Wenn aber die Juden mit ihrer Bemerkung “durch Beelzebul” niemand andern als den Herrn lästerten, dann ist es also klar, daß die Worte “die Lästerung 490 gegen den Geist” sich auf den Herrn selbst beziehen, und daß der Heiland mit dem ganzen Ausspruch sich selbst gemeint hat. Er ist ja der Hausherr des Weltalls; denn zum sichern Verständnis muß man das gleiche unbedenklich wiederholen. Dürsten, sich abmühen, schlafen, geschlagen werden, essen, ist den Menschen eigen; die Werke aber zu vollbringen, die der Herr vollbrachte, stand nicht mehr in der Macht der Menschen, sondern in der Macht Gottes. Wenn nun manche, wie ich vorher sagte, im Hinblick darauf den Herrn als Menschen lästerten, verdienen sie wohl eine geringere Strafe als jene, die die Werke Gottes dem Teufel zuschreiben. Denn solche werfen nicht bloß das Heilige den Hunden vor, sondern vergleichen sogar Gott mit dem Teufel, und nennen das Licht Finsternis. Daß also hierin die unverzeihliche Lästerung der Pharisäer bestehe, hat Markus bemerkt, wenn er sagt: “Wer aber gegen den Heiligen Geist lästert, erhält keine Vergebung, sondern ist ewiger Sünde schuldig; sie sagten nämlich, er habe einen unreinen Geist”. Und der Blindgeborene bezeugte, als er sehend geworden war: „Seit die Welt steht, hat man es nicht gehört, daß jemand einem Blindgeborenen die Augen öffnete; wäre der nicht von Gott, so vermöchte er nichts zu tun“. Die Volksscharen aber sagten, voll Verwunderung über das, was durch den Herrn geschah: „Das sind nicht Worte eines Besessenen; kann etwa ein Dämon Blinden die Augen öffnen?” Die Pharisäer dagegen, die als gesetzeskundig galten, die Säume ausbreiteten und prahlten, als ob sie mehr wüßten denn die übrigen, schämten sich nicht einmal bei dieser Gelegenheit; sie opferten vielmehr nach dem Schriftwort dem Teufel und nicht Gott, die Unglücklichen, die behaupteten, der Herr habe einen Dämon, und die Werke Gottes seien Werke der Teufel. Dazu ließen sie sich nur aus dem Grund bestimmen, um zu leugnen, daß der, der diese Werke vollbrachte, Gott und der Sohn Gottes sei. Denn wenn Essen und körperliche 491 Erscheinung zeigte, daß er auch Mensch sei, warum erkannten sie aus seinen Werken nicht, daß er im Vater und der Vater in ihm ist? Doch sie wollten eben nicht. Sie hatten vielmehr selbst den Beelzebul, der in ihnen redete, so daß sie auf Grund der menschlichen Eigenschaften den Herrn einen Menschen nannten, auf Grund der Werke aber, die Gott eigen waren, ihn nicht mehr als Gott bekannten, sondern statt seiner den Beelzebul, der in ihnen wohnte, zum Gott machten, um schließlich mit diesem ewig im Feuer gestraft zu werden.