Wenn ich nun das bei mir überdenke, gewahre ich in dem Ausspruch einen viel tieferen Sinn. Deshalb habe ich auch zuvor viel zum Herrn gefleht, der am Brunnen saß und auf dem Meere wandelte; und nun wende ich mich wieder zur Heilsveranstaltung, die durch ihn für uns getroffen wurde; vielleicht daß ich aus ihr den Sinn der Schriftstelle erfasse. Nun verkündigt und predigt die ganze göttliche Schrift diese Heilsveranstaltung, besonders aber Johannes mit den Worten: “Der Logos ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt”. Und Paulus schreibt: „Obwohl er in göttlicher Gestalt war, dachte er doch nicht daran, 485 die Gottgleichheit als einen Raub an sich zu reißen, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, und ward an Haltung wie ein Mensch erfunden; er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Tod am Kreuze“. Denn deshalb, weil er Gott war und Mensch wurde, erweckte er als Gott Tote, heilte er alle durch sein Wort, verwandelte er Wasser in Wein; denn das waren nicht Werke eines Menschen. Da er aber einen Leib trug, dürstete er, ward er müde und litt er; denn das war nicht der Gottheit eigen. Als Gott sprach er: „Ich bin im Vater, und der Vater ist in mir”; insofern er aber einen Leib trug, wies er die Juden zurecht: „Was sucht ihr mich zu töten, einen Menschen, der euch die Wahrheit gesagt hat, die ich vom Vater gehört habe?“ Das geschah aber nicht getrennt je nach der Beschaffenheit der Handlungen, so daß die Werke des Körpers ohne die Gottheit, die Handlungen der Gottheit aber ohne den Körper in die Erscheinung getreten wären. Alles geschah in der Verbindung beider, und einer war der Herr, der es durch seine Gnade wunderbar wirkte. Denn er spuckte nach Menschenart aus, und doch war der Speichel göttlich; er machte ja durch denselben die Augen des Blindgeborenen wieder sehend. Und indem er sich als Gott zu erkennen geben wollte, brachte er es mit menschlicher Zunge zum Ausdruck und sagte: „Ich und der Vater sind eins”. Ebenso heilte er lediglich durch seinen Willen. Indem er seine menschliche Hand ausstreckte, richtete er die fieberkranke Schwiegermutter des Petrus auf und erweckte er die Tochter des Synagogenvorstehers, die bereits gestorben war, wieder von den Toten.