Ich halte aber auf Grund meines Studiums dafür, daß die Ansicht beider einer bescheidenen Untersuchung und Erwägung bedarf, ob nicht in ihren Äußerungen irgendein tieferer Sinn verborgen liege. Denn es ist klar, daß der Sohn, weil er im Vater ist, auch in jenen ist, in denen der Vater ist, und daß der Geist nicht fern ist. Denn die heilige, selige und vollkommene Trinität ist unteilbar. Wenn ferner alles durch den Sohn geworden ist und in ihm alles besteht, wie könnte er außer dem sein, was durch ihn geworden ist? Wenn aber all das nicht fern von ihm ist, so ist er natürlich ebenfalls in allem, so daß derjenige, der gegen den Sohn sündigt und lästert, notwendig auch gegen den Vater und den Heiligen Geist sündigt. Wenn das heilige Bad nur im Namen des Heiligen Geistes gegeben würde, könnte man mit Recht sagen, daß die Getauften nur gegen den Heiligen Geist sündigen. Da es aber im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes gegeben und jeder Täufling in dieser Weise geheiligt wird, so begehen jene, die nach der Taufe sündigen, notwendig eine Lästerung gegen die heilige und untrennbare Trinität. Es dürfte auch billig sein, so zu denken und zu urteilen, Wenn jene, zu welchen der Herr sprach, nämlich die Pharisäer, das Bad der Wiedergeburt empfangen hätten und der Gabe des Heiligen Geistes bereits teilhaft geworden wären, dann wäre die Erklärung allerdings überzeugend, daß sie durch einen Rückfall auch gegen den Heiligen Geist gefehlt hätten. 483 Da sie aber das Bad noch nicht empfangen hatten, vielmehr auch die Taufe des Johannes geringschätzten, wie konnte er sie dann beschuldigen, daß sie gegen den Heiligen Geist gelästert hätten, dessen sie noch nicht teilhaft geworden waren? Denn der Herr sagte das nicht, um lediglich zu belehren; er wollte die Strafe auch nicht für die Zukunft androhen; der Herr tat vielmehr diesen Ausspruch, um die Pharisäer wirklich für den gegenwärtigen Augenblick anzuschuldigen, daß sie sich bereits dieser Lästerung schuldig gemacht hätten. Da die Pharisäer in solcher Weise angeschuldigt wurden, noch bevor sie die Taufe empfangen hatten, kann sich dieser Ausspruch wohl nicht auf jene beziehen, die nach der Taufe sündigen, besonders auch, weil er sie nicht schlechthin wegen Sünden, sondern wegen Gotteslästerung beschuldigte. Der Unterschied besteht darin, daß derjenige, der sündigt, ein Gesetz übertritt, während derjenige, der lästert, gegen die Gottheit selbst frevelt. Als ihnen deshalb der Heiland früher viele Fehler vorhielt, daß sie das von Gott bezüglich der Eltern gegebene Gebot um des Geldes willen übertraten, daß sie sich der Predigt der Propheten gegenüber ablehnend verhielten und daß sie das Haus Gottes zu einem Kaufhaus machten, ermahnte er sie trotzdem zur Buße. Als sie aber sagten, daß er die Teufel durch Beelzebul austreibe, da nannte er das nicht mehr einfach eine Sünde, sondern eine Lästerung, so groß, daß die Strafe jener, die sich zu so etwas erdreisten, unnachlaßbar und unverzeihlich sei.