Angesichts dieser Beweisgründe wäre wohl von Sinnen, wer fragen wollte: Ist also auch der Geist 476 Sohn? Auch soll man ihn, weil es nicht so geschrieben steht, deshalb nicht aus seinem Verhältnis der Zugehörigkeit (zu Gott) herausheben, sondern, wie geschrieben steht, glauben und nicht sprechen: Warum ist das so und nicht so? Im Banne solcher Überlegungen könnte man leicht anfangen zu grübeln und zu sprechen: Wo ist also Gott, und wie ist er? Und schließlich müßte man das Wort hören: „Es spricht der Tor in seinem Herzen: es gibt keinen Gott„. Denn das, was durch den Glauben überliefert ist, bietet eine Erkenntnis, die kein vorwitziges Grübeln duldet. Als daher die Jünger das Wort hörten: „Taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“, da grübelten sie nicht vorwitzig, warum an zweiter Stelle der Sohn und an dritter der Geist, oder warum überhaupt eine Trinität genannt wird. Sie glaubten vielmehr wie sie hörten, und fragten nicht wie ihr: Ist also der Geist Sohn? Sie fragten auch nicht, weil der Herr den Geist nach dem Sohn nannte: Ist also der Vater Großvater? Denn sie hatten nicht vernommen: im Namen des Großvaters, sondern: im Namen des Vaters, und diesen Glauben verkündeten sie in richtigem Verständnis überall. Es ging ja auch nicht an, sich anders auszudrücken als der Heiland, der sich den Sohn, jenen aber den Heiligen Geist nannte. Es konnte auch nicht gestattet sein, ebensowenig in der Ordnung, in der sie aneinandergereiht sind, wie bezüglich des Vaters eine Änderung vorzunehmen; denn wie man von ihm nicht anders als vom Vater reden darf, ebenso ist es gottlos, zu fragen, ob der Sohn der Geist oder der Geist Sohn sei. Darum wurde Sabellius von der Kirche ausgeschlossen, weil er sich erdreistet hatte, dem Vater den Namen Sohn und dem Sohn den Namen des Vaters zu geben. Wird also nach alldem noch jemand sich erdreisten, wenn er von Sohn und Geist hört, zu sagen: Ist der Vater also Großvater, oder ist der Geist also Sohn? Ja, die Anhänger des Eunomius, Eudoxius und Eusebius werden es wagen. Denn da sie sich nun 477 einmal in der Rolle der arianischen Ketzerei gefallen, werden sie ihre Zunge nicht mehr von der Gottlosigkeit zurückhalten. Wer hat ihnen denn das überliefert? Wer hat sie das gelehrt? Ganz gewiß niemand auf Grund der göttlichen Schriften; diese Torheit ging vielmehr aus dem Unrat ihres Herzens hervor.