Mit Recht darf man euch also nach dem, was ihr behauptet, in folgender Weise entgegenfragen. Da also die Propheten im Geiste Gottes reden und da durch Jesaias, wie im vorhergehenden gezeigt wurde, der Heilige Geist weissagt, so ist also der Geist Logos Gottes und es gibt zwei Logos, den Geist und den Sohn? Denn die Propheten weissagten dann, wenn das Wort Gottes (ὁ λόγος τοῦ θεοῦ) an sie erging. Und dazu kommt noch etwas. Da alles durch den Logos und ohne ihn nichts geworden ist, Gott durch die Weisheit die Erde gründete und alles mit Weisheit schuf, während, wie im vorhergehenden gezeigt ist, geschrieben steht: „Du wirst deinen Geist aussenden und sie werden geschaffen werden“, so ist also entweder der Geist der Logos, oder Gott hat alles durch zwei geschaffen, durch die Weisheit und durch den Geist? Und warum sagt dann Paulus: „Ein Gott, aus dem alles, und ein Herr, durch den alles ist”? Da ferner „der Sohn das Bild des unsichtbaren Vaters“, der Geist aber das Bild des Sohnes ist — es steht ja geschrieben: „Die er zuvor erwählt hat, hat er auch zur Gleichförmigkeit mit dem Bilde seines Sohnes vorherbestimmt” —, so ist also demnach der Vater Großvater? Und da der Sohn im Namen des Vaters gekommen ist, vom Heiligen Geiste aber der Sohn sagt: „Den der Vater in meinem Namen senden 474 wird“, so ist also auch demzufolge der Vater Großvater? Was sagt ihr dazu, obwohl ihr doch über alles so leichtfertig redet? Was meint ihr bei euch selbst? Oder tadelt ihr vielleicht solche Fragen, wenn ihr euch in Verlegenheit seht? Allein, sprecht euch zuvor selbst das Urteil — denn ihr pflegt solche Fragen zu stellen —, und fügt euch den Schriften, und wenn ihr in Verlegenheit seid, was ihr sagen sollt, so laßt euch dann gesagt sein: Der Geist wird in den Schriften nicht Sohn, sondern Heiliger Geist und Geist Gottes genannt. Wie aber der Geist nicht Sohn genannt ist, so steht auch vom Sohn nicht geschrieben, daß er der Heilige Geist sei. Da nun der Geist nicht Sohn genannt wird und nicht Sohn ist, steht etwa deshalb der Glaube mit der Wahrheit in Widerspruch? Das sei ferne! Jeder der erwähnten Ausdrücke hat vielmehr seine eigene Bedeutung. Denn der Sohn ist die eigene Erzeugung des Wesens und der Natur des Vaters, und das besagt auch der Ausdruck. Und der Geist, der Geist Gottes genannt wird und in ihm ist, ist weder von der Natur des Sohnes noch von der Gottheit des Vaters verschieden. Denn deshalb ist in der Trinität, im Vater, im Sohne und ebenso im Heiligen Geiste eine Gottheit, und in der Trinität selbst ist eine Taufe und ein Glaube. Indem nämlich der Vater den Geist sendet, gibt ihn der Sohn durch Anhauchen den Jüngern, da „alles, was der Vater hat, des Sohnes ist”. Und indem das Wort (τοῦ λόγου γενομένου) an die Propheten erging, weissagten sie im Geiste, wie geschrieben steht und gezeigt wurde: „Durch das Wort des Herrn sind die Himmel befestigt, und durch den Geist seines Mundes all ihre Kraft".