gras hervorwachsen. Ihm sei der zeitliche Vorrang vor der Sonne eingeräumt. Daß kein Irrtum unter den Menschen Platz greife, sprosse die Erde, bevor sie noch der Sonne befruchtende 93 Strahlen aufnehmen kann. Alle sollen wissen, daß nicht die Sonne die Urheberin des Werdenden ist. Gottes Milde öffnet der Erde Schoß, Gottes Huld läßt ihre Frucht hervorbrechen. Wie soll die Sonne die Lebenspenderin der entstehenden Wesen sein, wenn diese durch die schöpferische Tat Gottes belebt und ins Dasein gesetzt wurden, bevor noch die Sonne in diesen Lebensbereich eintrat? Sie ist jünger als das junge Grün, jünger als das Gras.